Straßenbarriere & das eintausendvierhundertvierte Gedicht

Hindernis auf der Straße zwischen Anse Fourmis und Anse Patates auf La Digue

Idylle am Strand

Mit der frischen Entkräftung des Schwimmgangs aus der Wellen sprühzischelndem Schaum ans Land
Sich am Strand
Auf ein Hand-
Tuch zu werfen, das im pudrigen Sand
Sonnenstrahlbetankt ausliegt -
Das ist dem Ideal
So nah, dass selbst dein Wanst egal
Oder wie viel die neben dir seufzende Maus wiegt.

Félicité & das eintausendvierhundertdritte Gedicht

Blick auf Félicité

Puderzucker

Ich bin ein Was-mit-Puderzucker
Mäßig guter Schluderschlucker.
Äß ich alles ohne jenen,
Säh's hier jedenfalls nich' nach een
Von schneeigen Teint bestäubten Haupt aus,
Überhaupt, Maus: wären Stirn und Kinn, die Bäckchen,
Ebenso mein Anoräkchen
Nicht gleich herbstlaubbedeckten Alleen,
Durch die weiche Häuche die Schneeflocken weh'n.

Insbesondere bei Waffeln
Ist's kaum bis zum Mund zu schaffeln,
Dass nichts von der Waffel fällt -
Schafft's dann mal ein Waffelheld,
Wird sein "Puh!" das Pu bepusten
Und der Zuck erzwingt ein Husten.

Schon ist nach 'nem kurzen Flug er
Ganz bedeckt von Puderzucker.

Takamaka & das eintausendvierhundertzweite Gedicht

Am Anse Takamaka auf Mahe

Das Geisterschiff

Im Hafen liegt ein schweres Boot,
Das pferchte sich ein dort mit Macht.
Das schweigt sich aus, womit es eigentlich droht,
Löscht die Definition seiner Macht.

Für die Gezeiten ist's zu spät -
Was hier fraglich blieb, ist unterschrieben.

Man starrt auf des Geisterschiffs Monströsität,
Ist längste Zeit furchtlos geblieben.

Siedlerfriedhof & das eintausendvierhunderterste Gedicht

Friedhof der ersten Siedler auf La Digue

Die Corona der Schöpfung ist in Selfielaune!

Das Virus drillt das Wirr ins Us (engl.)
Und schrillt: In viro wahnitas!

Flughafen Riem & das eintausendvierhundertste Gedicht

Flughafen München Riem Abflughalle heute

Reingefallen!

Du wusstest es, oder? Die Welt galt der Planung
Einer Großüberraschung für dich!
Du verneinst das zu schnell, als wär da keine Ahnung,
Durch die ein Gewissheitshauch strich.
Du trichtertest dir doch am Tresen oft ein:
Das kann's noch nicht gewesen sein!

Nun hör der durchs Bühnenbild Huschenden Tuscheln,
Die selig sich in ihrer Vorfreude kuscheln -
Was gab's da nicht Blödes, an dem du genagt,
Wie schön, wenn da gleich wer mit Löschtaste sagt:
"Überraschung, Junge! Schau mal da:
Hinterm Sarg - die Kamera!"

Du hast dich wirklich gut geschlagen
Und bist bei allem cool geblieben,
Noch bis zuletzt fern vom Verzagen!

Wir hab'n's ja manchmal übertrieben -
Doch wussten auch: Der kann was ab!

Und jetzt erhol dich gut im Grab.

Löwenspinne & das eintausenddreihundertneunundneunzigste Gedicht

Skulptur Pusteblume im Riemer Park

In der Pflicht: Writing Poems like Tonya Harding

Du musst hier noch so viele Kniescheiben brechen,
Noch so viele bleibende Schmähungen rächen,
Du musst dir noch so oft das Arschloch aufreißen,
In all deren satte Bequemlichkeit scheißen,
Du musst ohne Gunst an der Inbrunst dich wärmen
Und flehentlich grell von dem Wirklichsein schwärmen.

