Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Herrgottschnitzer & das eintausendsechshundertdreiundvierzigste Gedicht

    Bei den Werkstätten vom Herrgottschnitzer von Unterammergau

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Griechenland

    Die Interrail-Endstation hieß stets Αθήνα
    Und Kavatis war Bürge vom Sinn dieser Fahrt.
    Der Geschmack öffnet sich nicht ad hoc dem Retsina,
    Wir waren in uns und die Reise vernarrt.

    Wir sind wie Idioten vom Zug rausgepurzelt
    Mit Bruderkuss-Jauchzern fürs fastfremde Land.
    Privat wie auch menschheitsgeschichtlich verwurzelt,
    Gab’s ein Türschild, auf dem sich mein Name befand.

    Zwischenstopptrunken bemannten wir Fähren,
    Als wenn wir Entdecker und Humwitzboldts wären.

    Wir hielten die Volljährigkeit in den Händen,
    Befeierten sie an den Nacktbadestränden
    Und standen possierlich wie hyperreell
    Statuen moderner Antike Modell,
    Wir ruhten in uns wie Götter. Und dann
    Hielt auch die Welt den Atem an.

    Es gibt so Momente, die bleib’n immer da,
    Den Archäologen wohlbekannt.

    Brichst du auf gen Ithaka

    Und viel davon ist Griechenland.
    Wünsch dir eine lange Fahrt

    Dass Ihr auch wisst, wo ihr mal wart.


  • Romanshöhe & das eintausendsechshundertzweiundvierzigste Gedicht

    Auf dem Wanderweg von Unterammergau nach Oberammergau

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Frischluft

    Legt mir ein Döschen Wanderluft
    Beizeiten in den Sarg!
    Mich dünkt, in der Familiengruft
    Bereu ich’s jeden Tag,
    Nicht öfter in der Jahre Lauf
    Gefolgt zu sein dem „Wandrer auf!“

    Das Atmen sonnenklarer Luft,
    Von Helligkeit durchfrischt,
    Wie selig es die Lungen knufft!
    Bis dass die Welt erlischt.

    Legt sie auf meine stille Brust,
    Auf dass mein Herz gesunde!
    Vielleicht bekomm ich bald schon Lust
    Auf eine letzte Runde.


  • Seeseiten & das eintausendsechshunderteinundvierzigste Gedicht

    Das Starnberger Seeufer im Bernrieder Park

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Gutes Reimen

    Minderwertig scheint vielen ein abfällig Wort –
    Man spendet zu gerne Versuchen Support
    Und bangt, da wird etwas gebrandmarkt als schlecht.
    Nun, nennen wir’s handwerklich leistungsgerecht?

    Mich sehnt die Suche zum Extrem,
    Du findest das zu unbequem –
    Und hast ja als Replik zudem
    Mich schon besiegt bei manchem Slem.

    Total egal – es darf im Leben
    Ja Messdiener und Päpste geben,
    Die sich, vereint in einem Glauben,
    Ihr Ausmaß an Passion erlauben.

    Die Welt kann ich so denken, bloß
    Das Reimen ist nicht rankinglos.
    Dein Text wär – jeder Slam-Sieg ehrt dich! –
    In meinem Kosmos minderwertig


  • Nußberger Weiher & das eintausendsechshundertneununddreißigste Gedicht

    Winteridyll bei den Nußberger Weihern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Energetische Gebäudesanierung!

    Dies Haus erhält nun neue Fenster,
    Das Dach, die Heizung sind erneuert!
    Für Kälte, Ärger und Gespenster
    Heißt’s „Draußen bleiben!“ – so bescheuert,
    Für deren Zechen
    Noch zu blechen,
    Sind wir nicht!
    Wir sind dicht.

