Meinen Mutwillen sollte ich Wutwillen nennen:
Ein bissiger Hund, der auf niemanden hört
Und sich weigert, Verwundbarkeit anzuerkennen –
Der nebenher, selbstherrlich, einfach zerstört.
Er labt im Furor sich am eigenen Schaden,
Hüllt sich in als Ungeduld tarnende Decken.
Will ich mich nicht weiters im Selbstmitleid baden,
Muss ich mich vorm Hund meines Wutmuts verstecken.
Dieses Lied weiß noch immer, wie jung wie uns fühlten,
Als wir ohne Schimmer die Nachtstadt durchwühlten
Auf Suche nach den für uns stimmigsten Plätzen
Im Wissen, man wird unser Mittun dort schätzen.
Konsens zelebrierte ambiges Ambiente,
Wir feierten Trends stets im Status al dente,
Doch was wir mal gewannen, verloren wir ganz.
Nur dies Lied liegt mir noch in den Ohren: Kerl, tanz!
Ein Jahr hast du geblumt – nun brülle,
Flut die Flur mit Blütenfülle,
Oppulent wie üppig glühend,
Knülle Farbenprachten blühend,
Die vereint in Übertreibung
Flieh’n den Zügeln der Beschreibung,
Trachtend danach im geballten
Sinnenspiel sich zu entfalten.
Die Bienlein toll’n im Pollenschlüpfer
Von Stempelchen zu Stempel,
Das Zierpen eingegraster Hüpfer
Beteppicht stur den Tempel,
Der sich aus Schwärmerei errichtet –
Und fehlt’s ihm auch an Sichtbarkeit:
Ein Wärmeschwall hat ihn gedichtet
Und all dem Schwirrgetier geweiht.
Die Sonntagsbrühe steht verdickt in den Gassen
Und sammelt sich Masse bis mittags um Eins,
Der Frühstückskaffee restet in seine Tassen
Zum Glockenschlag hiesigen Glaubensgebeins.
Und paarungsbereit liegt der Nachmittag da,
Ich such nach verwertbaren Reizen,
Doch unberückt, aller Erwartungen bar,
Muss langen, die Beine zu spreizen.
Geduld ist unsere sicherste Währung.
Und verliert sie mitunter an Wert,
Bedarf es den Zukauf nur einer Erklärung,
Die Irritationen entzerrt.
Doch bläht sich in dir das Bedürfnis zu shouten:
Der ist verantwortlich! Die trägt die Schuld!
So fehlt’s in den hektisch errichteten Bauten
A) an fast allem – und B) an Geduld.
Was Astronauten so aus den Händen fällt,
Landet nirgends, nimmermehr,
Trudelt durch eine nicht endende Welt –
Und die gibt als All all dies nie wieder her.
Die Einsamkeit brüht nachschublos
Den x-ten Aufguss aus Resten.
An jeder Luke droht ein Stoß
Von ungebet‘nen Gästen.
Dass oft besuchte Plätze nun
Für andre Leute gelten,
Dass deine Daseins dun-
Kel sich vereinen auf ein Selten,
In dem sich Rückkehr unerfüllt
Als leer gestreckter Leib enthüllt –
Dies alles macht dir jäh bewusst:
Im Fazit überwiegt Verlust.