Du kannst hier nicht mehr auf mehr Wohlwollen warten,
Musst stur Dinge tun, die nur dir gut geraten,
Du darfst ihre Ablehnung fortan genießen,
Du musst hier mit niemanden Frieden noch schließen,
Bleib einfach alleine - das steht dir so gut!
Bewahr dir nur eine Begleiterin: Wut.

Messe München & das eintausenddreihundertachtundneunzigste Gedicht

Berggipfelskulptur an der Messe München

Ein weiterer Songtext von dem in Herbst 2020 erscheinenden neuen Marilyn‘s Army Album „Zeit zu schreien“.

Nicht mal unverzichtbar (nicht dieses Mal)

Was dir noch bleibt
Ist all das nie Verlangte - langt schon so, aha
Was dich noch treibt
Ist all das Ungesagte aufzuschreib'n - sowie ein ...

Ein nicht mal unverzichtbarer Verlust von Zeit - und ein
Ein sichtbar ungeschickter Fehlversuch aus Neid

Du sagst Dir:
Nicht dieses Mal
Nicht dieses Mal
Es ist wie
Wie jedes Mal
Nicht dieses Mal

Was dich noch treibt
Ist dieser Nachgeschmack der frühen Euphorien
Was dir noch bleibt
Ist nur der Schwur dich noch mal reinzuknien - sowie ein ...

Ein nicht mal unverzichtbarer Verlust von Zeit - und ein
Ein sichtbar ungeschickter Fehlversuch aus Neid

Messestadt West & das eintausenddreihundertsiebenundneunzigste Gedicht

U-Bahnhof Messestadt West

Ein weiterer Songtext von dem in Herbst 2020 erscheinenden neuen Marilyn‘s Army Album „Zeit zu schreien“.

Restlos

Du hast 's schon aus Distanz geblickt:
Dort haust das Glück,
Dort hausen Worte, die es beschreiben

Du hattest ungeahntes Glück,
Du warst geschickt,
Du hast errechnet: So wird es bleiben.

Refr.: Wenn wir das löschen, muss es restlos sein -
In dem, was uns gescheh'n, lässt sich zu leicht was überseh'n.
Wenn wir erst löschen, woll'n wir rastlos sein -
Denn sonst ist das machbar, acht' ma' - (da) drauf!

Du hast schon aus Reflex geahnt
Du hast gemahnt,
Du hast gewarnt, das rächt sich zum Schluss

Dein Sorgen hat sich nicht bewährt,
Es blieb verzerrt
Als blind ins Morgen zielender Stuss

Refr.

Du hast schon aus Prinzip gewankt,
Warst vom Gedanken,
Wie umtrunken nicht so ganz bei

Dir ist die andre Meinung klar,
Doch offenbar
Schielt die Gewissheit immer nach Freibier.

Refr.

Du hast errechnet: So wird es bleiben.
Du hast errechnet: So wird es bleiben.

Lebendschachfeld & das eintausenddreihundertsechsundneunzigste Gedicht

Marostica Hauptplatz

Immernächte in Berlin

Für jede Minute der Nacht ist gesorgt,
Das Krakeelen im Schacht hört nie auf.
Berlin hat sich alldies höchst unfair geborgt
Und hält mit dem Selfiestick drauf.
Aber all dies ist da - in den Winkeln vom Echt
Hält es bis kurz vorm Tiefschlaf mich wach!
Hier muss Welt nicht schön sein und auch nicht gerecht -
Sie versorgt uns verlässlich mit Krach.

Marostica & das eintausenddreihundertfünfundneunzigste Gedicht

Alte Stadtmauer von Marostica

Du Idiot! (Die chinesische Mauer)

Dauernd
Mauernde Chinesen
Als im Bau tätige Wesen
Hab‘n der Welt
Dies hingestellt -
Heute sind‘se maosetot.

Schau‘s dir an, du Idiot!

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren