Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Ein Vorratsschrank mit Möglichkeiten
Stand lang bei uns im Flur.
Der schien uns ständig zu begleiten,
Als wartete er nur
Auf neues Dorthin!, frische Spuren.
Nun gibt’s den Schrank nicht mehr.
Und lustlos flüstern die Auguren:
„Wir glauben, er war leer!“
Wenn in sechs Jahr’n dieser Ort wiedereröffnet,
Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
Und schaff’s, wenn’s gut läuft, noch ein Weilchen
Hier ohne Unterstützung rein.
Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
Am Restschorf vieler Narben schaben
Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
Auf andere Konturen achten.
Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier –
Inmitten frischem Putz erwägend:
Wie viel vom Ich beließ man mir?
Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
Vorweggenomm’nes nahes Darben.
Ich mag so weit mich vor nicht trauen!
Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
Weil ich nur allzu gut versteh,
Dass ich die weggeschloss’nen Werke
Nicht ähnlich glücklich wiederseh.
Und wieder einmal kommt ein Tag nicht in Schwung
Und verplempert sich weiters im Grämen.
In bin meines Elends Verunreinigung,
Ich sollte mich sowas von schämen!
Mein schwärzend Dazutun erst macht den Kohl fett.
Ohne mich wär‘ das gar nicht zu schaffen!
Die Welt schleift mich bestenfalls ins Lazarett –
Mich strecken die eigenen Waffen.
Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen
Und schließen verbliebene Lücken.
Solange die Einschüsse näher nur kamen,
Rief uns keine Zwanghaft zum Särgebestücken.
Nun kann man den Abstieg mit Namen benennen
(und die waren ja längst noch nicht dran!).
Vorm Stimmbruch Verstummende lehr’n mich erkennen:
Zum Bald neigt sich mein Irgendwann.
Nun sterben schon die mit den kindlichen Namen.
All die Davids und Laras verwesen.
Verwaist sind die Logins der ehemals Warmen,
Manche Tweets werden nie mehr gelesen.
Zu deiner Zeit den Speicherstick den Deinigen zu geben
Versäume nicht, oh Wanderer, als Ziel von deinem Leben!
… fliegen Eindruck und Eindruck unprägsam dahin …
Nur wohin mit dem Neubekannten?
Ich weiß nur noch wo, nicht mehr, wo ich noch bin
Seh ständig Elefanten
Von Geschmäcker Witterungen
Werd ich stetig angesprungen
Notier mir nichts denn Namen
Mein Heim ertrinkt in Souvenirs
Der Überflüssigkeit. Nur mir‘s
Bekannt, weshalb sie kamen