Ich hab zwei der letzten 500 geseh’n –
Jetzt gilt es mich selber zu schützen!
Denn wenn die 500 bald gänzlich verweh’n,
Kann ich dem Gedächtnis noch nützen.
Diese liebschaftbesiegelnde Paarturtelei
War die letzte von 250.
Vielleicht entspringt dem Akt ein Ei
Und entbrütet sich ihm noch ein Künftig.
Auch möglich, dass es der Welt noch zerbricht.
Um so nötiger scheint’s, dass ich’s heute bedicht‘:
Es ist flatternd geschehen. Und ich war dabei.
Die 500 letzten – und davon gleich zwei!
Ist der Fluss die komplette Nacht weitergeflossen?
Wie hat dann der Nebel sich auf ihn gesetzt?
Sag, wie viel Unumkehrbares wurd‘ schon beschlossen
Und welche Entscheidung fiel bloß so zum Test?
Legt der Fluss sich vielleicht in der Dunkelheit schlafen,
Da ja niemand mehr noch seine Strömung bemerkt?
Hilft die schwadige Suppe der Verpuppung von Larven?
Wird letztlich der Strom zu ’nem Bächlein verzwergt?
Hat der Fluss heut‘ vielleicht seine Strömung verpennt –
Und nun kommt er ihr nicht hinterher?
Es bleibt mancher zurück, wenn die Zeit derart rennt.
Doch wir treffen einander im Meer …
Bin vom Wassertragen ganz durstig geworden,
Ich befürchte, ich mach‘s nicht mehr lang.
Und drohte jetzt jemand, mich bald zu ermorden,
Mir würde darob nicht mehr bang.
Das Gewicht meiner Last hat sich stetig verdoppelt,
Und mein Durst steigert sich mit der Hitze.
Ihr zu viel ist mit meinem zu wenig gekoppelt –
Das fühl ich, so wahr ich hier schwitze.
Bin vom Wassertragen so durstig geworden,
Ich befürchte, ich schaff‘s nicht mehr weit.
Indes führt der Weg zwar allmählich nach Norden –
Alleine, mir bleibt keine Zeit.
Erst wenn jedes Korn im Korps beschließt:
„Wir sind heute doppelt seidig!“
Ist jener Punkt erreicht – da fließt
Um Knöchel Sand. Fast gleit‘ ich
Durch dessen Weichheit, schrittverführt –
Gewahr, wem Ehre hehr gebührt.
An dem bekannten Strandabschnitt
Stand der Belag, den ich durchschritt,
Im monumentsten Schmeidesaft
Von sanftigster Bestreichelkraft.
Vollendet als mehlgleicher, sämiger Sand –
Oh, was für’n füßelnd Allerhand!
Irgendwo bestürmen Katastrophen
Schon die Vororte meiner Saisonfröhlichkeit.
Irgendwo triumphieren schon wieder Doofen –
Und man darf nicht vergessen: Wir sind nur zu zweit.
Irgendwo wird mit maßlosem Blutdurst
Die Höhe der Schmach schon behechelt.
Und du schwafelst noch immer von Mut, Wurst?!
Überall wirst du immer belächelt!
Ich weiß, du glaubst im Nach-wie-vor
Schlicht nie an Niederlagen –
Sagst: „Irgendwann fällt noch ein Tor!“
Und stellst dich keinen Fragen.
Eine Kosmosfülle Gutgemeintes
Erstreckt sich in die Gassen.
Durch der Fassade Gipspracht scheint es:
So müsst’es halbwegs passen,
Dass Motivation und Erfolg sich mal küssen!?
Der Überstrich fordert: Sie müssen, sie müssen!
Doch nichts passiert. Nein, der Verfall
Ermächtigt sich hier überall
Der quasi unbenutzten Stadt
Und plündert das gemachte Nest
Für das so schmuck garnierte Fest,
Das niemals stattgefunden hat.
Alle Rechte bei Ute Kratzer, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.
In einem Restaurant mit Punkmusik gediegen zu speisen –
Ich will nie wieder sagen, nichts hätt‘ sich bewegt!
Ja, mag sein: Auf uns nicht tief bewegende Weisen –
Dennoch wird Nicht-Erwartbares längstens gepflegt.
Und die Welt trägt Tattoos , färbt sich wild ihre Haare,
Tippelt Schritte, die ich Tolldreister niemals gewagt!
Ich seh‘s aus dem Sumpf altvergangener Jahre,
Verstreue mein „Ich hab‘s ja immer gesagt!“.
Aber nirgends heißt‘s: „Interessant, lass ma hören!“ –
Unsre früheren Kämpfe, sie bleiben perdu.
Wir wollten einst, können heute: nur stören.
Ich sag‘s dir (ungefragt), mein Schatz,
Ein Dichter braucht nen Dichtungsplatz!
Bei klarer Luft, im warmen Lichte
Wird er gewahr dem Versgeschichte,
Auf das er faul sich niederfläzt:
„Erzähl, Natur, was du mir rätst!“
Des muntren Baches Murmelklirren,
Der Summinsekten brummig Schwirren,
Die Heiterkeit der Vögelein,
Das Und-so-weiter flößen ein,
Dass ich hier weilend Zeile tanke.