Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Im Dampfbad glänze ich den Glanz,
Der allen kampflos glückt.
Und unterm Unt’ren Herzogstand
Wird’s Edelweiß gepflückt.
Wes Herz ich ess, des Los ich zog –
Und schwerelos ich treibe,
Dass ich vergess, wieviel ich wog,
So losgelöst vom Leibe.
Im Dampfbad steigt die Aura mir
Heißfeuchtigst in die Lungen.
Dass ich jed Scheu mir ausradier …
Scheint momentan gelungen.
Mein tierverwandtes Selbst stöhnt auf,
Weil’s sich so wohlbehagt.
Erst unterm Fön löst sich das auf,
Die Häufigkeit meiner Spaziergängerläufe,
Die oft schnell bereuten Low-Quality-Käufe,
Besäufnisse, die ich wohl zu selten scheute –
Das alles kam in die Bilanz, liebe Leute!
Jedoch besteht
Nicht viel Gefahr,
Dass sich was dreht
Im nächsten Jahr.
Das Aufatmen sinkt in den See
Vom “ … is‘ doch gut gelaufen!“
Es singt in mir, derweil ich dreh‘
Vom Freudvoll-mich-Besaufen.
Die Haken und das Unbequeme
Bewirkten ja zurecht,
Dass ich mich nicht vom Wissen lähme:
„Bisher lief’s niemals schlecht!“
Ich bin längst schon älter als alle Studenten,
Weiß Gott, sogar: als Professoren!
Man hält mich hier nicht mehr für einen Dozenten –
Dafür wurd‘ ich zu früh geboren.
Das ist jetzt mein Schicksal –
Doch fühl ich mich halt
Mit „He’s a bit sick?“-Mal
Noch immer nicht alt.
Mal komme ich an einer Kirche vorbei,
Ohne zuvor einem Gott zu begegnen.
Mal hängt in der Luft ein „Die Schirme auf!“-Schrei,
Obwohl’s gar nicht anfängt zu regnen.
Ich sage mir beim Weiterwandern:
„Immer eines nach dem andern!“
Und wird man zwischendurch mal nass,
Belächelt man’s ohn Unterlass.