Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
„So vielleicht?“, fragte scheu Gottes Designer
Beim ersten Entwurf, der Zweifel voll.
„So nasenreich ist dort im Tierreich noch keiner!“
Und Gott brummte mürrisch: „Ich find’s nicht so toll …
Aber nehmen wir. Und dann auch weg mit den Affen –
Wir müssen ja noch die Insekten erschaffen!
Zur Vermeidung von Spötterei machen wir’s so:
Sein Verbreitungsgebiet bleibt auf Borneo
Beschränkt, dass da kaum jemand denkt
‚Wer hat an das Tier diese Nase gehängt?‘
Denn, um auch in düstere Zukunft zu schau’n,
Irgendwann wird dieser Clown
Als Naseweis schwindenden Regenwald nützen
Und Schöpfungsbekrönte besinn’n, ihn zu schützen!“
Die allererlauchtigste Ananasklasse –
Sie haucht sich durch all meine Kaumuskelmasse
Als historischer, multigeschmackstoller Sieg.
Manch Fadheit gab Anlass zur Ananasnachsicht,
Nun stillt die Papillen ein Thrill named „Verzag nicht!“,
Denn diese Frucht wuchtet ihr voll fantastique.
Das Altmaß krass schassende Ananasklassen
Lassen anderswo anstandslos alles erblassen!
Joi, bald können auch wir wieder Helden gedenken,
Kränze kredenzen und Mitgefühl schenken,
Den Stolz in die trauernden Heulsusen rammen
Und ausweglos heucheln, hier gäb‘s ein Zusammen.
Denn nie sind es die Söhne der Einsatzbefehle,
Die die Schützengräben düngen.
Nie sind es die Söhne der Uni-Hörsäle,
Die Altersdurchschnitte verjüngen.
Doch wir formen das Wording der Einladungs-Cards
Und wir kümmern uns um das Design.
Wir spiel‘n gern die Liftboys des Ranghöhegrads –
Durchaus offen, doch niemals gemein.
Wir bestatten auch Matsche (wir horten ja Würde),
Beklatschen die Opfer als unsres Volks Bürde
Beim Kränzekredenzen und Mitgefühlschenken –
So vollendet durchregt, wenn wir Helden gedenken.
Mit Aus-der-Zeit-Gefallenheit
Respekte einzufordern,
Aus überfühltem Krallenneid
Gleich Bergketten zu ordern,
Den Einbahnstraßenschildern
Der Veränderung zu trotzen,
Nach maßverirrtem Wildern
Mit Trophäen rumzuprotzen
Und der geschenkten Gäule Zahngold
Unverzollt zu horten? –
Hast, Witzbold, lang genug gehowlt
Als Sprössling bess’rer Sorten!
Planst, alle Möbel dieser Stadt
Zurückzurecht zu rücken
Und jedes aufgeschlag’ne Blatt
Mit Post-Its zu bestücken?
Wirst colt-bereit am Einfahrtsgleis
Den Sheriffstern polieren –
Und jeder „You’re too old!“-Beweis
Wird dich nicht interessieren.