Aus niemand‘ vor Orte bekannten Motiven
Gibt es kein Wort, das sich reimt auf Oliven!
Wenn aus reiner Not ich nun Laute verschieve,
Tu ich das allein der Olive zulieve,
Wechs’le zu anderen Sprachen gar/even –
Überall Brachen beim Reim auf Oliven!
Auch die Erkundung der ganz tiefen Schichten
Füllt keinen Mund mit Olivengedichten!
Es heißt, in dem Umfeld von Diven und Dieben
Hätte wer über Oliven geschrieben?
Scharlatan-Teufel sind allesamt sie, denn
Niemals schrieb irgendwer über Oliven!
Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.
Dein Aufruhrbegehren war stets etwas weird,
Nun hab’n manche Lehren dich pazifiziert,
Bist immer noch Insel, doch fügst dich dem Meer,
Warst hartes Gerinnsel, nun rügst du meist fair.
Den Frieden zu finden, heißt ihn zu erzwingen –
Es kann das Sich-Winden nicht ewig gelingen.
Erwies rüder Stolz nicht beizeiten als falsch sich?
Fast müd zuckt die Klinge – und irrt sich gewaltig.
Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.
Bisher kannte ich Brasilianisch als Sprache,
Die staccatohaft immerzu mündet in „gooooool!“.
Schier endlos durchzieht mein Verständnis ’ne Brache,
Aus der ich gehetzt ein paar Wortfetzen hol,
Bis ich irgendwie restwertig glaub‘ zu verstehen,
Was jener Mann/jene Frau hilfsbereit singt –
Lad‘ selbst mein Latein ein, um Sinn zu erflehen,
Der bald darauf Mimik und Wortklang durchdringt,
Urplötzlich erschließt sich mir all das Gesagte,
Hab’s schließlich beflissen als Wissen erdealt:
Man sagt hier stets – gleich, was vordem ich erfragte,
„Brasilien hat grade ein Tor („gooooool!“) erzielt.“
Alle Rechte bei C. Redka für das Vereinsheim München, das das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 erstanden hat.
Zwischen Besamung und Begattung
Behagt es aber meiner Gattung
Sich hastig fortzupflanzen,
Zu morden und zu tanzen,
Zu lernen oder erben
(dies gerne lang vorm Sterben!) –
Mal sehr erfolgreich und mal minder,
Mal mit Muße, mal mit Tinder.
Doch immer mit einigem Mitteilungsdrang
Und quasi per stets auf Publikumsfang.
Es brüstet meine Gattung sich
Mit potenziertem Wissen.
Verkürzt sich hier kein Wartestrich –
So muss er sich verpissen.
Schon eine ganze Ewigkeit
Hat meine Gattung keine Zeit.
Wie hab ich seibernd dreingeluchst,
Wo sie statt unter- ungebuxt
Ihr wabernd „so ist recht“-Geschlecht
Reich frei entfaltet ausgeflächt,
Als sei ’ne Reihe von Rekorden
Für neue Ären einzunorden.
Hab so stark drauf- wie dreingeäugt,
Dass jetzt voll Gram mein Blick sich beugt
Und nach solch warmen Halten sucht,
Die spaltenarme Zeit verflucht –
Als sei die Folge von Genüssen,
Dass Weitre weiters folgen müssen,
Um seinen Pegel auch zu halten
(und in der Regel geht’s um Spalten).
Doch heut, vor dir zu sehr bebuxten
Schaff ich’s nicht mal zur verdrucksten
„Magst du dich ma auszieh’n?“-Frage
Für die Mild’rung meiner Lage.
Ich witt’re hier klar ein Gebiet,
Das unenthüllt mich runterzieht –
Anstatt du’s mit dem Büxlein tust!
Worauf des Glücks Verzückt-Sein fußt.
Magst du gemäß solch‘ Sehnen
Die Hosenbünde dehnen?