Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.
Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.
Riesenräder
Ja, wenn Riesen Räder hätten,
Wenn auf diesen dann die fetten
Zwerge im Profile säßen –
Herr, was wär‘ dies vielen Späßen
Ein gar weicher Gabentisch,
Gleich ’nem Vlies aus Federbetten!
Ja, wenn Riesen Räder hätten …
Noch bleibt wahr: Sie haben nisch.
Vom Volldampf ins Gedämpfte,
Der Blick auf das Erkämpfte,
Das sich dem Zierrat all der Mühen entblößt,
Dem Früher, an dem sich die Lässigkeit stößt,
Die nun trefflich negiert,
Was vordem ist passiert.
Die Frage ist, was trennt dich
Vom neuen Selbstverständlich:
Dass alles diffus durch den Endspurt spaziert,
Sich niemand für Routen und Mut in’tressiert?
Dein Weg ist nun mal
Nunmehr museal.
Täglich öffnete ich meine Augen
Als Chance, das Leben zu seh’n,
Die Sachverhaltflut aufzusaugen,
Um nie wieder misszuversteh’n.
Mir schien keine Sättigung möglich zu sein
Und was mir begegnete, maß ich mir ein.
Erst später entdeckte ich Streit.
Heute kürze ich mir die Rationen
Und wünsche, dass Skepsis mich führt,
Betrete vertretbare Zonen,
So wie’s meiner Reife gebührt.
Und jedesmal zieht es die Stirne mir kraus,
Verlasse ich ohne mein Wohnrecht das Haus.
Kein Tag geht vorbei ohne Neid.
Ein Jahr hast du geblumt – nun brülle,
Flut die Flur mit Blütenfülle,
Oppulent wie üppig glühend,
Knülle Farbenprachten blühend,
Die vereint in Übertreibung
Flieh’n den Zügeln der Beschreibung,
Trachtend danach im geballten
Sinnenspiel sich zu entfalten.
Die Bienlein toll’n im Pollenschlüpfer
Von Stempelchen zu Stempel,
Das Zierpen eingegraster Hüpfer
Beteppicht stur den Tempel,
Der sich aus Schwärmerei errichtet –
Und fehlt’s ihm auch an Sichtbarkeit:
Ein Wärmeschwall hat ihn gedichtet
Und all dem Schwirrgetier geweiht.
Woher weiß denn die Stille, dass schon wieder Nacht ist?
Bald hängen die Lider mir knieweich im Dämmern,
Die Pupillen frag‘n nach, ob ihr Bett schon gemacht ist,
Da beidseitig Schläfen zum Schlaf bereit hämmern.
Doch die Stille wusste als erste Bescheid.
Es scheint mir: Sie führt – und dann fügt sich die Zeit.