Coco Island & das eintausendvierhunderteinundzwanzigste Gedicht

Coco Island bei La Digue

Die Fastdrüssigen

Diese eine letzte Chance
Nehmen wir noch wahr.
Danach sind wir zu ausgebrannt,
Dem Grabesrand zu nah.
Doch lässt sich's an der Endstation
Nicht auch recht prächtig feiern?
Selbst wenn wir viel zu häufig schon
Von Memoiren seiern.
Was unser Leben so verdarb,
War nur der Blick nach vorn,
Der so beharrlich um sich warb,
Dass wir das Jetzt verlor'n.

Wir ändern diese Welt nicht mehr,
Das lässt sich nicht verhehlen.
Wir zieh'n uns selbst aus dem Verkehr,
Hier könn'n wir gerne fehlen.

Doch diese eine letzte Chance,
Die nehmen wir noch wahr
Beim Volldabeisein trotz Distanz!
Es geht uns wunderbar.

Anse Coco & das eintausendvierhundertzwanzigste Gedicht

Anse Coco auf La Digue

Gestrandet in Corona

So menschenleer die Strände war'n,
Sind nun die Straßen auch.

Darf nirgends in den Urlaub fahr'n,
Bin des Radius' müde,
Hass' die Bordsteinumrandung.

Wenn der Rausch einer Brandung
Nun gen Meer einlüde ...

Doch in allen Wipfeln kein Hauch.

L'Union Estate & das eintausendvierhundertneunzehnte Gedicht

Im Schildkrötengehege vom L'Union Estate auf La Digue

Ein Wegweiser für Influencer

"Gern ließe ich von Landschildkröten
Die Zehchen mir abbeißen,
Und rissen sie an meinen Klöten
Wie Staubsauger von Dyson,
So ließ ich sie gewähren.
Den Tatzenschlag von Bären
Gäb ich die rechte Flanke hin
Und meine beiden Kiemen.
Ich hör ein "Danke!" - immerhin,
Für Lehen made by Lehman.
Den Restleib soll'n die Raben haben,
Die sich bei SAP bewarben."

Oh, all das Gerangel um deinen Verzehr, Jung -
Es ist doch am Ende für dich auch 'ne Werbung!

Auf La Digue & das eintausendvierhundertachtzehnte Gedicht

Am Anse Source d'Argent auf La Digue

Es rührte mich so sehre ...

Ich blinz'le lidmüd in den frühen Sonnenuntergang ...
Das unabändernd Endgewissen dauert mich zu lang!
Zäh fällt die Schlottertür ins Schloss -
Die aller Schönheit Pforte
Gibt nie mehr preis, was ich genoss,
Und schließt sich ohne Worte.

Soeurbewohner & das eintausendvierhundertsiebzehnte Gedicht

Jungziege auf der Insel Grande Soeur

Zum Selbstbewusstsein vorm Bewusstloswerden

Für das bisschen Person
Hast'ne riesige Klappe!

Da gibt's per Konversion
Bald gewiss auf die Mappe ...

A la Mouche & das eintausendvierhundertsechzehnte Gedicht

Am Anse A la Mouche auf Mahe

Paartanz@theBeach

Ich stapf mit meiner Seelenruh
Gemächlich durch den Sand,
Verschaff durchs Fehlen beider Schuh
Mir Zutritt zu dem Land.

Welch Weisheit wohl die Weissheit birgt
Vom frisch gewasch'nem Sand?
Ich zähl nur das, was sie bewirkt
Mit dir hier, Hand in Hand.

Nid d'Aigle & das eintausendvierhundertfünfzehnte Gedicht

Auf dem Nid d'Aigle - höchster Punkt der Insel La Digue

Auf den Seychellen

Sey nicht zu erwartend, man findet hier nur
Die Zutaten für eines Traums Rezeptur!

Hirtenmania & das eintausendvierhundertvierzehnte Gedicht

Hirtenmania auf Mahe

Inmitten Quarantäne

Hab stundenlang ein großes Nichts
In einen leeren Raum gefüllt
Und mit der Schnauze des Gedichts
Mein Schweigen vor die Zeit gebrüllt.
Mir war danach - gemach, gemach,
Das Wenigste zu tun ...
Doch blieb mir, ach, zu viel vom Tag,
Um davon auszuruh'n!
Und alles hält die Webcam drauf:
"Ich mach das Beste draus!"
Ich schalt das WLAN ab und sauf
Den Rest der Schnäpse aus,
Verkork ein Loch im Scheißegal.

Und morgen mach ich's noch einmal.

Grande Soeur & das eintausendvierhundertdreizehnte Gedicht

Am Strand von Grande Soeur

Wie nicht ...?

Wie nicht nach der einst trauten Sicherheit sehnen,
Die ich schlecht beschützte als einer von denen?

Wie nicht im Triumph das Verlorene sehen
Trotz fehl'nder Indizien auf eigne Vergehen?

Wie sich nicht ob all der Ruinen bekümmern,
Da wir uns im Neuaufbau selber zertrümmern?

Wie nicht dem misstrauen, was uns widerspricht?
Wie all das verdauen - vor allem: wie nicht?

Anse Patates & das eintausendvierhundertzwölfte Gedicht

Anse Patates

Nachmittagssonne

Die Nachmittagssonne bebrütet die Farben.
Und alle Motive, für die Männer starben:
Uns Volk und stumpfe Religion,
Miefen prompt nach Niedriglohn.

So golden, so strahlend sind Demut und Feier ...

Und endlich entleer'n sich der Prediger Eier.

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Frank Klötgen - Post Poetry Slam - immer frische Gedichte & Fotos RSS abonnieren