Casino Baden-Baden & das hundertachtundsiebzigste Gedicht

Kurhaus & Casino Baden-Baden

Auch zwanghaft: Casino-Besuch. Alles zum Ausgang des Abends lesen Sie in Kürze (2017) im Buch zur Tour. Fotos vom pompösen Drinnen dürfen nicht gemacht werden.

Die anderen Rahmen

Die anderen Rahmen
Haben wandernde Namen
Und ich pass' da manchmal am Abend hinein

Ich geb' zu: Ich mag es
Doch zum Anbruch des Tages
Werd' ich nicht mehr im Bilde sein

Baden-Baden & das hundertsiebenundsiebzigste Gedicht

Kurpromenade Baden-Baden

Baden-Baden. Ein Ortsname, der mir Wunsch und Befehl zugleich ist. Mit Gruß aus der Therme.

Durch Schaden wird man bad

Es war Schaden-Schaden einst Tauchparadies
Bevor man auch hier auf die Brauchwasser stieß
Die in der Welt der Unklarheiten
Gemeinhin sich recht schnell verbreiten

Drum bat denn die Stadt einen bartlosen Barden
Für sie den Schaden auszubaden

So kam, dass, als er die Stadt dann verließ
Sie nassforsch Baden-Baden hieß

Berlin 10 & das hundertsechsundsiebzigste Gedicht

S-Bahnhof Jannowitzbrücke

Zehnte Berlin-Reise des Jahres. Heute mal in heiß.

Berlin Summer Nights

Die Milde des Abendlichts kehrt hier nicht ein
Weil Erfolgsdruck zum Wilden die Stimmung verkauft hat
Die Stadt darbt am Image, zu billig zu sein
Und feiert die Nächte, bevor sie verschnauft hat

Murnau & das hundertfünfundsiebzigste Gedicht

Obstblüte

Vollmai'sige Prachtidyllen allenthalben. Insbesondere ein paar Regionalbahnhalte vor München.

Dichtung und Wahrheit

Ersinn' dir den ruhigsten Garten der Welt
Wohin sich kein Ton der Verrohung gesellt

Wo das sprießende Grünen im Überfluss quellt
Und sich blütenschwer Zweige in Windstille wiegen
Wo idyllisch ein Schweigen die Farben erhellt
Alle Pflichten im Schoß dieses Rückzugs versiegen

Wo die Aura der Stille die Quengler verprellt
Bis das drängelnde Draußen sich selber erschießt
Nur noch Vogelgezwitscher jed' Kampftöle bellt
Sich die Schönheit der Schöpfung dem Auge ergießt

Dort, wo sich ein Vers für den Eindruck verstellt
Es gäb' diesen ruhigsten Garten der Welt

Staffelsee & das hundertvierundsiebzigste Gedicht

Staffelsee Aussicht

Am Staffelsee zu Murnau. Sonnenschein fürs Sonnenscheinkind.

Zwei Tempi

'Ne Runde um den Staffelsee
Ich straff in einer Stunde dreh'
Weil ich tough auf Gesundheit steh'

Was du am See an Zeit verpasst
Gönn' ich mir doppelt, dreifach fast
Ich stramp'le völlig ohne Hast
Geh' ins Lokal zur Wampen-Mast

Verlässlich eint die beiden eben:
Der Glaube an das bess're Leben

Noch höher & das hundertdreiundsiebzigste Gedicht

Auf dem Schlossberg Würzburg

Schlecht drauf, oder was? Erste Abrechnungen - und das zum Nicht-Mal-Zenit der Tour?

Über Fragen

Fragst mich, warum ich Menschen hasse?
Weil sie diesen Moloch der geltenden Masse
Bilden
Ungebildet bleiben
Eingebildet übertreiben
Frag mich, wieso sollt' ich wohl weiterhin schreiben!

Weil das Doofe der Welt sich fragen soll:
"Was hört der Kerl nicht einfach auf?"
Die Blasierten der anderen Seite sich voll
Echauffier'n soll'n: "De Aff' schafft's net wekklisch hier nauf?!"
Und so gedopt, verheiz' ich mich
Dass nichts je meinem Eifer glich

Erst, wenn alles schreit: "Hey, wir könn'n nichts erkennen!
Da muss doch was sein?! Sag, was müssen wir wissen?"
Werd' ich mich von dem Schreiben trennen
Schweigen. Vor - letztlich versandenden - Rissen

Auf der Höhe & das hundertzweiundsiebzigste Gedicht

Auf dem Schlossberg Würzburg

Irgendwie stachelt mich ein auf nahen Hügeln gelagertes Gebäude immer wieder zum Aufstieg an, obschon man es sich auch in der Ebene gemütlich machen könnte. Von der Feste herabgedichtet:

Straight up/down to the Top

Ständig muss ich mich erhöhen
Obenauf im Ausguck stöhen
Und dem Ausblick Aug ins Aug seh'n

Gipfel, Wipfel, Kämme, Dämme, Kuppen, Türme stürme ich
Und auf Berg, Burg, Zinnen sinnen Übersicht und Über-Ich

Weit lass ich die Blicke schweifen
Schwelle an vom Welt-Begreifen
Wachend über all Gescheh'n

Doch begnüg ich mich durchaus mit
Einem Blick in deinen Ausschnitt

Spähend hüpf ich
Unterschlüpfrig
Tief ins Jenseits vom Versteh'n

Frühlingzenit & das hunderteinundsiebzigste Gedicht

Residenzgarten Würzburg

Blüten, Blüten, Blumen. Im Garten der Würzburger Residenz.

Frühling im Mai

Manchmal denkt man sich, wo bleibst du
Manchmal meint man, übertreibst du
Manchmal seufzt man sanft: Hach, ja ...
Weil's das dann schon wieder war

Würzburg & das hundertsiebzigste Gedicht

Würzburg

Von Seefahrer-Romantik zum Startpunkt der Straße der Romantik.

Wissenslücken

Es ist das Wissen weit gesät
(weil auch ein Sprichwort es verrät):
In der Kürze
Liegt die Würze

Doch wo hat sie zuvor gestanden?

Dieses Wissen kam abhanden

Küstennähe & das hundertneunundsechzigste Gedicht

Bremen Hauptbahnhof

Die Romantik der Seefahrt beginnt bereits ein paar Dutzend Kilometer vor der Küste.

Hanse

Dass die Luft dieser Stadt so bedächtig nach Salz riecht ...
Sie stammt aus den Lungen der alten Matrosen!
Der'n Unbestimmtheit noch meeresschwer wiegt
Keine Lush-Outlet-Düfte verveilchenter Rosen

Selbst ein Start-Up'ler tritt hier als Seebär an Deck
Schmettert "Mann über Bord!", dass Sekret-Brisen brodeln
Und gestern-empfänglich stopft man jedes Leck
Mit den Winden, auf denen die Drecksmöwen rodeln

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