Prommis

Gedichte, in denen ein berühmter oder berüchtigter Mensch die Hauptrolle einnimmt oder zumindest untenrum rumdümpelt.

Venezia & das eintausendfünfhundertvierzigste Gedicht

Regenbogen und Sonnenuntergang über Venedig

Trump

Deine Breitbeinigkeit umrahmt eine Leere,
Die sich nur über Stillstand bewährt,
Umbaumelt vom Popanz gemächtiger Schwere,
Wo wilde Verlässlichkeit gärt.
Verjährt ist der Hoffnungsstoß für die Verprellten -
Doch die Lautstärke bleibt unvergessen!

So wird auch der Ton für die kommenden Welten
An Breitbeinigkeiten gemessen.

Bergrücken & das eintausendfünfhunderteinunddreißigste Gedicht

Wendelstein mit Wendelsteinkircherl

Die Schulter-Nacken-Partie der Marilyn M.

Die Schulter-Nacken-Partie von Marilyn Monroe
Ist wie frühmorgendlich unbetretener Schnee ...
Welch Huldigung wagt sich an solch Perfektionsshow,
Da allüberall singt der Sinne Juchhe!?

Darf dein dürftiges Dasein solch Glorie erwarten,
Die von Kameras für deinen Bildschirm geraubt?
Wird dank jener Ansicht vom unbegrenzt Zarten
Nicht erst an die Mächte der Götter geglaubt?

Diese Rückenpartie der verzückten Beglückung
Ist ein fast überfordernder Buttercremeschmelz!
Drum braucht ihr Genuss eine Schling-Unterdrückung,
Ein erdendes Mal des Nicht-von-dieser-Welts!

Sonst wär' ich, meinem Blicke gleich,
In Haut schon längst versunken
Und all der süßen Pracht zu reich
In Liebreizflut ertrunken.

Sommerwind & das eintausendvierhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

Im Englischen Garten, Nordteil

Zwischen den Spaghettigängen (Heya, Enrico!)

Zwischen den Spaghettigängen
Spielst du mir das Lied vom Tod
Mit wiederkehr'nden Binnenlängen
Im Endlosschliff als Zugangscode
Zu fast mantrösem Spannungsdrill -
Unfassbar laut und greifbar still.
Als Blasebalg in Atemnot
Zu mundharmonischbangen Klängen
Wattiert mich das Dessertverbot
Zwischen den Spaghettigängen.

Auf weiter Flur & das eintausendvierhundertsechsunddreißigste Gedicht

Bei den Schlössern Schleißheim

Zeit sich locker zu machen und damit auch für ein Lied - auf die Melodie von "Schneeflöckchen, Weißröckchen" zu singen.

Wir müssen mit einem Anstieg der Infektionszahlen auf nicht mehr erträgliches Maß rechnen!

Ach, Drosten,
Dir Pfosten
Bangt nun um die Angst,
Der du doch den Hype deines Podcasts verdankst!

Löwenspinne & das eintausenddreihundertneunundneunzigste Gedicht

Skulptur Pusteblume im Riemer Park

In der Pflicht: Writing Poems like Tonya Harding

Du musst hier noch so viele Kniescheiben brechen,
Noch so viele bleibende Schmähungen rächen,
Du musst dir noch so oft das Arschloch aufreißen,
In all deren satte Bequemlichkeit scheißen,
Du musst ohne Gunst an der Inbrunst dich wärmen
Und flehentlich grell von dem Wirklichsein schwärmen.

Du kannst hier nicht mehr auf mehr Wohlwollen warten,
Musst stur Dinge tun, die nur dir gut geraten,
Du darfst ihre Ablehnung fortan genießen,
Du musst hier mit niemanden Frieden noch schließen,
Bleib einfach alleine - das steht dir so gut!
Bewahr dir nur eine Begleiterin: Wut.

Schwangere Auster & das eintausendzweihundertneunundneunzigste Gedicht

Haus der Kulturen der Welt Berlin

Sigmund Jähn

Warum ein Gedicht auf Sigmund Jähn?

Weil Dinge lässig fortbesteh'n,
Egal, was die Zeiten verändern.

Weil Erster zu sein zu seiner Zeit
Sich misst bis in die Ewigkeit.

(Ja, den Satz darf man gern auch begendern.)

Rochuskapelle & das eintausendzweihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Rochuskapelle bei Bingen

Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)

Nur wegen Goethe flöte ich,
Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
Auf dem allerletzten Loch -
Und doch die Roch-
Uskapelle hat der Mühen gelohnt
(ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!

Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
Find's weder verwegen, noch richtig ruinig),
Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.

Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
Hocke müd mich hin im Schauen
Auf die Rüdesheimer Auen.
Und in des Rheins und Weines Weiten ...
Da stapeln sich Erhabenheiten.

In solcher Natur wähne ich meinen Segen.

Und bleib' auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.

Weimarer Klassik & das eintausendzweihundertunddritte Gedicht

Weimarer Klassik - Goethe und Schiller Denkmal

In Goethes Wohnhaus

Ich hab heut im Goetheschen Wohnhaus geschnüffelt,
Mich selbst ob der Gier meines Blickes gerüffelt,
Ob hier sich mir ein Trick verrät,
Erlöst von meiner Zwangsdiät,
Bringt mich in alten Schreibefluss,
Zeigt, wie ich Zeilen setzen muss ...
Das fänd ich doch mal derbe cool!
Denk ich vor Goethes Sterbestuhl.

Von dem tönte einst hier das tradierte "Mehr Licht!"
Als trefflicher Anfang von einem Gedicht.

Doch der einzige Tipp, der sich mir hier verrät,
Ist: Zeile stets zeitig - schnell ist es zu spät!

Wartburg & das eintausendeinhundertachtundneunzigste Gedicht

Die Wartburg in Eisenach

Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein ...

Abschiedsgedicht für Felix Lobrecht

Lob bekommen, Recht behalten,
Gucci-Kollektion verwalten -
Was Lateinisch felix heißt,
Ahnt jetzt auch wer, dem sich sonst gar nix enthüllt.
Egal, wie low der Brecht nun scheißt:
Bildungsauftrag ist erfüllt!

Wartburgtauben & das eintausendeinhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Taubenschlag auf der Wartburg in Eisenach

Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein ...

Abschiedsgedicht für Till Reiners

Till ist im Grunde kein richtiger Name -
Nur 'ne Silbe, die lieblos in Pässe geschissen.
Doch wenn im halb gefillten Darme
Dich drillt einer MILFs Fist,
Du stillschweigend Dill frisst,
'ne Pill' keine Hilf' ist,
Ein Will' Einweg-Mill ist -
Was gäb' man nicht her für ein Reiners Gewissen!?

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