München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Sommerpause & das zweihundertsechsundsechzigste Gedicht

Tollwood Festival

Beinahe Urlaub: drei freie Tage in München. Im, aber ohne Sommer

Moose und Mosern

Da atmen die keuchenden Bäume den Staub
Den der sonnendurchdrungene Boden nicht hält
Es senkt sich verzagend vom Zweige das Laub
Dem gilbenden Grase als Frage gestellt:
"Weißt du, ob des Regens belebender Guss
Ist schon auf dem Wege zu uns? Denn sonst muss
Das vom Frühling Erworbene wieder verderben
Und noch als Gedeihendes frühzeitig sterben!"

Da, wie auf ein Zeichen, verfinstern sich Wolken
Werd'n Wasser auf Wasser aus Watte gemolken

Den Pflanzen ist's fraglos erlösender Segen
Nur ich moser' böse: "Den ganzen Tag Regen!"

On the road again & das zweihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

Olympiapark München

Ach, was war das für eine entspannende Zeit: zehn Tage Tourpause. Und jetzt weiter im Text.

Das Leseband

Es hängt das Lesebändchen stur
Sinnlos baumend, scheinbar munter
Zweckverwaist als Buchmontur
Sich nicht rein, nur rücklings runter

Wie ist noch dieses Buch gewesen
Das ich scheinbar hab gelesen?
Sagt das Band, ich wollt dran denken
Es schnellstmöglich zu verschenken?

Oder meint es: "Gib dem Buch
Einen weiteren Versuch!"
Ist's ein Signal, es sei so schlecht geschrieben
Dass nicht mal sein Bändchen drin hängen geblieben?

Nun war ja des Bändchens ureigener Sinn
Zu zeigen, wie weit ich gekommen bin
Doch mitleidsbefreit sagt das Band jetzt: "Du Tor!
Bist so weit als wie zuvor ..."

Abreise & das zweihundertsechsundfünfzigste Gedicht

Olympiapark Munich Mash

Es geht wieder los. Mächtig: acht Stunden bis Görlitz.

Astronautenkost

Mir ist so, als wenn ich in kosmischer Ödnis
Vor etwa zehn Jahren ein Trümmerstück sah
Das ich nun erinn're, da mir grad so öd is'
Schon rätselnd, ob's wirklich ein Trümmerstück war
Und nicht bloß der Wunsch, den ich da vor Dekaden
Nach Steinen verspürte im ähnlichen, faden
Daseinsgequäle in kosmischer Ödnis

Obwohl es auch sicherlich epochal blöd is'
Gleich das anzuzweifeln, was hier je von Gewicht war
In der endlosen Weite aus dem, was ich nicht sah

Olympiaturm & das zweihundertvierundfünfzigste Gedicht

Olympiaturm München

Immer noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

Der Parasit

Der Schatten der Bäume flüstert leise:
"Leg dich, Dichter, hin zu mir!
Ich bin alt, erhaben, weise ...
Will in ein Gedicht von dir!"

"Nun," sprach ich, "das lässt sich machen
Sollst mein Werkeln heut bedachen!"

Doch dann bin ich eingeschlafen
In des Zwielichts kühlen Hafen
Und trotz treu bescherter Träume
Schrieb ich nie was über Bäume

Hab mich oft dort rumgetrieben
Wegen der Behaglichkeit
Doch sie selbst blieb unbeschrieben

Das tut mir unsagbar leid

Olympiaberg & das zweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

Olympiaberg

Noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

Die Ärsche der Anderen / Generation Y

Nach dem Abi-Ball in die Charakter-Arthrose
Man postet gemeinsam ein "Ich - ich - ich!"
Empfängt jedes Like wie 'ne Baccararose
Und taggt seine Schwüre mit #weißichnochnich
Man wittert die lauernden Niederlagen
Und fordert vom Leben, mal fairer zu sein
Die Überauswahl lässt sich kaum noch ertragen
Drum richtet man sich im Ironischen ein
Und kommt überein, es sei wichtig im Leben
Sich selber mal - Yolo! - 'nen Arschtritt zu geben

Lasst den Fokus der Welt von dem hehren Ich wandern!
Entdeckt mal als Ziele: die Ärsche der Andern!

