Kunst & Inbrunst

Gedichte zur Kunst und der künstlerischen Inbrunst nebst dem entsprechenden Leiden.

St. Maternus & das eintausendachthundertzwölfte Gedicht

Die Dorfkirche St. Maternus in Mönchgrün

Den künftigen Jüngern

Bitte beiliegende Heiligkeit uneilig zu beachten!

Das Leiden eines Heilands mag man beiläufig betrachten -
Doch Beiwerk bleibt bei kleiner Zeit
Im Eisprung seiner Möglichkeit!

Tretbootspur & das eintausendachthunderterste Gedicht

Im Tretboot bei Übersee am Chiemsee

Auf der Standspur

Immer in Endspurten
Sind die Spurtenden immerhin -
Für mich Spartenstarter machen
Anfangslangsamkeiten Sinn.

Im Tretboot & das eintausendsiebenhundertachtundneunzigste Gedicht

Mit dem Tretboot von Übersee zur Fraueninsel (hin & zurück, mit drei Schwimmstopps 2,5 h)

Zufallsfund

Und wieder lag da
Etwas Sprache
Des Morgens neben dem Bett.

Entnabelte Vokabeln
Schabt ich ab
Und ließ adrett

Sie ein wie Magma
In die Brache
Immer noch stilfreier Form.

Solch Fundglück aufzugabeln
Turnt mich an:
Ein Kabinett-

Stück (so fängt all das an!),
Im Entstehen schon stieß ich es ab -

Was der Zufall mir gab,
Zog ich kurz an mich ran.

Doch ich freute mich enorm.

Durchhänger & das eintausendsiebenhundertvierundneunzigste Gedicht

Fachwerkfassade in der Eschweger Altstadt

Mutwillig

Meinen Mutwillen sollte ich Wutwillen nennen:
Ein bissiger Hund, der auf niemanden hört
Und sich weigert, Verwundbarkeit anzuerkennen -
Der nebenher, selbstherrlich, einfach zerstört.
Er labt im Furor sich am eigenen Schaden,
Hüllt sich in als Ungeduld tarnende Decken.

Will ich mich nicht weiters im Selbstmitleid baden,
Muss ich mich vorm Hund meines Wutmuts verstecken.

Fontänenbecken & das eintausendsiebenhundertdreiundsiebzigste Gedicht

Fontäne im Hofgarten von Schloss Schleißheim

Freischwimmer

Hier war'n Ufer, die werden wir nie mehr erreichen
Und die unkenden Rufer seh'n das als ein Zeichen,
Dass das Schwimmen an sich sich nicht lohnt.

Und sie interpretier'n unser faststolzes Winken
Als das panische Zappeln vorm ersten Ertrinken.

Doch das Meer hat uns lange verschont.

Schleißheimfontän & das eintausendsiebenhundertfünfundsechzigste Gedicht

Fontäne im Hofgarten von Schloss Schleisheim

Windstärken

Würde ist ein Rückgratwort.
Bei dir geht‘s wohl mehr um den Bauch.
Ist Rülpsen auch dein Lieblingssport -
Büßt so vieles als spürloser Hauch!

Aussichtsschemen & das eintausendsiebenhunderteinundsechzigste Gedicht

Ausblick von Neuhütte / Seeberg ins Ursprungstal gen österreichische Alpen

Der Hühnergott

Etwas so Wagloses Leben zu nennen,
Mag Euch zwar bedenkenswert sein -
Nur um so maßloser werd ich bekennen:
Solch Radius wär mir zu klein!

Ich muss dieses Restdasein etwas erleben
Und schließ keine weitren Verträge,
Gieß Lautstärke ein, eh wir Gläser erheben -
Ihr kontert mit Nervengesäge!

Und so etwas Wagloses Leben zu nennen,
Mögt ihr für erwägenswert halten -
Ich stampf ein Kawumms zwischen gackernde Hennen:
Für die Alten bleibt alles beim Alten!

Entfaltung & das eintausendsiebenhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Obstblüte in Moosach

Charisma

Rückt Charisma ers'ma auf Sendefrequenz,
Ist's um Augenwisch zünftig gescheh'n -
Die Metaphysik zaubert Megapräsenz
Und die Wirkmacht drängt Sehnen ins Seh'n!

Der schiere Moment schillert zeitenentrückt -
Von der Strahlkraft und Aura betört.
So lang die Magie der Verführung beglückt,
Wird des Zeitgeists Blabla überhört.

Wo sacht als Verdacht sich ein Geist offenbart,
Sprudelt süßsuggestiv ein Kanal,
Der dir all die Verwirrung des Irrens erspart -
Jeder Lebenswert ist Ritual.

Isarflößer & das eintausendsiebenhundertzwölfte Gedicht

Mittenwald Flößerstatue

Wider Ornamente

Zu Ich!-ig, zu masse-lig
Sicherlich muss man sich
Nicht entscheiden
Für eines von beiden.

Doch öfter als gelegentlich
Kann ich beides gleich nicht-leiden.

Bald erscheint es mir, ich hasse
Jedes Ornament der Masse,
Drauf bespicke ich mit Tadeln
Sich im Chic des Selbsts zu adeln.

Doch von beiden sich zu trennen,
Kann ich als ein Ziel erkennen.

Schlossteich Hohenburg & das eintausendsiebenhundertste Gedicht

Schilf am Schlossteich Hohenburg bei Lenggries

Die Ruhe im Frieden

Antonius Block spielt Schach mit dem Tod
Und entschließt sich dazu zu verlieren.

Auch du warte nicht auf das höchste Gebot
Und geh ungekürt,
Weil sich's nicht gebührt,
Nach machbaren Siegen zu gieren.

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