Aber welchen der Träume von vor dreißig Jahren
Haben wir seither verbraucht?
Wie viele von ihnen sind ohne Bewandnis
Längst in Krematorien verraucht?
Und magst du mir sagen, wie da grad der Stand is –
Auch hinsichtlich Priorität?
Dann würd ich gern zwei bis drei weiter verwahren,
So lange mein Akku noch lädt.
Nun über die ganz großen Plätze zu geh’n
Nahe Statuen bedeutender Leute,
Mag ich als mein Chäncechen auf Einsicht versteh’n –
Da ich Demut aus Dümmlichkeit scheute.
Schon schärf ich geschätzten rebellischen Sinn
Unterm Schein von bewährteren Schätzen.
Dem Straßenlärm nicht mehr gewahr, denn ich bin
Auf dem Weg zu noch größeren Plätzen.
Diesem Feld entwächst seit Generationen
Und immer rotes Korn.
Derweil haben wir, die es rührig umwohnen
Unsre Leben und Kriege verlor’n.
Ach, könnten wir doch mit dem Sonnenlicht späh’n,
Wenn’s die schwankenden Halme durchdringt!
Uns bleibt nur, sie alljährlich niederzumäh’n –
Im Wahn, der nichts wirklich bezwingt.
Es wellen die Blätter im Sturmwind dahin,
Ganz ohne Arg und Zorn.
Es ruht die Gewissheit vom Wiederbeginn
Im frisch aufgerichteten Korn.
Maske, Perso, Impfnachweis –
Irgendetwas vergesse ich immer!
Es stresst mich mein Verschusselfleiß –
Und das wird stetig schlimmer.
Je länger die Liste vergessbarer Dinge,
So bängrer wird mir, dass ich es nicht vollbringe,
Vier Schritte vor das Haus zu geh’n
Und nicht gleich wieder umzudreh’n,
Weil ich, Geld, Handy, Stift oder Tickets vermissend
(und meinen Verstand ob solch Leerstellen dissend),
Fünf Stockwerke rauf muss, zur Wohnung zurück.
Bis ich einst kapier, schier verzweifelnd vor Glück:
„Ich hab meinen Schlüssel ja gar nicht dabei!“
In Italien ist Stadt-zu-Sein spürbar viel größer
Und der Boden aus feinerem Stein.
Jahrhundertgesotten als Einflusseinflößer
Entmüht sich das süßere Sein,
Ist jed Geräsuch Teil einer Kleinmelodie –
Und sinnenversonnen erlauschen wir sie.
Die volle Gattung Mensch, sie schwelgt im Bann vergangner Zeit.
Und der Stolz der Gehwegplatten türmt sich zu Erhabenheit.
Das singende Klimpern im Fahnenmastwald
Umspielt ein verdümpelndes Bootsbauchgeschwapp …
Und Einsatzbereitschaft scheint in sie gekrallt –
Die wellt auch im nachten Schwall niemals ganz ab.
Seeleingelullt, wird’s mir dann schließlich zu kalt –
So schließ ich das Fenster zum Fahnenmastwald.
Nach dem Lehrer folgt nun auch der Priester dem Tross
Hoch hinauf zu den satteren Wiesen.
Eine letzte Tür fällt mit Geknarr in ihr Schloss
Und der Herr wird noch einmal gepriesen.
Meine Wacht wird der Stachel der Einsamkeit quäl’n
Bis zur Rückkehr von kürzeren Tagen.
Derweil werd ich mir selbst was von Heimat erzähl’n
Beim Zertreten der Saat aller Fragen.
„Los, glorifizier uns!“, geifern die Gipfel,
Den Ethos des Dichters zu zäumen.
Ich freilich spiel lieber am eigenen Zipfel
Und lock’re die Zügel im Heu, man!