    Ab jetzt wird celsiusgegeizt,
    Ausschließlich für uns selbst geheizt!
    Es ist, wenn man so prima dämmt,
    Die Klimakrise schon gestemmt –
    Zugleich die Wirtschaft angekurbelt!
    (Klar, nu wird wieder losgeschwurbelt …)

    Wir Eigentum- und Klimaschützer
    (nur Hobby-Fördergeldernützer)
    Hab’n unsre Ärmel hochgekrempelt,
    Die Erderwärmung angerempelt –
    Und wenn jetzt alle Dämmer halten,
    Wird diese Welt alsbald erkalten!

    Dann ist dank unsrer Einsparschwüre
    Draußen vor der Gartentüre,
    Wo der SUV geparkt is,
    Arktis.


  • Bernriedview & das eintausendsechshundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Blick von Bernried gen Neusee

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Glückspilz

    Ich fürchte schon, anderen Unglück zu bringen –
    Verbrauch ich doch selbst zu viel Glück.
    Ich scheine den Most aus dem Osten zu wringen,
    Wenn ich mich gen Westen nur bück.
    Ich sah ja die Besten der Nachbarn verderben –
    Zuhauf konnte ich ihre Hoffnungen erben.

    Und Stück für Stück drücken sich meine Lamellen
    Ins Glück all der Doppelhaushälftenparzellen.

    Ich werde mich flechtenhaft weiter verbreiten,
    Bis dass die Böden ausgelaugt.
    Auch fortan wird mich Miss Fortuna begleiten,
    Von meinem Myzel angesaugt.
    Ist erst der ermüdende Süden verlassen,
    Zieh ich aus dem Norden mir Orden in Massen.

    Ein Stückchen vom Glück willst auch du erfleh’n? Wehe,
    Es ist dies Pilz‘ Sporenflor in deiner Nähe!


  • Klosterkirche Benediktbeuern & das eintausendsechshundertsechsunddreißigste Gedicht

    In der Klosterkirche von Benediktbeuern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Die Carmina Burana zu Benediktbeuern

    (Achtung: Dies Gedicht hat, ums gleich vorweg zu sagen
    Eine Höchsthaltbarkeit von nur anderthalb Tagen)

    500 Jahre Schlummer
    … und dann will es ein dummer
    Zufall, entdeckt und ausgelegt zu werden.
    Beifall fürs Comeback auf Erden
    Mit Rumms und Bumms
    Und Wumms und so.

    Vermummt nicht jeder Zeitensprung
    Die adäquate Zweitnutzung,
    Verschalt nicht ein Niveau?

    Wer ist schon gerne ausgeliefert
    Der Lesart einer fernen Zeit?
    Bewertet man’s stur positiv statt
    Zu hadern mit der Ewigkeit?
    Verflüchtigen sich Ziel und Weg,
    Ernüchtert sie als Privileg!

    (Zu euch spricht dies Gedicht: Ich mag
    Nur gelten bis zum nächsten Tag.
    Was man danach mit mir auch macht –
    War ganz gewiss nie so gedacht!)


  • Spätlese & das eintausendsechshundertfünfunddreißigste Gedicht

    Blick auf das Kloster Benediktbeuern

    Zweite Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Heinzelmännchen, Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, Carmina Burana, Glückspilze, Vampire, Energetische Gebäudesanierung, Gewissheit des Todes, Gutes Reimen, Frischluft, Griechenland und Vernichtung der Menschheit.

    Dämmern – eine Einschlafwachwerdung

    Auf einmal merk ich:
    Bin unmerklich
    Weit und weich hinabgeglitten,
    Abgebogen
    Wie auf Drogen,
    Hab ne Grenze überschritten
    Und mich auf Pantoffelsohlen
    Ungewahrsamst fortgestohlen.

    Hab fahrig alle Kandelaber
    Von Wirklichkeitchens Licht entsehnt,
    Mich übers Absperrbandgewaber
    Auf Zehen in das Nichts gelehnt.

    Nach kurz geglücktem Gluckgluckschluck
    Entreisst mich ein Schockschwereruck
    Zurück
    Ans Ufer.


