Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Ripostegedicht zum berlinerischen Kindergedicht „Der Klops“
Der Leberkäs
Da hock i, ess an Leberkäs
Es klopft, i brumm: „Wer’s’n’dös?
Zur Brotzeit kimmt mia keina nei!“
I öffne nur mei Maul und schrei:
„Schleich di, du Lackl, sonst gibt’s a Fotzn
Mann, isch tu disch inne Fresse rotzen!“
Und weitaus noch weniger freundliche Sachen
Entfahren samt Leberkäs-Fetzn mei’m Rachen
„Ja, mei“, denk i, i denk: „ja, mei
Wos’n dös jetzt fia a bleedes Geschrei
Mit dem man mia hia mei Brotzeit versaut?!“
Ers war es leis, nu is es laut …
Und i denk, wo i grad mei Pistoln schon wollt zieh‘:
„Der, wo hia schreit – dös bin ja i!“
Der Maharadsch
Kommt zurück von der Haddsch
Erfreut sich am Glück seines Reichtums und – platsch!
Klatscht er bäuchlings und glatt in das Wasserspiel rein
Ganz sanft in die Arme vom marmornen Stein
Und er prustet vor Spaß in des Spülwassers Gischt
Bis die Dienerschaft anrauscht und rasch ihm auf tischt:
Die Erlesenheit tausend und einzweier Nacht
Die köstlich garniert auf des Essgeschirrs Pracht
Vom Dekors porzellaner Schalen beschosst
In neckischen Häppchen den Körper liebkost
„Herr, herrlich ist es, Herr zu sein
Und durch das Mehr den hehren Schein
Um einen Strahl zu überbieten
Den Garten Eden anzumieten!
Wenn man Gottes Gaben nicht wahllos verteilt
Und all ihre Pracht nur bei einem verweilt
Lässt der Reichtum der Welt sich erst richtig versteh’n
Und in dem ihm schmeichelnden Lichte beseh’n
Dass all das nur mir gehört, macht daher Sinn
Dies alles, es gehört hier hin!
Ich bewahr als Maharadscha
Anmut vor der Brut der Grapscher!“
Alle meine Welt ist Pisse
Haifischbeckenbodenrisse
Alle meine Welt ist Kot
Liebesschwur bei Atemnot
Alle meine Welt ist Kotze
Ödes „Meine Welt“-Gemotze
Alle meine Welt ist Eiter
Glimmerpimmel, Schimmelreiter
Meine Welt soll dir, du Schwein
Ewig Leit- wie Leidbild sein
Liebe Jogger und -innen – da rast’er!
Immer zwei Schritte schneller als ich, der Flaneur
Seid ein Pornofilm-japsendes Optikdesaster
Ich trag eure Schleppe voll Arbeitsodeur
Durch den an eurem Anblick erkrankenden Park
Den ich selbst kaum in Anspruch zu nehmen noch wag
Stiebt doch aus jedem Turnschuhtritt
Der Vorwurf: „Nun, ich halt mich fit!“
Ich werd anstatt zum Läuferleben
Doch eh’r zu dem der Säufer streben
Die zerstören sich selbst anstatt andre zu stören
Sind viel eleganter als trimmdumpfe Möhren
Der’n wackres Ackern unverhohlen
Sich abmüht, um mich einzuholen
Pah! Zur Herrlichkeit führt nur die Spur
Der ehrlichen Spazierkultur
Noch lerne und übe ich den Genuss
Im noch und nöcher Überfluss
Stopfe Löcher, die schon bedrohlich umstellt
Von der rohen und unfrohen, sternlosen Welt
Statt eines Tresors voller teurer Geschenke
Gab’s bloß das Beteuern, dass man an dich denke
Du hast noch ein „Habt Dank!“ geblafft
Dann stampftest du gen Schankwirtschaft
Ich soll Dich von der Romantik grüßen
Sie meint, Du hätt’st genug gefickt!
Mit Hundescheiße an den Füßen
Bist Du ihr in den Pelz gerückt
Doch sprachst niemals in ihrem Namen:
Du beherrscht kein Mousse au Chocolat
Woher auch entsprechende Rückschlüsse kamen …
Die Anmut hurt nicht im Ein-Euro-Basar!