Das Dichten unter Nackten ist
Mir recht oft schon gelungen.
Doch heut hat mich, vertrackt nochmal,
Nur Anblick angesprungen,
Der nicht zu überhören war –
Ich frag mich selbst, wie das geschah!
Es zerstörte ne Pofalte hier oder da
Mein versebeflissenes Treiben,
Da empörte ein Mulden entlockendes Haar
Mein sonst so hairoisches Schreiben!
Doch inmitten der Knospen, da spann sich ein Schatten,
Der warb um die rosigsten Worte.
Schien mir auch des Geistes Esprit zu ermatten –
Als Quelltrog der farbreichsten Worte
Sprudelte jene von Nichtlicht und Haut
Neusinnlich glitzernde Sicht.
Die von aller Nacktheit, die ich stumpf beschaut,
Prompt aufblitzt zu einem Gedicht.
Ich habe heut eine sehr schöne Idee
Aufgelöst in Alkohol,
Dessen Drang nach Zerstörung ich schlecht widersteh,
Ruft irgendwo ein Vers: „Zum Wohl!“
Es blieb bloß ein Rest von Rosinenteilgröße,
Umsudelt von keimigen Seim.
Mich schämte so sehr ob der Farce seiner Blöße,
Dass ich mir erspart jeden weiteren Reim!
Die Welt, sie bietet wieder nichts,
Was eine Andacht wäre.
Sie biegt vorm Anspruch des Gedichts
Ins lustlos Ungefähre.
„Wieder nichts Notizwürdiges,“ lautet die Notiz,
Kokettierend mit der grauen Chance auf einen Witz.
Meinen verlorenen Gedichten (zum Verlust meines Notizbuchs in Marrakesch)
Ach, immer wieder verlier ich Gedichte,
Die liederlich ich mir notiert!
Meine Unterbelichtung macht munter zunichte,
Was ich zuvor ellenlang elaboriert.
Dort blieb ein Notizbuch, da brannte ein Blatt …
Zwar fand ich genug Neues an ihrer statt –
Doch würd so gern mal das Verlorene lesen,
Das beinah ein Teil meines Werkes gewesen.
Dass der Möwenflug nicht beschreibbar ist,
Ohne sehr kitschig zu werden,
Bestätigt jeder Maschinist.
Und nasengerümpfte Beschwerden
Der meermissverstehenden Landrattenclique
Behaften die nie sich erhebenden Blicke
Mit Gastspielbeschwernis auf Erden.
Vielleicht strömt uns die Seichtigkeit
In jene Möwenleichtigkeit,
Dass Verse wie bodenlos werden.
Ach, dass das, was du verdienst, sich im Dasein verringert
Zu dem, was ich zu verrichten
Am Grenzpfahl in der Lage bin!
Dass ich für dich immer vom Gabentisch sing, hat
Genau wie das Dichten
Nicht allzu viel Sinn.
Man muss nicht nehmen, was man hat –
Man hat, was man sich nimmt.
Und hofft dann, dass das Resultat
Im großen Kosmos stimmt.
Ich schraube dein bloß episodisches Glück
Auf einen Streich um in so episch.
„Das ist Zauberei!“, schmeichelst du nun zurück. –
Ich nenn‘ es ganz simpel poetisch.