München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

FJS & das sechshundertsiebte Gedicht

Flughafen München

Unter Mentoren

Und weiterhin noch keine Pause
Ein Kosmos voll wedelndem Schwanz
Der Pfarrer bestellt mir 'ne Brause
Und schiebt mich nach vorne: "Jetzt tanz!"

Brandhorst & das sechshundertsechste Gedicht

Fassade Museum Brandhorst

Übel der Wolken

Hab mein wartebalkenbeschädigtes Leben
Nun vollends der Willkür des Uploads ergeben

Isarkiesel & das sechshundertfünfte Gedicht

Isarkiesel

Uneinig

Gleicht nicht allein ein Ei dem andern,
Weil dies Ei gleichfalls jenem gleicht –
Ein Gleichungsweichensteller eifrig
Schon Ei-chen auf ihr Ei-Sein eicht?

Weiß irgendeiner, wann ein Ei –
Auf Stufe Eins der Gleicherei –
Die eigentliche Eier-Form
Bestimmte einst zur Eier-Norm?

Du weißt das nicht, wie ich Dich kenne!
Fragst immer noch, ob Ei, ob Henne –
Wer von den zwei'n war gleich dabei?
Es kommt drauf an, Mann, welches Ei!

Du meinst, da gleicht doch eins dem andern?
Zurück zur ersten Zeile wandern!

Isarufer & das sechshundertvierte Gedicht

Disteln am Isarufer

Die Scheidenden

Wir werden bei diesem Fest nicht mit dabei sein
Wir sind schon beschäftigt mit Sterben
Wir möchten, selbst wenn man uns bäte, nicht, nein
Die Wiederaufbauten bewerben

Es macht nach den Jahren, die wir nun verdrängen
Für uns keinen Sinn, noch zusammenzuhängen
Glück auf nun - es scheint wohl für alle das Beste
Wir feiern den Abschied und Ihr Eure Feste

Kleinkram & das sechshundertdritte Gedicht

Kirche von Väterchen Timofej

Dem Detail

Und doch habe ich nie an der Schönheit gezweifelt
Ich vermisste nur etwas Verstand
Und böt' sich die zweite Chance, blieb es dabei, Welt:
Ich behielt' diesen zahnlosen Trumpf auf der Hand
Um ihn mir stündlich anzuseh'n
Und sein täglich Erwachen zu preisen
Das Wissen genießend, hier richtig zu steh'n
Und schmähendes Mitleid strikt von mir zu weisen

Denn niemals hat diese Schönheit an Wert eingebüßt
Nur sie traf nicht sehr oft auf Versteh'n
Sie hat unbeirrt weiter die Ahnung versüßt
In den totesten Winkeln vom Tagesgescheh'n
Dem trüben Blick fehlt das Detail
Doch entscheidet nicht er, ob es da ist
Sein Urteil ist auch gar nicht nötig mehr, weil
In diesem Moment Du schon ungewohnt nah bist!

Der Pilz & das sechshundertzweite Gedicht

Olympiapark

Das Leben im Glückspilzgarten

Du ahnst die Welt mit Optimismus hinfort
Und ich kann Deinen Sturz kaum erwarten
Doch Du findest trotz Blindheit das passende Wort
Und eroberst Dir weitere Staaten

Und mitten im Camp der stochastischen Duldung
Hast Du Dir ein Blockhaus gebaut
Ich gleite durchs Koma der Weiterverschuldung
Schrei wirklich um Hilfe und doppelt so laut

Nun bleibt für den Ausgleich auch nicht mehr die Zeit
Und wahre Verachtung verklärt sich zu Neid

von Wittelsbach & das sechshunderterste Gedicht

Reiterstandbild Herzog Ottos von Wittelsbach

Süßer Gries

Schnitzt aus meinem Schädelknochen
Euch ein Elfenbeinbesteck

Schmeißt, was vorm Dessert zerbrochen
Und auch all die Selfies weg

Poem 600 & das sechshundertste Gedicht

Am Schwabinger See

Du Schwabing

Schwabing, Du altes Versprechen!
Ich hör Dir schon gar nicht mehr zu
Du musst Dich nicht zwanghaft erfrechen
Du Gör einer lästigen Lou!

Schwabing, Du Schalk aus Gebrechen!
Ich trau Dir schon gar nix mehr zu
Muss jeden Tag blau sein und zechen
Hau mir auf den Pimmel, Du Kuh!

Schwabing, Du Allerwelts Schwabing
Muss immerzu bar für Dich blechen
Bis ich mich in Dir dann zum Star sing
Schwabing, Du altes Versprechen!

Kein Märchen & das fünfhundertachtundneunzigste Gedicht

Schwanennachwuchs an Schwabinger See

Das hässliche Entlein

Die, die da entwarnen sind
Auf dem Weg zum Schwanenkind

Du aber bist wirklich hässlich
Abgrundtief und unermesslich

Ringelnatz & das fünfhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Im Englischen Garten

Ein Ripostegedicht, das sich die Zuschauer meiner Lesebühne Poetry & Parade zu "Morgenwonne" von Ringelnatz gewünscht haben. Diesmal gleich doppel-ripostiert: inhaltlich mit meinem Gedicht-Tryptichon "Die verkaterten Morgen", "Im Bade" und "Spätes Frühstück" - sowie formal:

Rohachim Natteritz: Morgenwonne

Die Wachtel ist ins Gnu verknallt
Das Huftier hat 'ne Klatsche
Was sehr verlockend sei, doch bald
Zerschürft es sie zu Matsche

Ein Kackekicker macht 'nen Schmu
Und balanciert am Grate
Zum "Schlagt dem Wicht die Augen zu
Bei einem Attentate!

Auf rauer See ein Schifflein wippt
Das hat, was vielen blühe
Ein Ungeheuer angenippt
Zerstückelt in der Frühe

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