Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

  • Abgeschirmt & das zweitausendneunundneunzigste Gedicht

    Abgeschirmt & das zweitausendneunundneunzigste Gedicht

    Im falschen Zuhause

    Wahrlich, ich führe ein wunderlich Leben,
    Das leider verfälscht wird von Fremdrequisiten.
    Ja, ich fühlspüre mich deutlich daneben –
    Und kann über keinerlei Ding hier gebieten.

    Randvoll und unverlangt bin ich umgeben
    Von Auswüchsen mir doch versagter Renditen.
    Aussichtslos, Blickwerk und Köpfchen zu heben,
    Umbaumelt mein Kinn ihr Schild „Mich kann man mieten!“.


  • Neue Stary Most & das zweitausendachtundneunzigste Gedicht

    Neue Stary Most & das zweitausendachtundneunzigste Gedicht

    Angebiestert

    Plötzlich biestert’s mich an, dass ich gar nichts versteh,
    Dass ich hoffnungslos rätselnd komplett überseh,
    Wo Essenz vor sich seint
    Und des Daseins Meriten,
    Vom Stumpfsinn verneint
    Und umzingelt von Nieten,
    Die ich sehenden Auges nicht wirklich erkenne,
    Weil ich stümperhaft Wertes vom Unwerten trenne,
    Dass ich trotz voller Fahrt
    In längst höherem Gange
    Auf nutzlosem Grat
    Nie nach oben gelange.


  • Hotel Kyiv & das zweitausendsiebenundneunzigste Gedicht

    Hotel Kyiv & das zweitausendsiebenundneunzigste Gedicht

    Aber die Haie

    Aber die Haie fraßen
    Die Brüste, die deinen; die Scheide;
    Der Rundungen Streben nach Maßen,
    Umrundet vom weiblichen Neide;
    Der Raum und Zeit Vollkommenheit
    Und ihre Ebenmäßigkeit –
    Von ziellosen Zähnchen zerrissen,
    Die nichts in Erotik bemessen,
    Nur beiläufig fressen und fressen:
    Dich, Kronstadt von Wesen und Wissen.


  • Lovin‘ Liegebarrieren & das zweitausendsechsundneunzigste Gedicht

    Lovin‘ Liegebarrieren & das zweitausendsechsundneunzigste Gedicht

    Unverzagt Gesagtes

    „Springlebendig freundlich“ ist ein gutes Begegnungsgefühl,
    Ebenso gewinnt mich ein „verbindlich, aber kühl“.
    Zwar sagt mir ein „sarkastisch scharf“ als Spartenfreude zu –
    Doch schwärm ich täglich heuchelwahr: Man muss so sein wie Du!


  • Bratislava & das zweitausendfünfundneunzigste Gedicht

    Bratislava & das zweitausendfünfundneunzigste Gedicht

    Lässiges Bratislava

    Im Verlangen nach baren Besonderheiten
    Entleert sich von Schiffen die Menschenfracht,
    Hastig füllen sich die Speicherkarten
    Mit den spürlichsten Spuren vergangener Zeiten.
    Verwehrt bleibt das Ständchen geschliffener Pracht:
    Zu unterjustiert
    Harrt, was interessiert,
    Lädt ein, nicht zu viel zu erwarten.


  • Förchensee & das zweitausendvierundneunzigste Gedicht

    Förchensee & das zweitausendvierundneunzigste Gedicht

    Im Endspurt des Streunens

    Nirgends zuhause
    Und doch nichts vermissend.
    Mir zeigt sich jed Bau
    Fundamenteunwissend –
    Und ich zeig entsprechend zurück!

    Zeichen vertrauend,
    Scheint Suche mir lässlich.
    Ein endloser Stau
    Potenziert sich ins Grässlich –
    Derweil ich die Zeit überbrück.

    Wann ließ das Verlangen vom Glück?
    Und was bestimmt, was man vergisst?
    Fernab vom Traulich,
    Nirgends zuhaus: ich –
    Leider auch nirgends vermisst.