  • Zweigleisig & das eintausendsechshundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Auf dem verschneiten Moorweg 1 in Benediktbeuern

    Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn’s Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

    Der Hochzeitsfotograf

    Sein schwarzer Quader ist Pilgerstätte
    Der schönsten Tage des Lebens.
    Frömmelnd strömen sie selig ihm zu, so als hätte
    Die Akklamation des Entschwebens
    In seinem Fokus ihren Platz.
    „Du schaust bezaubernd aus, mein Schatz!“

    Das schönste Paar der Welt zu erschaffen
    Bei gegebener Kalamität?!
    Sind Belichtung und Photoshop hinreichend Waffen?
    Hält der Schutzmantel der Pietät,
    Um für Jahrzehnte zu verklär’n?
    „Ich konnt‘ mich damals gar nicht wehr’n!“

    Eisern hält der Dompteur aller Blenden
    Die Kaaba zum Abschuss bereit,
    Um der Euphorie Glanz als Motiv zu vollenden.
    „Du hattest ein so schönes Kleid!“
    So schreitet stracks ins Immerdar,
    Was einen Tag lang Wahrheit war.

    Und was
    Beseelt solchen Zeugen von nur Schönsten Tagen?
    Nun, das muss man ihn bei Gelegenheit fragen …


  • Steilabfahrt & das eintausendsechshunderteinundzwanzigste Gedicht

    Skiabfahrtspiste vom Luitpoldhügel

    Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn’s Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

    Netflix (ein Gedicht über das Maxvorstädter Isabella-Studio)

    Ging Netflix in die Insolvenz,
    So würden nicht mal treue Fans
    Dies tiefstgrämig bedauern
    Und viele, die drauf lauern
    (zum Beispiel ich),
    Gäb’n lediglich
    In Kürze zu verstehen,
    Dass Fürze halt verwehen.

    Doch müsste ab morgen mein Eckkino schließen,
    Würd‘ das wohl wahrscheinlich ganz München verdrießen
    Als Zeichen, dass unsre Gesellschaft sich windet
    Und im desaströsesten Zustand befindet.
    Man würde die fehlenden Arthouse-Filmstreifen
    Als Stadtviertelödnisverschlimm’rung begreifen –
    Fand auch selten mal was vor mehr Zuschauern statt
    Als Netflix in Mio an Stammsehern hat.

    Aber Netflix als fat Nix ist völlig entbehrlich
    Und das Isabella so kuschelig ehrlich.

    Wahrer Wert und Warenwert
    Sehen hier einander an –
    Und es ist recht fix erklärt,
    Worauf man verzichten kann.


  • Platzhirsch & das eintausendsechshundertneunzehnte Gedicht

    Weihnachtshirsch in der Maxvorstadt

    Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn’s Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.

    Meister Yoga (auf dem Weg zum Sonnengruß)

    Mein Herabschauender Hund
    Schielt klammheimlich nicht gen Grund,
    Sondern in den vor
    Ihm grad steil empor-
    Gereckten Po.

    Ein echter Hund tät’s ebenso,
    Um Neuigkeiten abzugleichen
    (statt Handy-Displays zu bestreichen)
    Per Schnüffel-Scan der Backenrille
    Samt Nose-Rosette-Killekille.

    Was bloßer Anblick noch entbehrt,
    Wird tiefen Einblicks dann gewährt –
    Durchströmt von der glimmerndsten Innerlichkeit,
    Die immerzu „Ja, ich erinner‘ mich!“ schreit:
    Vor der Topnews-Inflation
    Gab uns Kommunikation
    Das instinktiv-intuitive Erkennen,
    Gesäße wie Hintern von Ärschen zu trennen –
    Eh dass in zu viel Wort verschwimmt,
    Ein Urteil, das oft nicht mal stimmt.

    Wir dehn’n uns als solcher Erkenntnis‘ Rudel,
    Bestätigt vom Sakral-Gedudel –
    Sind Hunde, die die Welt versteh’n,
    Doch demütig nach unten seh’n.

    Und kurz entfacht Hoffnung auf bessere Zeiten –
    Eh wir in die – ach! – Schiefe Ebene gleiten.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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