Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.


  • Publikum & das zweihundertsiebzigste Gedicht

    Fesselballon über dem Englischen Garten

    Oben: Idylle. Unten: Abgründe.

    Poetry Slam

    Diese Masse an Menschen! Und alle verdauen!
    Wie sollt‘ als Ästhet ich mich nun noch getrauen
    In diesen Morastpulk mein Lied zu versenken
    Da alle an Glied- oder Scheidenstrom denken
    Um schon in der Pause ein Meer voller Pisse
    In Kübel zu strullern? Wo ich doch gewisse
    Ideale von Schönheit zu gern propagiere …
    Vor Körpern, den’n Kotknetung und Uriniere
    Das einzige Gebot der Zeit
    Führt solcher Anspruch bloß zu Leid

    Drum geh nicht den Weg über weit’re Verkopfung
    Sondern quäle die andern und sorg für Verstopfung!


  • Maxvorstadt & das zweihundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Maxvorstadt

    Da schwingt wohl eine kleine Fremdsprachensehnsucht mit … kaum, dass man fünf Tage nur in Deutschland war.

    Karwenzig blasst de Avenhumm

    Karwenzig blasst de Avenhumm uwer Pickwikkastell
    Da einsamst klamm ehn Petersmann im Blottschreif durg de Astel
    Sei Wündspalts purgelt furchtersicht, un krähwärts zirrt sei Nassen
    Da hebbet sig de Mann un richt: „No kommet Darsteen Kassen!
    No kommet he, no kommet he!“ – un all da Spritzback bämmst in’n sne‘
    De Zarm kühn’ns nimmer fassen …

    Verländert geift an letzt Gerück‘
    Herdorch de Heen von Peters
    Da spanend außig alsen Drück
    Hinnach flächt dess Gezeters

    Larendebt locht de Avenhumm un ab de Lurgen Beime
    Von stillerst ward, niet angepelcht – vorkorst de lichten Eime
    Un wenzig blasst de Avenhumm uwer Pickwikkastell
    Klamm einerter de Petersmann. Im Blottschreif foh’sen Astel!


  • Sommerpause & das zweihundertsechsundsechzigste Gedicht

    Tollwood Festival

    Beinahe Urlaub: drei freie Tage in München. Im, aber ohne Sommer

    Moose und Mosern

    Da atmen die keuchenden Bäume den Staub
    Den der sonnendurchdrungene Boden nicht hält
    Es senkt sich verzagend vom Zweige das Laub
    Dem gilbenden Grase als Frage gestellt:
    „Weißt du, ob des Regens belebender Guss
    Ist schon auf dem Wege zu uns? Denn sonst muss
    Das vom Frühling Erworbene wieder verderben
    Und noch als Gedeihendes frühzeitig sterben!“

    Da, wie auf ein Zeichen, verfinstern sich Wolken
    Werd’n Wasser auf Wasser aus Watte gemolken

    Den Pflanzen ist’s fraglos erlösender Segen
    Nur ich moser‘ böse: „Den ganzen Tag Regen!“


  • On the road again & das zweihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Olympiapark München

    Ach, was war das für eine entspannende Zeit: zehn Tage Tourpause. Und jetzt weiter im Text.

    Das Leseband

    Es hängt das Lesebändchen stur
    Sinnlos baumend, scheinbar munter
    Zweckverwaist als Buchmontur
    Sich nicht rein, nur rücklings runter

    Wie ist noch dieses Buch gewesen
    Das ich scheinbar hab gelesen?
    Sagt das Band, ich wollt dran denken
    Es schnellstmöglich zu verschenken?

    Oder meint es: „Gib dem Buch
    Einen weiteren Versuch!“
    Ist’s ein Signal, es sei so schlecht geschrieben
    Dass nicht mal sein Bändchen drin hängen geblieben?

    Nun war ja des Bändchens ureigener Sinn
    Zu zeigen, wie weit ich gekommen bin
    Doch mitleidsbefreit sagt das Band jetzt: „Du Tor!
    Bist so weit als wie zuvor …“


  • Abreise & das zweihundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Olympiapark Munich Mash

    Es geht wieder los. Mächtig: acht Stunden bis Görlitz.

