Ich schminke mein Sprechen mit fleißigem Gendern,
Entsprechend gefordertem Formideal.
Fürs eigene Spiegelbild würd ich’s nicht ändern –
Dem eigenen Ohr ist Kosmetik egal!
Doch eh ich berechtigte Anliegen schmähe,
Trag ich meiner Äußerei Glitzerstaub auf.
Auch wenn manch Wort ohne dies schöner aussähe,
Nehm ich das mir Läppische lässig in Kauf.
Galant und entspannt spende ich meinen Beitrag
Zu einer fairtrefflich sich bessernden Welt,
In der nach generisch-ästhetischem Einschlag
Der Wunsch nach jed äffischem Umweg entfällt.
Lass Birken bewirken
den Zuzug von Tier’ken
gönn dir auch Robin’chen
zwischen den Schien’chen
betagg alle Wände mit „Ende Gelände“!
Betagt mault manch Gleis-Greis: „Scheiß Umweltverbände!“
Drängt’s dein wilderndes Herz noch nach weiteren Faxen?
Dann lass uns mal Schönebergs Norden bewachsen!
Es knabbert an den Tagen
Ein Mund voll Dunkelheit.
Wie kurz der Sommer war, wenn
Die ungenutzte Zeit
Schreit: Memento Mori, Blätterfall,
Ein Wall von Kältekälte!
(Obgleich ein kurzer Lichteinfall
Mich morgendlich erhellte)
Es knabbert an den Tagen
Die Jahreszeit der Nacht.
Wie kurz der Sommer war, wenn
Du nichts aus ihm gemacht!
Geh kindlich, willst du den Bann übertreten,
Zeig die beste Miene zum verachteten Spiel!
Dann winde dich um das, wozu du gebeten –
Doch sei kindlich dabei! Das verrät keinen Stil.
Geh kindlich, wenn du ihrer Bühne entfliehst,
Weil Arglosigkeit ihre Angriffslust hemmt!
Sei kindlich, wenn du dein Revolverchen ziehst –
Dann zählt mit zum Spiel, wenn der Abzug mal klemmt!
Bleib kindlich, wenn du deine Flanken entblößt!
Deine letzte Bastion ist die Schutzlosigkeit
Als Irrtum, in dem deine Gegnerschaft döst.
Du kommst, wenn du kindlich gehst, doppelt so weit!
Vielleicht hat man‘s dich anders gelehrt?
So wappne dich für die Enttäuschung:
Es zählt nur der zählbare Wert.
Etwas leichtfertig hast du den Schmeichlern geglaubt,
Dein Kühnheitsdrang hielt‘ sie gebannt.
Allein das aus Reichtum sich reckende Haupt
Wird uneingeschränkt anerkannt.
Es bedeutet ein Haus, wenn‘s ein Anwesen ist,
Es bedeutet der, der darin wohnt.
Der Grund, dass man dich da grad treudoofer misst:
Man gönnt sich, dass das gar nicht lohnt.
Erzähl ihn‘n die rührenden Aufsteigerstories –
Doch beginne sie stets gut betucht!
Klar, findet man kurz, dass Herr Außenvor boah! is –
Aber einer wie du wird gesucht.
Um irgendwalchen Silbenseen
Salch Wortgebilde nachzuseh’n,
Muss ich erst schwammig Runden dreh’n.
Obschon Poeten es begrüßen,
Vokabularien zu versüßen
Und sehr auf neue Silben steh’n –
Bei wal-chen schrei ich nich: „Die lieb ich!“
(ach, wol-chen wär doch so ergiebig!).
Doch nach dem Walchenseedurchschwimmen
Kommt nicht umhin man, zuzustimmen
Dem Lob voll Teichbegeisterschwung:
Dass der Tisch und die Stühle da immer noch steh’n,
Wie wir sie – bald sterbend – verließen.
Als plane die Tür noch uns wiederzuseh’n,
Als wüsste sie noch, wie wir hießen.
Man sieht’s an dem Alter der Photographien:
Die haben ihr Trinkgeld gegeben.
Der Thrill vom am Stammtisch geschlag’nen Partien
Dräut dunstig in anderen Eben-en.
(Was haben wir die einst mit allem gefüllt,
Was wir für erachtenswert hielten,
Was haben wir wie unter Schmerzen gebrüllt,
Wenn andre zu nachlässig zielten!)
De-platziert von der Zeit stehen unverrückt da:
Die Stühle, der Tisch und der Tod.
Kein spät’res Int’resse kommt uns jemals nah –
Jede Zeit hat ihr eigenes Lot.