Lindenblüte & das zweihundertzweiundfünfzigste Gedicht

Lindenblüten

Noch zwei Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

Die Linden im Juli

Mit süßer Schwere benebeln die Nacht
Die sich spät in den Blütenduft mischenden Linden
Deren Fertilität mit der üppigsten Macht
Dampft vor honigem Willen ins Frühlingsentschwinden
Schon scheint sich ihr Ruch mit der Nacht zu vereinen
Als Bündnis für die Ewigkeit
Solch stolzer Duft muss doch was Bleibendes meinen
Und sich isolieren vom Feldzug der Zeit ...?

Als Wunsch besteht dies, keine Frage
Im Lindenduft der Juli-Tage
Doch spürst du in ihm auch das bittere Wissen:
Du wirst ihn alsbald schon sehr lange vermissen

Olympiapark & das zweihunderteinundfünfzigste Gedicht

Olympiapark Munich Mash

Immer noch drei Tage Freizeit in München.

Trendsportler Wort

Von Außen wird alles wie Freizeit ausseh'n
Wenn wir vom Gedicht zum Kalkül übergeh'n
Auch wenn wir uns längst schon am Magnum-Cup kühlen
Soll es sich für andre wie Zufall anfühlen

Man muss uns als gleichgesinnt interpretieren
"Ja, wir geh'n - wie ihr - hier nur gerne spazieren ...!"

Frauenkirche & das zweihundertachtundvierzigste Gedicht

Frauenkirche München

... und das fünfte Gedicht aus der Reihe der Münchner Unzuchtverse.

Liebfrauenkirche - Dicht- vs. Deckkunst

Ich trat mitsamt dem Sauentierch'
An den Altar der Frauenkirch'
Und sprach: Oh, Herr!-lich ist das Poppen!
Nicht mal von den sauigsten Versen zu toppen ...

Zweite Halbzeit & das zweihundertsiebenundvierzigste Gedicht

Isar

Zum Start in die zweite Jahreshälfte ein Gedicht über München, wo ich zurzeit meine längste Auszeit vom Touren nehme, die sich in diesem Jahr ergibt. Zehn Tage. Erst Donnerstag geht's los nach Görlitz ... Übers Wochenende werden dann auch noch die Gedicht 248-250 hier veröffentlicht. Aber erst mal wirken lassen!

Die Münchner

Die beim Protzen etwas ungalanten
Braungebrannten Zwangsentspannten
Auf "Passt scho!"-Modus eingeeicht
Und gläubig, dass es immer reicht

Sonnenbrillen-Chill-affin
"Joa, is denn scho Italieien?"
Pomadige Hallodri-Posen
Und Habewas in Überdosen
Gekleidet nach dem eignen Schrei'n
Heißt's bloß vermeiden, fad zu sein
Sie parken auf Pump in der Sorglosigkeit

Und um sie herum eine Welt voller Neid

Marienklausensteg & das zweihundertsechsundvierzigste Gedicht

Marienklausensteg

Isar-Spaziergänge. Und ein Gedichte-Marathon. Zehn Gedichte in zwei Tagen - mit der 250 zur Halbjahreswende vor Augen. Rest folgt in Kürze.

Der Blick von Außen

Der Spiegel irrt sich - das kann ich nicht sein!
Ich fordere nun Materialproben ein
Mit der Bitte zu prüfen, wieso dieser Mann
Die Darstellungskraft meiner Spiegel gewann
Er breitet sich aus - infiziert alle Schichten
Die, ihn widerspiegelnd, mein Abbild vernichten
Es steht zu befürchten, ich gleich' mich ihm an
Sobald ich den Anblick gewohnt bin und dann
Ist er der Herr im Hause hier
Und gilt als Original von mir

Wie lang kann dann noch die Gewissheit besteh'n
Das Bestreben, mich selbst doch ganz anders zu seh'n?

Ich besprüh' jetzt die spiegelnden Flächen im Haus:
"Die Wirklichkeit sieht anders aus!"

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