Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Nun, das hat die Zeit einfach verschwinden lassen
Unter den Mantel des Schweigens.
Den Eindruck könn’n Nachrücker nur noch verpassen
Im Kanon des neuen Vergeigens.
Doch wie vielem gebührt es, Vermisstes zu sein
Und was kürt man als Beifang nur mit?
Das Unwerte deiner Vergangenheit ist ein
Dich mit Gegenwart prügelnder Tritt.
Keine Nachrichten mehr aus der Verbannung
Und das Grübeln im Felde stirbt aus.
Für den Lohn einer falschen Entspannung
Loopt ums Weltbild ein scharfer Applaus.
Das entwaffnende Bild einer Klarheit
Übertönt, was per se überhört.
Darin tollt ein Versprechen von Wahrheit
Und tilgt aus, was man hierfür zerstört.
Wann strandete ich vor solch steilen Klippen
Mit meinem als Schoner bezeichneten Boot,
Um jäh von der Kante zur Seite zu kippen?
Wann wand sich der Ausgleich vom pendelnden Lot?
Wann hat man klammheimlich die Lager geräumt,
Sich erlaubt zu vertau’n meine missliche Lage?
Wann hat man das Salz aus den Trümmern geschäumt?
Ist überhaupt „Wann?“ die mich kümmernde Frage?
Ich würd‘ fortan lieber in Schönheit mich ausruh’n,
Mich fläzen im reibungslosedlen Daheim!
Und was ich noch täte – ich könnt’s im Zuhaus‘ tun
Und freut‘ mich gemütlich am formschönen Reim.
Ich ging‘ nie alleine und zeitig zu Bett,
Entnabelt auch vom Internet.
Ich habe mein Schiff vor dem Sinken gerettet,
Habe Planke um Planke durch Frischholz ersetzt,
Die Durchlässigkeit mit Lasuren befettet
Und schwimme nun wie runderneuert im Jetzt.
So trägt mich noch immer die alte Gestalt,
Da ich selbstüberholt endlich seetüchtig bin.
Bis mein Kurs sich verflüchtigt im schwellenden Bald
Und kein Wort sich noch fügt auf die Frage „Wohin?“.
Wir werden zurück wie Verwundete geh’n
Und hangeln uns durch das Erinnern.
Wir werden verwundert die Uhren umdreh’n
Beim Ausschauversuch nach Gewinnern.
Es zieht eine Schwermut die Ufer entlang,
Die werden wir nicht mehr verdauen.
Wir säuseln uns ein mit vertrautem Gesang
Und wir schauen und schauen und schauen.
Wir sind die letzten unserer Art,
Uns hat es bald niemals gegeben.
Und Raffgier klaubt sich nach Diktat
Das Restlein Überleben.
Die Altbekannte schreit jetzt schriller,
Im Einklang mit neuem Stupiden.
So führt der längst fällige Tod von Godzilla
Noch weiter fort vom Frieden.