Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Wenn Weichheit immer leiser klingt
Und sanfte Einschlafweisen singt,
Will ich von Seelenruhe schwafeln,
Am Tisch der Esoterik tafeln …
Schon wollen mich alle Bäume umarmen,
Es schreibt jeder Schneeflockenfall meinen Namen!
Und mich verschlingt der Pulverschnee,
Dessen grundkühle Sprache ich plötzlich versteh …
Es ist so, dass die Pfütze von Wolken erzählt –
Bloß in ’ner recht schmutzigen Sprache.
Euch geht’s darum, welche Vokabeln man wählt,
Um die Durchsichtigkeit jeder Lache.
Es mag sein, dass so manches den Himmel verfehlt,
Aber stört’s die Beschreibung von Wasser?
Wie lang man nun umständlich Umlaute zählt –
Das Ergebnis ist auch nicht viel nasser.
Ich habe schon so viele Worte verbraucht,
Da wird’s keine neuen mehr geben.
Mein Dauerauftrag scheint erschöpft – und verraucht,
Der Kontostand lauert daneben.
Ich fühl mich von Süchten nach Versen erdrückt –
Gedichte, die ständig verlangen,
Spür, wie meine Bank ihre Kuckucke zückt.
Doch aus den poetischen Zangen
Gibt’s kein Zurück zur Ruhe mehr,
Zum Prosa-Glück, das ich entbehr.
Die fünfzehn Minuten nach Boosterung will ich
Gern sinnerfüllend nutzen.
Nur riet man vorab mir, ich solle bloß chill’n – nich
Den Flur im Vorraum putzen.
So starr ich aufs Linoleum,
Wo manch Wisch scheint vönnöten!
Schon ist die Viertelstunde rum –
Und mir ward’s eh verböten …
Da war ich über Weihnachten kurz zwei Minuten nüchtern,
Schau meines Platzes Nachbarn an und melde etwas schüchtern:
„Ich glaub, ich bin nicht richtig hier – ich kenn Sie alle nicht!“
(Dies ist die erste Möglichkeit fürs Ende vom Gedicht.)
„Setz dich getrost – wir wissen da genauso viel wie du!“
Flugs füllte man mein leeres Glas und prostete mir zu.
So macht der Geist der Weihnacht nicht allein aus Fremden Brüder –
Wir nebeln die Familie ein und werden selig müder,
Bis man sich bald mehr und schon nicht mehr erkennt.
(Das ist Ende zwei. Einen schönen Advent!)
Ich bin zurzeit so lebensklein,
Muss dauernd ohne Input sein,
Hab Ewigkeiten Platz, doch nein,
Da tritt nie was zur Türe ein!
Und flächig weit spannt sich die Zeit
Um klitzekleinste Nichtigkeit,
Von überall macht nichts sich breit –
Wenn das mich stirbt, ich wär so weit!
Die Kühle flüstert mir zu,
Ich sei der Erste auf dem Mars.
Minus 63 Grad und du
Sprachst: „Guten Flug, monsieur – das war’s!“
Noch verspricht ein Schwerkraftgruß:
„Du wirst dich leichter fühlen!“.
Doch am Olympus Monsens Fuß
Wird sich jed Hoffnung verkühlen.
Die Berge werden immer fremder,
Kälter, höher, steiler.
Wer glaubt da an östliches Morgengedämm? Er
Setze mich auf den Verteiler!
Ich errechne noch, wie lang die Jahre nun sind,
Aber mag das Ergebnis nicht seh’n.
Es war ja der Plan, dass ich tunlichst verschwind,
Und nicht, den Planeten,
Den frostwindumwehten,
Mit Forscherelan zu versteh’n.
Ein seltsam trüber Abstand schiebt sich
Zwischen mich und meine Pläne.
Ein Hauptziel färbt sich unbeliebt, ich
Neig zum Reißaus meiner Zähne.
Die Wichtigkeiten sind nun kindlich,
Gebarten sich lang als Reflex –
Ihr Leumund wird mir unerfindlich,
Sie degenerieren zu Gags.
Ein seltsam trüber Abstand schiebt sich
Zwischen mich und meine Pläne.
Er klärt sich auf, wenn man sich letzte Unrast vergibt.
Ich schüttle den Kopf und gähne.
Wohin wir nun nicht mehr gelangen,
Soll’n Träume uns hinlenken!
Wir sind zwar im Alter gefangen,
Doch unangeleint streunt das Denken
Durch längst zu hohe Niederungen
Und apportiert in seinen Pfoten,
Was uns das Leben nicht geboten
Wie gültige Erinnerungen.
Die Möglichkeit des Tanzes
Drückt mich massig ins Polster auf meinem Balkon.
Hass ich nicht die Welt – so als Großes und Ganzes
Und dichte zu selten davon?
Ich will mich an bitterer Süße erregen,
Dazu auch ein bisschen die Füße bewegen:
Taptap – Tadapp, Tadapp – Tap, Tap … –
Schon fällt etwas Wahrheit vom Himmel hinab.