Krahescher Portikus & das eintausendeinhundertdreiundsechzigste Gedicht

Krahescher Portikus im Braunschweiger Bürgerpark

Ripostegedicht zu Friedrich Schillers gleichnamiger Ballade.

Der Ring des Polykrates 2.0

Durch all den Dunst der Fingerschlieren,
Die das begrapschte Display zieren,
Schaut Hershel auf sein Samsung hin.
Er unterrichtet seinen Lehrer
Vom Ende der "Nee, gibt nich!"-Ära:
"Gestehe, dass ich klicklich bin!"

"Du hast der User Gunst erfahren
Dank Postings, die sehr zahlreich waren -
Auf Facebook und als Twitterer!
Doch kann ich dich nicht glücklich sprechen,
Denn jeder schafft's dich auszustechen,
Der instagrämig fitterer!"

Kaum, dass der Neuland-Tramp geendet,
Ward Hershel 'ne What's App gesendet,
Dass Facebook festigt ihm die Kron'!
Denn Instagram sei einverleibt nun,
Dort folgten ohne eignes Zutun
Ihm tausend Abonnenten schon!

Es hätt', nachdem da hart verhandelt,
Die Datenbanken schon verbandelt
Der treue Feldherr Zuckerberg.
Bald ehrt ein blauer Topstar-Haken
Den, der schon unterm Facebook-Laken
Übt' treu des Werbekunden Werk.

Und Hershels Lehrer senkt die Brauen:
"Ich warn dich, solchen Klicks zu trauen -
Leicht trügt der Social-Media-Fame!
Du wusstest in den Youtube Wellen
Dich niemals richtig aufzustellen -
Nee, dort performst du mega-lame!"

Noch eh der Herr den Rant gesprochen,
Hat ihn ein Jubel unterbrochen.
Denn eine Online-Agentür
Will Hershels Ruhm im Restnetz wegen
Den Youtube-Channel fortan pflegen -
Und zahlt ihm gar Lizenzgebühr!

Der Lehrer einwandsschwach entgegnet:
"Mit Klicks bist du heut gut gesegnet -
Doch fürchte ihren Unbestand!
Weil die Cretins sich wenig scheren
Um Werte, die schon länger währen
Und Friendships, die sie einst verband!"

Solch miesegramen Wörterschwallen
Flugs frische News entgegenschwallen:
Millionenfach gestützt vom Like
Erkiesen einig die Cretinzer
King Hershel sich zum Influencer -
Sein Fanblock wächst wie Hefeteig!

Da drängt's den Griesgram nachzusetzen:
"Fürwahr, ich muss dein Klickglück schätzen -
Dir schwirrt um jeden Tweet ein "Geil"!
Doch graut mir vor der User Missgunst:
Die ungehemmte Hater-Disskunst
Ward manchem Ex-Star schon zu Theil.

Auch ich war einmal big im Business
Und war mir im Prinzip gewiss, es
Vergött're mich der User Huld.
Doch stößt das Web die halb Beglamten
Gern in den Teer der Zugespamten -
Und ich versank dort, ohne Schuld!

Drum, willst du deinen Status wahren,
So flehe zu den Unsichtbaren,
Dass sie den Aufstieg dir verzeih'n!
Sie lassen stets, wen sie beneiden,
Am Social-Media-Pranger leiden -
Zu schnell erlangtest du, was dein!

Eh sie ihn nun von selbst entdecken,
Wenn sie deine Accounts zerhacken -
Freund, opfre deinen größten Trumpf!
Der Schwarm, er fordert, dass gemein is',
Was immer dein Erfolgsgehemnis -
Versenk' es tief im Online-Sumpf!"

Und Hershel spricht, von Furcht beweget:
"Ich hab fürs Trollgeproll' geheget
Ein leistungsstarkes Fake-Profil.
Was dies an Traffic zu mir lenkte,
Weil ich schien der von ihm Bedrängte,
War beinah schon zu unsubtil.