  • Santiago de Cuba & das zweitausenddreiundneunzigste Gedicht

    Santiago de Cuba & das zweitausenddreiundneunzigste Gedicht

    Santiago de Cuba (von der Rooftopbar betrachtet)

    Santiago klingt wie ein Verbrechername,
    Nach ’nem Schurken mit reinem Gewissen.
    Der verkneift sich die Schimpfwörter vor einer Dame –
    Die Manieren nicht vollends verschlissen
    Und im Innern die Sehnsucht nach schöngeist’gem Leben,
    Nach Porch, Poesie und Pompon,
    Im Schoß eines Lichts, das sich müht zu vergeben,
    Wenn Läuterung bricht den Kokon.

    Der Schwitzkasten früherer Notwendigkeiten
    Verrohte gewöhnlich den Ton.
    Mag Santiago auch niemand zum Tisch mehr geleiten,
    Versöhnt man sich mit seinem Sohn.


  • Che’s Choco & das zweitausendzweiundneunzigste Gedicht

    Che’s Choco & das zweitausendzweiundneunzigste Gedicht

    Ripostelied auf „Hasta Siempre Comandante Che Guevara“

    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Du fühlst dich schwach, allein und wehrlos? – Werd mein Mandat, ey!
    Und alle rings um dich sind ehrlos? – Werd mein Mandat, ey!
    Das wiederholt sich immer wieder?
    Nun hebt dies Lied dir deine Lider …

    Da mir als Anwalt schnell klar ward:
    Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
    Entflieh den Pranken der Gangster –
    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Füttert man dich mit blauen Bohnen? – Werd mein Mandat, ey!
    Und droh’n Verrohte dir mit Drohnen? – Werd mein Mandat, ey!
    Scheint dir dein Dasein so betrüblich?
    Denk nie, das sei vielleicht so üblich.

    Da mir als Anwalt schnell klar ward:
    Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
    Entflieh den Pranken der Gangster –
    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Lud man dich ein zu einem Blutbad? – Werd mein Mandat, ey!
    Du findest nicht, dass dir das gut tat? – Werd mein Mandat, ey!
    Weißt nicht, was soll die Blutung stillen?
    Wird alles gut, Jung, kannst jetzt chillen

    Da mir als Anwalt schnell klar ward:
    Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
    Entflieh den Pranken der Gangster –
    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Du bist ein ständig Überhörter? – Werd mein Mandat, ey!
    Trotz aller Wendigkeit Zerstörter? – Werd mein Mandat, ey!
    Wenn das Verfahr’n verfahren ausschaut
    Bau drauf, dass dich da einer raushaut!


  • Mitter- und Lödenseepassage & das zweitausendeinundneunzigste Gedicht

    Mitter- und Lödenseepassage & das zweitausendeinundneunzigste Gedicht

    Verlust & Stolz

    Die wieviel größte Sünde
    Ist die schnöde Vorhersehbarkeit?
    Sie stößt dich ab in Gründe,
    In die Ödnis verlorener Zeit.

    Den Countdown deines Lebens
    Macht umgähnte Zeit doppelt bewusst.
    Im Dunkel inn’ren Bebens
    Überschlägst du bereits den Verlust.

    Du sprichst zurecht den schuldig,
    Der Vorhersehbarkeit brät zur Pein.

    Verbleib mit Stolz geduldig –
    Ein Zuviel an Beschwerde macht klein!


  • Weitsee & das zweitausendneunzigste Gedicht

    Weitsee & das zweitausendneunzigste Gedicht

    Was Paradiesvögel singen

    In den Randbezirken von Paradiesen
    Läuft man barfüßig über den Schnee,
    Man kikerikit reine Lautexpertisen
    Und tränkt mit Daiquiri den Klee.

    Ich weiß, Spatz, du wirst dies als gestrig schelten –
    Du schätzt Freiheit alleine aus Not.
    Hier schält sich die Regel vom Zwang frei, zu gelten –
    Und du hast hier Redeverbot!


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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