    Astronautenkost

    Mir ist so, als wenn ich in kosmischer Ödnis
    Vor etwa zehn Jahren ein Trümmerstück sah
    Das ich nun erinn’re, da mir grad so öd is‘
    Schon rätselnd, ob’s wirklich ein Trümmerstück war
    Und nicht bloß der Wunsch, den ich da vor Dekaden
    Nach Steinen verspürte im ähnlichen, faden
    Daseinsgequäle in kosmischer Ödnis

    Obwohl es auch sicherlich epochal blöd is‘
    Gleich das anzuzweifeln, was hier je von Gewicht war
    In der endlosen Weite aus dem, was ich nicht sah


  • Olympiaturm & das zweihundertvierundfünfzigste Gedicht

    Olympiaturm München

    Immer noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

    Der Parasit

    Der Schatten der Bäume flüstert leise:
    „Leg dich, Dichter, hin zu mir!
    Ich bin alt, erhaben, weise …
    Will in ein Gedicht von dir!“

    „Nun,“ sprach ich, „das lässt sich machen
    Sollst mein Werkeln heut bedachen!“

    Doch dann bin ich eingeschlafen
    In des Zwielichts kühlen Hafen
    Und trotz treu bescherter Träume
    Schrieb ich nie was über Bäume

    Hab mich oft dort rumgetrieben
    Wegen der Behaglichkeit
    Doch sie selbst blieb unbeschrieben

    Das tut mir unsagbar leid


  • Olympiaberg & das zweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Olympiaberg

    Noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

    Die Ärsche der Anderen / Generation Y

    Nach dem Abi-Ball in die Charakter-Arthrose
    Man postet gemeinsam ein „Ich – ich – ich!“
    Empfängt jedes Like wie ’ne Baccararose
    Und taggt seine Schwüre mit #weißichnochnich
    Man wittert die lauernden Niederlagen
    Und fordert vom Leben, mal fairer zu sein
    Die Überauswahl lässt sich kaum noch ertragen
    Drum richtet man sich im Ironischen ein
    Und kommt überein, es sei wichtig im Leben
    Sich selber mal – Yolo! – ’nen Arschtritt zu geben

    Lasst den Fokus der Welt von dem hehren Ich wandern!
    Entdeckt mal als Ziele: die Ärsche der Andern!


  • Lindenblüte & das zweihundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Lindenblüten

    Noch zwei Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

    Die Linden im Juli

    Mit süßer Schwere benebeln die Nacht
    Die sich spät in den Blütenduft mischenden Linden
    Deren Fertilität mit der üppigsten Macht
    Dampft vor honigem Willen ins Frühlingsentschwinden
    Schon scheint sich ihr Ruch mit der Nacht zu vereinen
    Als Bündnis für die Ewigkeit
    Solch stolzer Duft muss doch was Bleibendes meinen
    Und sich isolieren vom Feldzug der Zeit …?

    Als Wunsch besteht dies, keine Frage
    Im Lindenduft der Juli-Tage
    Doch spürst du in ihm auch das bittere Wissen:
    Du wirst ihn alsbald schon sehr lange vermissen


  • Olympiapark & das zweihunderteinundfünfzigste Gedicht

    Olympiapark Munich Mash

    Immer noch drei Tage Freizeit in München.

    Trendsportler Wort

    Von Außen wird alles wie Freizeit ausseh’n
    Wenn wir vom Gedicht zum Kalkül übergeh’n
    Auch wenn wir uns längst schon am Magnum-Cup kühlen
    Soll es sich für andre wie Zufall anfühlen

    Man muss uns als gleichgesinnt interpretieren
    „Ja, wir geh’n – wie ihr – hier nur gerne spazieren …!“


  • Frauenkirche & das zweihundertachtundvierzigste Gedicht

    Frauenkirche München

    … und das fünfte Gedicht aus der Reihe der Münchner Unzuchtverse.

    Liebfrauenkirche – Dicht- vs. Deckkunst

    Ich trat mitsamt dem Sauentierch‘
    An den Altar der Frauenkirch‘
    Und sprach: Oh, Herr!-lich ist das Poppen!
    Nicht mal von den sauigsten Versen zu toppen …


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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