München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

In den Isarauen & das eintausendfünfhundertsiebenundneunzigste Gedicht

In den Isarauen bei Freimann

Der Unerbitt

Die Kälte masst aufs ebne Land,
Das kühle Nebel schwitzt
Als hätt' ein Qualm von tiefem Brand
Die Erdkrume durchritzt.

Der Winter lässt sich Zeit und Ruh,
Schaut rauchend uns beim Leiden zu.

Schwabinggiraffe & das eintausendfünfhundertsechsundneunzigste Gedicht

Wandbemalung in der Nähe vom Klinikum Schwabing

Katzenklo

Du und die Deinen -
Würde man meinen -
Sind die geschmeidigsten aller Komtessen,
Oberste Rahmschicht der Edel-Hostessen!

Doch zählt ja fürs Gesamtergebnis
Die Frage: Was kommt hinten raus?

Da birgt das Streu dann manch Erlebnis
Des olfaktorisch derbsten GAUs!

Fröttmaning & das eintausendfünfhundertfünfundneunzigste Gedicht

Blick gen Fröttmaning vom Olympiaberg

Meeting the Influencers

Sie setzten sich so, dass ich gar nichts mehr seh -
Sie halten sich wohl für 'ne Aussicht!?
Und mich für Ihr Instagram-Fangirl in spe?
So hör'n Sie: Das bin ich durchaus nicht!

Sie sind zwar von reiner Durchschaubarkeit beim
Notorischen Selfie-Posieren -
Doch fehlt meinem Blick nun ein brauchbares Heim
Im schambloßen Schlachtfeld der Ihren!

Licht I Wald & das eintausendfünfhundertvierundneunzigste Gedicht

Lichtwald bei der Lichtaktion "Kunst verbindet" im Kunstareal München

Wann Lasche abnippeln

Und mit einem Mal weiß ich:
Oh, 2030
Ist doch sehr sehr fern
Und würd ich auch gern
Es lebenden Auges besehen,
Muss sicherlich vorher ich gehen.

Denn vor Geburtstag 62
Rechne ich damit, es rächt sich
Des Lebensrauschs Fülle
An sterblicher Hülle.
Dann wird's nix mit mir und Jahr 2030 -
Da kann ich mich auch nicht beschwer'n, Herr, das weiß ich.

Andrerseits gibt's Register,
Die blieb'n ungezogen:
Hatt' lebenslang Schiss vor zu heftigen Drogen -
Und ein Achteljahrhundert nur Verse Verfassen
Schafft auch wenig Zunder für'n ungesund krassen
Lebenswandel.

Hält dann vielleicht mein Daseinsbandel
Doch noch in die Dreißiger?
Fraglos freudlos, scheißiger.

Und plötzlich Zweifel: Wird's nich'
Doch eh'r 2040?

Wintersonne & das eintausendfünfhundertdreiundneunzigste Gedicht

Sonnenuntergang am Olympiapark

Love

Du hast von der Lieb' in die Welt mich getschüsst,
Schriest "Raus hier!" statt "love is the word".
Ein Vorderzahn ward deiner Anmut entküsst -
Den Rest hast du selber zerstört!

So viele Spuren Hässlichkeit
Hat Zeit uns eingedörrt,
Weil jeder "Halt die Fresse!" schreit
Und niemand sich empört.

Im Tonnenlawinengeröll liegt ein Einst -
Das hätt' uns auch wortlos gehört.
Mag sein, dass du darüber seltener weinst.
Die Zahnlücke pfeift " ... is the word".

Antikensammlung & das eintausendfünfhundertzweiundneunzigste Gedicht

Lichtaktion "Kunst verbindet" im Kunstareal München

Das Erbeuten vom Immerhin (In der Ausgangssperre)

Die bis 21 Uhr Spazierenden
Schnüffeln voller Genuss an der Unartigkeit.
Unter prinzipiell durchaus Parierenden
Kursiert die Mission "Dies bleibt unsere Zeit!".

Dezemberschnee & das eintausendfünfhunderteinundneunzigste Gedicht

Schneespuren am Olympiapark

Spätes Bekennen

Schneidende Kälte
Säbelt hart an mir rum.
Das Jahr ist in Bälde
Auch schon wieder um.
Mein Faible fürs Frösteln
War bloßes Gewäsch.
Nichts Tröstliches ist so
Beliebt wie sein Hash-
Tag.

Scham & das eintausendfünfhundertneunzigste Gedicht

Winterbepflanzung im Münchner Schlossgarten

Das Errötete (Kurzvariante eines momentan entstehenden Großgedichts)

Das errötete Dekolleté
Der durchvögelten Dorothee-Cosima
Umwölkt zart ein Röschen-Bouquet
Von fötenfrischer Geistesreinheit
Und forsch libidinösem Meineid -
Ein Momente umkosendes Immerdar,
Ein schwärmendes Aroma-"Ahhh!",
In dem sich die Urform der Gleichung beweist,
Um die der Planet unsres Menschentums kreist.

Ludwigstraße & das eintausendfünfhundertneunundachtzigste Gedicht

CO2 Ziele auf der Ludwigstraße

Die Lockdowner

Nun sind wir gestrandet in Bettläg'rigkeit
Und wälzen uns reizlos im Sand.
Wir warten, dass irgendwer "Aufstehzeit!" schreit,

Wir hoffen, er tut's mit Verstand.

Schwanengesang & das eintausendfünfhundertachtundachtzigste Gedicht

Schwäne etcetra am Flauchersteg

Die Erhabenheit und der Nichtsnutz

Ich möcht' nicht, dass du dich mit mir hier vergleichst,
Da mich solche Nähe bedreckt!
Ich gönn' dir, dass du deine Ziele erreichst,
Eh weiterer Anspruch verreckt,

Doch gibt's 'nen Klassenunterschied,
Durch den man keine Trasse zieht:
Meine Geltung - das ist doch der Abstand zu dir!

Gleich dem Grenzziehungszwang zwischen Menschen und Tier!
Hey, ich überroll' dich bei allen Vergleichen!

Du endest als Ekelmatsch zwischen den Speichen.

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