Dutzendzeiler

Chilloutzone & das dreihundertsechsunddreißigste Gedicht

Schwarz-Weißer Vari

Aus der Reihe der Faulenzergedichte. Mit passender Vari-Übung m Frühstückstisch.

Hängematte

Die Hängematte sagt mir barsch
Dein Körperschwerpunkt ist dein Arsch
Hier sammelt sich das, was von dir von Gewicht
So zeigt dir the Hammock dein wahres Gesicht
Dein hehrer Kopf stakt leichtgewichtig
Von Hüftenschwerkraft aufgerichtet
Und nistet hart im Knotenstrang
Weil er nicht wahrhaft von Belang
Dein Zentrum ist am Ende doch
Nur triebfäkales Ausflussloch
Es scheidet zumindest den Menschen vom Tier
Das sichre Gebrauchen von Lokuspapier

Kronenlemur & das dreihundertdreiunddreißigste Gedicht

Kronenlemur followed by dunkelfellige Kreuzung zwischen Mohren- und Kronenlemur.

Nach der gut gefüllten Lemurengedichte-Serie in "Mehr Kacheln!" bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge zwei von vier. Es folgen noch zwei Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.

Kronenlemur

Das sind bloß zwei Flecken und gar keine Krone
Du wähnst dich mit Herrschaftsbereich, doch bist ohne

Obgleich auch dein Selbstbild nicht wirklich benagt
Dass mancher der andren dich weit überragt
Denn du bist der Lemur mit den zwei braunen Flecken
Die höchst majestätisch die Stirne bedecken

Die hat man eh'r schmeichelnd einst Krone genannt
Das hab'n nur die and'ren noch nicht recht erkannt
So dass du klammheimlich ihr Zweifeln bekicherst
Indem du dir chefliche Anteile sicherst
Bevor auch die tumbsten Lemuren entdecken:

Der trägt keine Krone - das sind nur zwei Flecken!

Anjozorobe & das dreihundertdreißigste Gedicht

Saha Forest Camp

Auch eine notorische Situation: Leise durch den Regenwald stapfen, mit großem Interesse an demgegenüber höchst undankbarer Fauna.

Spotting the Paradise Flycatcher

"Did you see it?" "No." "There!" "Where?!"
"Jetzt seh ich ihn auch nicht mehr!"
"Doch, er sitzt doch noch hier vorn!"
"Hab ihn irgendwie verlorn ..."
"Jetzt kann man ihn ganz toll seh'n!
Kannst du mal zu Seite geh'n?!"
"Wo denn? Ich würd auch mal gern ...!"
"Ja, wie soll man das erklär'n ...?
Siehst du diesen dunklen Ast?
Etwas weiter links davon ...hast
Geseh'n? Jetzt ist er weggeflogen!"

Vielleicht wurd'st du auch angelogen.

Abu Dhabi VI & das dreihundertsechsundzwanzigste Gedicht

Cornichon-Beach

Abend an Corniche-Beach.

Zur Profanierung des Glaubens

Und zärtlich kläfft der Muezzin:
"So, allet jetzt zur Kirche hin!
Ach, wat sach ich - zur Moschee!
Aber, Jesses, wie ich seh
Will ma wieder keener beten!
Zu erschöpft vom Hoden Kneten?
Vom Befummeln eurer Biester?
Wartet nur, ihr Schweinepriester!
Ich setz nie mehr Ablassfristen -
Klär mich auf zum Atheisten
Steig schnell ab vom Minarett
Und leg mich zu euch ins Bett!"

Strandcruising & das dreihundertneunzehnte Gedicht

Sylt Strand bei Kampen

Am Strand

Ich konjugiere die Vergangenheitsform von Effektivität
Und verfehle dabei noch die Unternorm - von morgens früh bis spät

Im Korridor meines Elans herrscht der Strand, ganz tief gedrückt ans Meer
Wo die Kühle des stiebenden Salzdunsts entspannt - mit Füßen, sandstapfschwer

Wenn du in den Kern meiner Langsamkeit dringst, der sich nur selbst umgarnt
Mag sein, dass du gleichtief und tiefer noch sinkst - nun gut, du bist gewarnt!

