Zehnzeiler

Bonobo & das eintausendneunhundertsechsundsiebzigste Gedicht

Bonobo Schimpanse im Affenhaus im Zoo Berlin

Auf einmal gibt es eine Pause im neuen Stück der Lach- & Schießgesellschaft, das morgen eine kleine Vorstellung zwecks Aufzeichnung gibt - und ein schnelles Gedicht musste her:

Aufgestaut Pausenrückblick

Da reagierte Maria grad doch etwas scharf!
Entsprechend besteht im Bus Reglungsbedarf
Und so zwingen im Cockpit nun Daniel und Jean
Die Lenkraddespotin zur Koalition.

Doch dass drei Parteien sich einigen -
Das können auch andre bescheinigen! -
Ist hart. Überall sich an- und abzugleichen -
Ein Fall für die Drei Fragezeichen!
Und so schuf unsre Taskforce aus Weh!, Ach! und Au!
Den Maßnahmenkatalog “Bus muss durch Stau”.

Aber sehen Sie selbst!

Notausgang & das eintausendneunhundertsechsunddreißigste Gedicht

Octavi Serra im Kunstlabor 2

Fingerübung - Sachbearbeiter A, F und S

Affenzahn und Wasserhahn,
Waffennarr und Asselschar,
Pfaffenpaar und Achselhaar,
Schaffn wa! und Wasn da?

Vatertag und Saatertrag,
Fantatrank und Satandank,
Angelfang und Walgesang,
Abfallfraß und Spartenspaß.

Hafenbahn und Rassenwahn,
Affenzahn und Wasserhahn.

Isenburger Schloss & das eintausendneunhundertzwanzigste Gedicht

Isenburger Schloss in Offenbach

Offenbach

Ging heut mit aller Offenheit
Durch Offenbach spazieren -
Wo manche Strass' "Komm, hass mich!" schreit
Und Kids nach Ghettos gieren.

Vorfreude hat schon oft verletzt:
Die Allmacht vom Klischee.
In die schon alles übersetzt,
Bevor ich's selber seh.

Auf freien Blick zu hoffen, ach,
Gilt nicht allein für Offenbach!

Medinagasse & das eintausendneunhundertdritte Gedicht

in den Gassen der Medina von Fez

Aufgebrochen in die Weite

Aufgebrochen in die Weite,
Haben wir unsern Weg doch gefunden.
Jeder an des andren Seite -
Im Gleichschritt, doch nicht dran gebunden.

Ich weiß nicht, wie oft du nach hinten noch schaust,
Wie sehr du auf unsern Zusammenschluss baust -
Doch wisse, du solltest nicht warten!

Hab unsern Weg nicht aufgegeben,
Doch schaffte unsre Nähe eben
Zu enge Gassen für Taten.

Paradiesstille & das eintausendachthundertneunundachtzigste Gedicht

Schnelle Tage

Frühmorgens hält sich der Tag noch an die Zeit,
Gen Mittag erhebt er die Peitsche und schreit:

"Sputet los, ihr müden Minuten und Stunden,
Scheucht den Tag in die Dunkelheit, dass er verschwunden

Ist, bevor die To-Do-List sich leert -
Damit sich Lebenszweifel mehrt!

Weil man nichts wirklich hinkriegt und nichts voll vollbringt,
Eh dass die Nacht zum Abschied winkt -
Schon ahnend, dass, wenn's wieder tagt,
Man abermals samt Plan versagt!"

Fischereihafen & das eintausendachthundertzweiundachtzigste Gedicht

Möwen im Fischereihafen von Essaouira

Möwengedicht

Dass der Möwenflug nicht beschreibbar ist,
Ohne sehr kitschig zu werden,
Bestätigt jeder Maschinist.
Und nasengerümpfte Beschwerden
Der meermissverstehenden Landrattenclique
Behaften die nie sich erhebenden Blicke
Mit Gastspielbeschwernis auf Erden.

Vielleicht strömt uns die Seichtigkeit
In jene Möwenleichtigkeit,
Dass Verse wie bodenlos werden.

Volubilistaube & das eintausendachthundertfünfundsiebzigste Gedicht

Taube in der Ausgrabungsstätte Volubilis

Allen Hoffnungsfrohen

Das geräumte Feld,
Auf das du aus schlaflosen Träumen fällst,
Führt gegen die Illusion Klage.
Ungesäumt für "Nicht schuldig!"
Erklärt sich die Welt.
Und mindergeduldig
Erweist sich der Glaube,
Aus dem du hervor dich im Trauerflor pellst
Für die trostlosesten deiner Tage,
Du dem Flug zu vertrauende Taube!

Tagesanbruch & das eintausendachthundertzweiundsiebzigste Gedicht

Sahara Dünen bei Erg Chebbi

Schwarzmaler

Der Himmel ist so klinisch hell,
Wir brauchen schwarze Sterne.
Zu chronisch lacht die Himmelszell' -
Drum mach dich frei und lerne:

Die gute Laune als Gebot
Sei anderen verpflichtend,
Die social-media-devot
Den scharfen Kontrasten
So schräg betont nah steh'n -
Nach anderer Sehnsucht gewichtend.

Saharanomaden & das eintausendachthundertneunundsechzigste Gedicht

Nomadenzelt in der Sahara

Ach, lasset uns die Lässigkeit ...!

Ach, lasset uns die Lässigkeit
Auf Dachterrassen lernen -
Sobald wer krass nach "Stressen!" schreit
Uns sternenwärts entfernen!

Das Verlassen
Der Terrassen
Lässt sich kess verschmerzen,
Trägt man statt Gehässigkeit
Lässigkeit
Im Herzen.

Ziz-Tal & das eintausendachthundertneunundfünfzigste Gedicht

Kasbah-Ruine im ziz-Tal

Medina

Da liegt, vielleicht schon gut sechzig Jahrzehnte,
Diese Dattel, bereit zum Verkauf.
Die von zahllosen Auswahlen Abgelehnte
Schultert abermals frischeste Nachschübe auf,
Die dann stückweise ab in ein Einkaufsnetz wandern -

Seit sechshundert Jahren sind‘s immer die andern.

Ob ihr nun ob der Haltbarkeit
Des Aussortierers Hände droh‘n?

Die Dattel ist nicht alt, verzeiht!
Hier geht es um die Tradition.

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