Ich mach sein Passwort jetzt so simpel,
Dass selbst der whackste Hackergimpel
Sich dem Account schnell eingesellt!"
Doch kaum war dieser Weg gegangen,
Ein Phischer ward im Netz gefangen -
Stolz prahlt ein Datenschützerheld:

"Et sind auch Trojas Datenphischer
Im Internet net schadlos sischer -
Da habn'Se Ihr'n Account zurück!
Rescht oft misslingt's in solschen Fällen,
Auch allet wiederherzustellen -
Oh Sie, Se hab'n ma wirklisch Glück!"

Da wendet sich der Gast vom Browser:
"So startet deines Glückes Mauser -
Schon rauscht heran des Shitstorms Braus'!
Die User wollen dein Verderben -
Mein Ruf soll nicht mit deinem sterben!"
Und sprach's und loggt vom Chat sich aus.

Türmer & das eintausendeinhundertzweiundsechzigste Gedicht

Türmer im Braunschweiger Bürgerpark

An der Oker

Schore-Opfer an der Oker,
Die beim Schmerzbetäubungspoker
Sich im Tauschrausch überreizten
Und mit trüb vergreisten Augen
Aus dem Fluss die Säfte saugen,
Die sie selbst so früh verheizten.

Abschlussparty & das eintausendeinhunderteinundsechzigste Gedicht

Sonnenuntergang am Beau Vallon auf Mahè

Sonnenuntergang

Für ein kleines "Erledigt!" als Wohlfühlmoment
Gibt das Abendrot dir grünes Licht.
In der Haut schlummert Sonne, die immer noch brennt
Und die Nacht löscht in Schönheit das Licht.

Indischer Ozean & das eintausendeinhundertsechzigste Gedicht

Ausblick vom Anse Takamaka

Tauchen

Das Wasser allüberall Wasser nur ist,
Mag uns die Chemie zwar erzählen -
Dass mancherorts es selbst das Nasssein vergisst,
Kann ich mit Erinn'rung vermählen.

Da neigt sich der Himmel, die Wellen zu küssen,
Strahlt Erstklassigkeit auf zur Sonne,
Wird Wasser zum größten von allen Genüssen,
Umfasst mich mit ureigner Wonne!

Hafenbecken & das eintausendeinhundertneunundfünfzigste Gedicht

Im Hafenbecken von Baie St. Anne, Praslin

Das Unzählbare

Dem Unzählbaren nachzuspüren,
Es mit demutverbundener Vagheit zu nennen,
Vergoldet den Kitzel vom Nicht-mal-berühren
Und heilsam verdächtigen Wiedererkennen.

Anse Patates & das eintausendeinhundertachtundfünfzigste Gedicht

Anse Patates auf La Digue

Milchshake am Abend, letzter

Ein Melonenmilchshake vorm großen Abschied
Vom Tage, von Stränden und Feriengefühl ...
Millionen davon, bro, man, is all that you need!
So sämig, so träge, so süß und so kühl ...

Victoria & das eintausendeinhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

"Big Ben" von Victoria auf Mahé

In dochfremden Städten

Der Sog der Vertrautheit in dochfremden Städten
Entlockt dir raren Übermut.

Aber irgendein Ankerpunkt wird dich schon retten!

So nah und so fern vom "Okay, alles gut!" ...

Petite Anse & das eintausendeinhundertsechsundfünfzigste Gedicht

Rind am Petite Anse auf La Digue

Meine Füße

Sag: schuhlos, barfuß, bloße Quanten!
Mach: jene zwei zu frei Benannten!

Hundertjährige & das eintausendeinhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Riesenschildkröte am Anse Lasio Praslin

Zum Geburtstag

Heut' warnt die DIN vom Candlelight:
Ein weit'res Jahr ist abgelaufen!
Es türmt sich die vertane Zeit
Zu einem übergroßen Haufen.

Dir winken weder neues Glück,
Noch höhere Gehälter -
Du kriegst ein schönes Kuchenstück
Und bist ein Jährchen älter.

Inselhuhn & das eintausendeinhundertvierundfünfzigste Gedicht

Huhn auf La Digue

Von glücklichen Hühnern

"Tock, tock, tock!", gluckt's aus der Henne,
Die ich gockelglücklich nenne,
Wie sie sich mit Nochschopf regt!

Eh man sie zum Kochtopf legt.

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