Berlin

Gedichte und Fotos aus der Hauptstadt. Meine Heimstatt von 2002-2014 und schon von daher immer noch mindestens einmal im Monat im Tourkalender.

A&P-Plätze & das sechshundertvierundneunzigste Gedicht

Berlin Alexanderplatz

Pariser Platz

Jetzt bist du fast.
Wie Früher. Und jeden Tag
7.000 Megabyte schwerer.

Hier nimmst du ein Bad im Dat
enmeer der Speicherkart
en. Und tauchst wieder auf
in Japanitalien, Spaniengland, Bergischglatt, Bach.

Sowie Paris, natürlich.

Im Reichstag & das sechshundertzweiundneunzigste Gedicht

Berliner Reichstag

Dem dolcen Feudel

Per Schlange fädelt man sie ein
Metalldurchdoktort komm'n'se rein
Von Luftboys werd'n'se aufgezogen
Verwendelt und im Schritt gebogen
Kreisenhaft aufs alte Haus
Kaum sind'se drin, schon schau'n'se raus

Vom Reichstag verkuppelt
Janz eene Wolke

Trau'n zu, dass der Bau hält:
Dem deutschen Volke

Der Berliner Neptunbrunnen & das sechshunderteinundneunzigste Gedicht

Der Berliner Neptunbrunnen

Nichtstun und Neptun

Um mich vom Nichtstun auszuruhn
flaniert' ich heut zu Neptuns Brun'n

Kandiert von Kalk und Grünspans Zier
hockt ungeduscht im Muscheltier:
Neptun. Und wartet aufs Waten im Zufluss
(man weiß nich', wassersonsso als Wassermann tun muss ...)
spricht ein Machtwort an die Kinder, die sich um ihn gruppieren
"Nich' Schuppen hier – die überlasst ihr den Tieren!"

Vom Erdgeschoss her reckt sich ringsum Reptil:
Schildkröt', Schlang' und Krokodil
Fehlt zoologisch noch 'ne Echse
Dann guck'se nach und wat entdeck'se?

'n Seehund. Hinterm Neptun und
denks': Was'n da der Hintergrund?
und andrerseits: Is' doch mal schön –
so ohne Grund 'n Seehund seh'n!

Einmal um Neptuns Brunnen rennen
kann man nu' auch nich' Nichtstun nennen
Ich wünsch' (mein Tagwerk ist erbracht)
'ne schlecht gereimte Gute Nacht!

Unterm Fernsehturm & das sechshundertneunzigste Gedicht

Unterm Berliner Fernsehturm

Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes "Liebesgedicht" (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).

Never trust a Lovepoem

Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
Das verstimmte schon früh manch Instrument
Weil man sich für das Aneinandergewöhn'n, Kind
Schon vom Start weg zu gut kennt
Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt

BVG & das sechshunderteinundachtzigste Gedicht

BVG U-Bahnhalt

Berlin an guten Tagen

Berlin an guten Tagen ist
Wie wenn man warmen Honig frisst
Und Musen schmusend danach gieren
Dich, Dichterwicht, zu inspirieren
Für immerdar
Ambrosia
Und Fräuleins
Die an ungestörten
Orten sportlich unerhörten
Wohlgefallen auf dich schwallen
Selbst die U-Bahn empfängt dich mit offenen Armen
Alles spielt hier kokett nach des Zufalls Erbarmen
Ständig geküsst von Laternenschein-Milde
Schnurrt die Nacht um den Tag
Und die Nacht ist 'ne Wilde

Doch von dir werd ich immer gezwungen zu sagen
Wie Berlin ist an wen'jer gelungenen Tagen

Nun,
Nicht so gelungen. Aber das dann mal richtig!
Nur drei Tage später ist's auch nicht mehr wichtig

Karl-Marx-Allee & das sechshundertachtzigste Gedicht

Karl-Marx-Allee

Ich bau' dir ein Schloss

... ans Ende der Karl-Marx-Allee!
Wär' das nicht der aller Entrées ihr Entrée?
Ein jeder käm' uns noch von sonstwo entgegen
Um nur einmal sich dortlängs hinfortzubewegen
Alles pro Promenieren und Boulevardieren
Per flachem Flanieren dem Trott trottoiren

Und halt manchmal auch einfach nur gradwegs spazieren

Mit Upgrade-Gezwirntem mittenmang
Wer sich geh'n lässt, ergibt sich dem Droschkenzwang
Hei, da grüßt schon recht stramm die Strausberger Garde
Man hält sich an Restkandelabern gerade
Und im bersteinrostgoldenen Lichtergewühle
Beschleichen uns schlendernd noch Torschluss-Gefühle

Da fühlt sich der Streuner wie ein Burgherr in spe
Auch wenn hier kein Schloss steht – Kerl, wat'n Entrée!

Charlottenburg & das sechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

Straße in Charlottenburg

Wandrers Nachtlied. Der Spreepark-Remix

Über allen Schienen
Ist Ruh,
Und in bemoosten Fahrkabinen
Ahnest du
Schlummern Fahrtwindturbulenzen.
Alle Statik
Starrt und knarrt
Dir und uns den Riesenrat:
Jeder stößt an seine Grenzen.

Vor dem Tore: Kassenhäuschen.
Die warten schon lange
Auf Wärter und Schlange
Und wundern sich: Kerl, wat'n krasset Päuschen!

Hier liegt
Des Vergnügens Mumie
Zu Ruinen aufgebahrt;
Die Dinos verrotten im Walde.

Warte nur, balde
endet auch für dich die Fahrt.

Tiergarten & das sechshundertzweiundfünfzigste Gedicht

Tiergarten Skulptur

Berliner alleen uf Berliner Alleen

Sie so alleene, hier uf der Allee, ne?
Mir kam die Idee, äh ...
Ick meene, wir beede - ditt tät doch ma passen!

Kann sein, vielleicht - trotzdem: Ditt sollten wa lassen!

Tja, dann, äh, sachma: Wiederseh'n
(ick kannz ja irjendwie vasteh'n)

Wilmersdorf & das sechshunderteinundfünfzigste Gedicht

Wahlkampf Willmersdorf

Die Faibles von Berlin

Westbalin is J.F.K., schnodderige Hetze
Ostberlin – si asser way – chillt sich schick im Jetze
Mitte ruft: Mir sind doch eens!
Mit verschämten Schwäbeln

So ham alle drei Berlins
Jedes seene Faiblen

Gebissewissen & das fünfhunderteinundfünfzigste Gedicht

Schloss Charlottenburg

Wer kann, der kann (Gebissewissen 1)

Es ist das Gebiss von dir, Säbelzahntiger
Gewiss ein vortrefflicher Baby-Verbieger!

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