Der Kompromiss
Nun ist das letzte Eis gebrochen
(wie man sich vom Gespräch versprochen)
Und alles schwelgt in Harmonie
Ich frag mich: Wofür brauch ich die …?
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte zur Kunst und der künstlerischen Inbrunst nebst dem entsprechenden Leiden.

Der Kompromiss
Nun ist das letzte Eis gebrochen
(wie man sich vom Gespräch versprochen)
Und alles schwelgt in Harmonie
Ich frag mich: Wofür brauch ich die …?

Der Start in in dritte Woche nach Re-Aktivierung dieses Blogs. Wie versprochen, soll es 2017 fünf Gedichte pro Woche geben. Eigentlich an jedem Werktag. Aber manchmal bin ich als mobiler Offliner etwas spät dran … Geduld – am Ende werden es spätestens zum Sonntag fünf Gedichte sein!
Bärenhunger
Ein paar Tage vor dem Fasten
Hasten all die Cineasten
Nach Berlin – zur Berlinale
Und verteilen zum Finale
Fast erlegt – das Fell der Bären
Unter den’n, die fällig wären
Den’n hingegen nichts verlieh’n
Die da hungern statt zu fasten –
Sie dreh’n sich nochmal gen Berlin
So wie fast alle Cineasten

Der Turm und die geteilte Freude
Du wolltest noch erzählen
Von Zielen größ’ren Werts
Von Wegen, die zu wählen
Und spürtest nur: „Wen schert’s?!“
Du wolltest nicht verstummen
Doch alle Welt schien taub
So blieb dir nur zu brummen
„Ich geh dann, mit Verlaub!“
Du wolltest immer teilen
Die Ernte deines Glücks
Verzweifelt klang bisweilen
Dein „Schau, da hängt’s doch – pflück’s!“
Du wolltest hinterlassen
Und warst doch längst enteilt
Dir bangt, du wirst erblassen
Im Glück, das ungeteilt
Du solltest nicht der Freuden
Verdopplung ihres Werts
Noch weit’re Zeit vergeuden
Sag selber mal: „Wen schert’s?!“

Wem man so alles im Garten begegnet. Das tatsächlich lauteste Tier der Welt. Versammelt sich jeden Morgen um halb Acht neben meiner Hütte und grölt.
Brüllaffe (Punks not dead)
Du musst nicht gut sein, aber laut
Wer hätte dir das zugetraut
Dass all die streng gesetzten Hürden
Dich gar nicht int’ressieren würden?
(Derweil sie denken, du kannst nicht versteh’n
Hangelst du dich von der Acht auf die Zehn)
Und mosert wer: „Ganz schön bequem!“ – sagst du: „Nein
Die Lautstärke Halten kann anstrengend sein!“
Wo And’re von And’ren Gelehrtes verwalten
Musst du stetig Nichts zu was Großem gestalten

Die Distinguierten
Wir schlendern umher wie durch sichere Zeiten
Als würd die Verlässlichkeit niemals gestutzt
Wir geben uns achtlos, wir schreiten und gleiten
Und selbst die Galoschen sind immer geputzt
Polizei und auch Policen
Blieben immer ungenutzt
Wir, die wir uns sorglos hießen
Haben jeder Angst getrutzt
Was für uns gegolten
Gilt schon längst nicht mehr
Unreinheit und Wolken
Reimen immer näh’r
Narrenhände
Schreiben schon
Unser Ende
In ihr Droh’n
Keiner
Sah
Die Ge-
Fahr
Wir schlendern umher wie durch sichere Zeiten
Als würd die Verlässlichkeit niemals gestutzt
Wir geben uns achtlos, wir schreiten und gleiten
Und selbst die Galoschen sind immer geputzt

Der vermutlich sauberste Konzertsaalboden der Welt. In München, natürlich.
Überzeugt
Wir sind im Hier nicht zum Vergnügen
Dem sollten sich auch unsre Mundwinkel fügen
Wir wollen den Mindestansprüchen genügen
Polieren Gewissen mit Bissen und Rügen

Pater Frank patert:
Wie viel Zeit willst du verschwenden
Um was Totes zu beenden?
Solltest von den Dingen lassen
Eh du anfängst, sie zu hassen!

Tschechowgetränkter Abend in München
Durst
Ich möchte gern auf großen Plätzen
Dich bei der Wirklichkeit verpetzen
Schnell abtauchen ins Einerlei
Im tiefen Tale, göttlich high
Und dann, erschöpft vom Nichts-Erleben
Wie Schauspieler die Röcke heben

Zeit für Herbstspaziergänge durch München.
Blutenburg
Heute muss die Burg bluten
Besonders die Guten
Sie soll’n nun blutend Buße tun
Weil all ihre Talente ruh’n
Die dieser Welt fehlen
Da sie ihr Geld zählen
Doch inbrunstarm zu wenig wollen
Wohlan, die Köpfe sollen rollen!

Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina.
Im Fluss
Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss
Nur ich stecke mit Hochgenuss
Nach Fahrrinnenslalom und Stromschnellentest
Auf einer der stoischsten Sandbänke fest
Es frug mich manch See- oder sehender Mann
Ob er mir nicht irgendwie raushelfen kann
Und herzlich gestelzt klingt mein „Dankeschön, nein!“
Das muss zwar nicht, aber das darf mal so sein
Dass das lange, ruhige Leben sich wallt
Mein knarzendes Rückgrat mit Kraft überspült
So werd‘ von der Massen der Wasser, geballt
Ich bis zu den Knien durch die Sandbank gewühlt
Bald schlucke ich Wasser, bald riech‘ ich Ertrinken
Schon spann‘ ich die Flügel, noch tiefer zu sinken …
Dann geb‘ ich meinen Rumpf ’nen Stoß
Und heb‘ mich aus dem Sandsumpf los
Ich genieße wie niemals zuvor dieses Treiben
Mit Ruhe und Länge im Einklang zu bleiben
Doch jedem Hindernis zollt nun mein Wissen Respekt
Dass so viel Gewalt in der Stromlinie steckt
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