Vor der Ohrfeige
Verboten ist’s dir, Sohn, drum warn‘ ich:
Pfoten weg vom Kronenkranich!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte, in denen Tiere die Hauptpersonen sind.

Vor der Ohrfeige
Verboten ist’s dir, Sohn, drum warn‘ ich:
Pfoten weg vom Kronenkranich!

Erstes vierzeiliges Vielfaltgedicht (Wer den Aufprall nicht aufhält, als Abfall hinabfällt)
Viele Falter fielen,
Genick geknickt an Fensterscheiben,
Flatterlos gen Bodendielen,
Wo sie lang noch liegen bleiben.

Von allen Dächern
Die Spatzen pfeifen es von allen Dächern
Und dann schlittert’s die Schindeln hinab.
In den Mäulern der Dachrinnen scheppert es blechern,
Von dort schnappt es sich irgendein Rab
Und stibitzt noch die letzte Erinn’rung ans Oben –
Er versenkt es als Rest in den Grund,
Beschleunigt die Zeit, und zersetzt von Mikroben
Wird jedwede Sperrigkeit rund.
Und verlor’n ist die Möglichkeit anderer Reife –
Für das Haben der Raben. Und der Spatzen Gepfeife.

Das hätte ich jetzt so nicht erwartet … (Imi Tiere & ten Öre)
Wenn Pavianrotten Pavarotti nachäffen,
Gelingt’s denen schon
Manchen Ton
Auch zu treffen!

Der Kükenmuser
Wir wollen in Würde den Bruderhahn schreddern
Als Prälaten pragmatischer Liebe,
Uns nicht mehr in frommen Gedanken verheddern,
Als wenn uns ein Schuldasyl bliebe!
Wir haben der Duldsamkeit Segen erklärt –
Und stell’n ihn aus Coolness in Frage.
Wenn Unredlichkeit uns bald nicht mehr ernährt,
Verbessert das nicht unsre Lage!

Der Kuckuck
Ja, wenn so ein Kuckuck das Nachsehen hat,
Dann tut es gleich doppelt so weh!
Den Doppelkuck fuchzt‘s: „Bin vor Sehnsucht stets platt,
Wenn ich einen Siehssieh-Film seh –
Würd mich gern selbst mit Siehssieh trauen,
Anstatt nur guckguck zuzuschauen!“
Ja, wenn so ein Kuckuck das Nachsehen hat,
Dann plagt ihn das große Wehweh!
Das macht aus nem Au, au!
Nen blauzüngelnd Wau-Wau –
Als Chow-Chow sagt Siehssieh der Kuckuck Ade.

Erkenntnisgewinn mit zwei Ausrufezeichen
Unter aller Sau
Hab ich heut gelegen
Und weiß nun genau,
Wie die sich bewegen,
Diese Schweine!
Die hab’n Beine!

Ripostegedicht zu meinem eigenen Text „Hinten im Korn (auf Halmhöh von Malmö)“.
Hinten wie vorn (Das Schaf im Sexfilm)
Dreh ich ’nen Mäh-Porn,
Wird erstmal geschor’n,
Denn
In den Szen’n, die wir drehen,
Soll man das Mäh sehen
Vom Horn bis zum Zeh und
Von hinten wie vorn.

Von glücklichen Hühnern
„Tock, tock, tock!“, gluckt’s aus der Henne,
Die ich gockelglücklich nenne,
Wie sie sich mit Nochschopf regt!
Eh man sie zum Kochtopf legt.

Crossover-Ripostegedicht zu Leopold Sedar Senghors „Gedicht für meinen weißen Bruder“ und Robert Gernhardts „Gesetz den Fall, ihr habt ein Schaf gekränkt“.
Angeschwärzt
Gesetzt den Fall, das Schaf ist schwarz –
(wie schnell fällt dann der Satz: „Das’n Fall fürs Gesetz!“?) -,
Und du weißt, weiß strahl’n all deine sichtbaren Parts,
Wenn der Schäfer fragt: „Wer’s’n der Sündenbock jetz?“
Dann gibt’s keinen Klär- oder Kränkungsbedarf,
Weil ein Blick unsrer Herde die Weißheit beweist:
Verbockt hat’s, klar, das schwarze Schaf –
Erst recht, wenn es Obamäh! heißt!
Sagt jetzt nicht: „Schwarz ist farblich doch eh am Ende!
Da kann man sich jedwede Tönung auch schenken!
Nichts, was schwarzes Schaffen mit Chef-Sein verbände –
Da darf man ein Schaf auch mal schärfer für kränken!“
Ein gutes Wollgeknäuel zu tragen,
Liegt auf jedem Fell in der Schafe Natur,
Drum drängt euch nicht zum Kränken-Wagen –
Als stünden wir nicht vor der selben Rasur!
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