Der beglückende Schimmer benässter Haut wird eins mit ihrem Glanz
Vor der noch die windigste Brise abflaut ob solcher Eleganz

Silhouettenbeglättend versiegt die Zeit ins tiefgedrückte Meer
Vor dem Idyllen-Kokon der Einsamkeit entseufzt sich Gegenwehr

Ich konjugiere die Gerundiumsform von Attraktivität
Aus der sonnenbetankt sich der Rest an Strom ganz ohne Puls entlädt

Das Lied der Deutschen & das dreihundertfünfzehnte Gedicht

Lange Anna Helgoland

Anlässlich des 175sten Geburtstags des Liedtextes - entstanden auf Helgoland - habe ich alle Worte der für die Deutschlandhymne gestrichenen ersten zwei Strophen neu arrangiert. Wurden schließlich auch bezahlt und sollten nicht unnütz verkümmern.

Lied der Deutschen, Strophe 1-2, re-arranged

1) Der treue Deutsche hält die Maas von Wein - und be(l)lt:
Unser Frauen sollen stets ihren Alten begeistern - über den schönen Biss!
Von Deutscher an Deutsche zum Deutscher über Deutsche
Deutscher in Deutsche!
Lang' alles an, alles - bis der Frauen Memel übertrutze!
Und es zusammen KlangSangSang ...

2) Alles wein': "Der Leben behalten!"
Uns brüderlich: "In Deutschland!" - edler Tat!
Und alles Welt in Deutschland ...
Der Treue über - deutscher Schutz!
Wenn der ganzes Welt Deutschland:
Deutschland zu - Etsch, Welt!

Sommerfrischen & das dreihundertundelfte Gedicht

Tegernsee

Aufziehende Gewitter.

Talkessel

Das von Bergkettenbändern gebändigte Land
Hechelt am Knebel der glänzenden Seen
Und ständig fließt irgendwas über den Rand
Und Ängstlichkeit reift längst zum bangen Versteh'n:
"Vorm Deifi sind wir hier im Tal niemals sicher!"
Und höhnisch erklingt auf den Höh'n ein Gekicher
Rauscht eisekalt brausend als Windstoß hinab!

Vom See schweigt Kühle wie ein Grab

Es fröstelt tief in allen Seelen
Die hier fromm ihr Leben fristen
Und oft sich mit der Frage quälen:
"Weshalb kommen die Touristen?"

Blaue/rosa Bauröhren & das dreihundertundzweite Gedicht

Baustelle Unter den Linden

Das Dutzend ist voll: zwölfte Berlin-Reise in diesem Jahr.

Berlin ist das

Berlin ist Spatz
Blaue Baugrubenröhren (oder in rosa)
Ist "Gab mal viel Platz ..."
Und gluckst: "Nachtruhe stören!" (als Allzweckbühne für die Poser)
Ist seit Jahr'n auf der Kippe
Und immer noch Punk
Historiengerippe
Seziert für das Hippe
Riskiert als Xanthippe die ganz dicke Lippe
Mit stets einer Brise Kloakengestank

Wenn du willst, stillst du hier noch den irrigsten Durst
Wenn du still bist, ist vieles ein Irrtum und Wurst

Bahnhof Friedrichstraße & das zweihundertachtundneunzigste Gedicht

Bahnhof Friedrichstraße

Wo einem Berlin noch wie Berlin vorkommt. Nach einem Schwarzbier mit Bauernfrühstück.

Unter den S-Bahnbögen

Unter den wummernden S-Bahnbögen
Gestanden sie stumm sich einander zu mögen
Befreit, beseelt sah'n sie sich an
Derweil die Bahn verschwand und dann
Enteilten auch sie, ohne weitere Worte
Doch fortan verbanden die zwei mit dem Orte
Wie nah man dort einander war
Obschon ja wirklich nichts geschah

Nachtrag:

Nun, wer den beiden zugeschaut
Schiebt dies auf im Lärm noch gefallene Worte
Doch dafür war's dann echt zu laut
Und wer mehr versteh'n will - der lausche dem Orte!

Asamkirche & das zweihundertvierundneunzigste Gedicht

Asamkirche München

Gut gerüsteter Hallraum.

Pinocchio

Ach, Hall, mir macht dein ferner Schall
Bewusstig, dass ich überall
Mal konsterniert "Ach, hallo!" sag
Mal forsch "Na, und wie geht's so?" frag
Und mehr abscheulich Zeug abruf
Als der, der mich dereinst erschuf
Mir in die Fibel eingelegt!
Es klagt Gepetto unentwegt:
"Was redet mein Balg bloß so blöde und schief?!"
Sei du mir, Hall, das Korrektiv!
Da ich der Stichwortgeber bin -
Berüst den Mist mit etwas Sinn!

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