Kleidung

Gedichte, in denen Kleidungsstücke die Protagonisten sind.

Kettwiger & das eintausendeinhundertzweiundzwanzigste Gedicht

Blick auf den Einstieg zur Fußgängerzone Kettwiger Straße

Ripostegedicht zu der "Lederhosen-Saga" von Börries von Münchhausen.

Lederhosen-Saga 2.0

Vaters Hose harrt noch immer
Blutgehärtet am Kamin,
Und der Wunsch dröhnt durch das Zimmer,
Sie mal wieder anzuzieh'n!
Als ein Spross vom Stamm der Reiter
Führt man die Geschichte weiter!
Die Schlächter kommen, die Schlächter vergehen -
Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen!

Das erste Blut ist, frisch geschossen,
Aus jenem armen Hirsch geflossen.
Mit Waidmannsheil in grüner Tracht -
Wie man das unter Jägern macht.
Schon effektiver stahl man Leben
Beim Treffen in den Schützengräben,
Wo man in grauen Uniformen
Und Abschlachtlaune mit enormen
Schmiss die Hose hieß zu gerben,
Um patiniert sie zu vererben.
Von Schweiß und Schlamm wie Matsch verdreckt,
Von Blut und großer Schuld befleckt.
Die Zügel konnt' man uns entzieh'n -
Doch nicht die Hose am Kamin.

Und nur ein Gen'ratiönchen später
Ward man Wiederholungstäter.
Braunbehost kläfft man // Von Rassenverpflichtung,
Fühlt sich gotterkoren // Zur Massenvernichtung.
Das heilige Beinkleid, // Vom Blut reich gesotten -
Mög'n auch die Gebeine // Im Schlachtfeld verrotten!
Es steht im Ahnenbuch der Väter:
Uns bleibt die Aussicht auf ein Später!
Denn Schlächter kommen und Schlächter vergehen -
Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen!

Schon bringt sich neues Volk in Pose
In altbewährter Reiterhose.
Und wie Münchhausen auch erwägt,
Die Farbe nun ins Blaue schlägt:
Man ist das Leben als Passant satt,
Will zeigen, wer die Hosen anhat!
Denn wir gehör'n zum Stamm der Reiter
Und führen die Geschichte weiter!
Der Wald wägt ab: Was ist den Blauen
An Blutverwandtschaft zuzutrauen?

Mag sein, man wechselt die Methoden
Die Farbnuance bei Hosenmoden:
Doch ewig glänzt des Leders Speck -
Den kriegt auch keiner davon weg!
Die Schlächter kommen, die Schlächter vergehen -
Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen!

Und diese Geschichte fing früh schon schlecht an, denn
Dem Hirsch - hat die Hose am besten gestanden.

Colombo & das eintausendsiebenundsiebzigste Gedicht

Der Geschenkwunsch (ein marginalweihnachtliches Gedicht)

„Mit Strullpullover“,
Schwärmte Willma,
„Wär mir wärmer an der Vulva -
Coloriert wie Vollmichpulver!“

Wohlwahr!

Wir woll‘n ma’ Willmas Vulva
Mit Mullverbänden
Cool verzieren!
Bei
Voluminösen
Mösen
Muss man
Manchmal involvieren!

Axishirsch & das eintausendvierundsiebzigste Gedicht

Axis im Yalla Nationalpark

Der Hirsch als Kulturfolger

Ein Axis
In Uggs is'
Ein seltener Anblick!
Hier
Längst mit den Haxen
Der It-Girls verwachsen -
Sind Uggs für den Axis-
Hirsch
Irgendwann auch chic!

Isarschnellen & das eintausendvierzehnte Gedicht

Isarschnellen bei Unterföhring

Im Unterschied

An meinem ersten
Geburtstag in sauberer
Unterwäsche fraß ich die
Sparkasse auf. "DIE
Sparkasse oder EINE
Sparkasse?", fragte ein in
Reinster Angriffslust badendes Gegenüber. Das
mache einen Unterscheid! - zur Erklärung ergänzend.

"Für mich nicht!", überwand
Ich meine oft wehrlose Antworterei. Zusätzlich mit:
"Saubere Unterwäsche - DAS macht einen Unterschied!"

Neubaugebiet & das eintausenddreizehnte Gedicht

Neubaugebiet am Olympiapark

Der Müllsammler

Dieser Schuh wäre noch zu gebrauchen in anders geordneter Welt
Es schmettert der Sinnöden Fauchen, wenn's feintaktig Ambosse prellt
Die Äcker für schlechtes Gewissen sind unakrobatisch bestellt
In die Böschungen wird nicht gebissen, nur gesinnungsharmonisch gebellt
Hier könnt' sich ein Mögliches spannen über Sterne, Himmel und Zelt
Doch ohne Tat zieht es von dannen - ich bin's, der sich zu ihm gesellt!

Ich hege mein Abseits wie andre ihr Geld
So kann ich in Reichtümern tauchen
Als wäre in anders geordneter Welt
Ein solcher Schuh noch zu gebrauchen

London revisited & das neunhundertvierundneunzigste Gedicht

In der Tate Modern

Todschick

An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
Mit "Kann ich Ihnen behilflich sein?"
In der Fremde oft schnell in Erklärungsnot
Gelang mir zur Antwort ein griffiges "Nein,
Ich schaue mich vorerst hier nur etwas um."
(Und brauch dazu kein Publikum!)

"Aber gerne!", entgegnete denkbar devot
Und von Dienstleistungseifer beseelt
Der fortan nicht mehr von mir weichende Tod
"Sie melden sich, wenn Ihnen irgendwas fehlt?
Wir hab'n jede Krankheit von Krebs bis Katarrh
Auch noch in andren Größen da!

Und ich weiß ja, man zögert es gerne heraus
Auch Ernsthaftes mal zu ertragen
Doch schlussendlich ist's ja für viele im Haus
Die letzte Chance etwas zu wagen!
Das Leben ist kurz - heißt das elfte Gebot!"
Bekräftigte nochmals wie freundlich der Tod

Und obschon ich ihn anfangs mit Argwohn beäugt
Fühlt' ich mich auch etwas geborgen
Er hat schon Millionen von sich überzeugt
Und erlöst von der Last aller Sorgen

Also ging ich zur Probe
In seine Garderobe
Nahm mir das nächste Stück und fand
Dass dieses mir schon prächtig stand
Wie jedes Stück der Kollektion -
Das ist vielleicht des Alters Lohn

An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
Und machte mir ein Angebot
Mir war bis dato gar nicht klar
Wie nahe ich ihm da schon war

Juli-Eis & das neunhundertdreiundsiebzigste Gedicht

Juli Eisreste in Südtirol

Outdoorwear oder Der mit dem Wolf skint (Sterben in den Bergen II)

Hans, du Wolfshaut!
Dir vertrauten:
All die noch nicht Aufgetauten.

Passform & das neunhundertzweite Gedicht

Neu? Steht dir!

Die Deckenbeleuchtung der Shoppingauslagen
Wrang possierlich ein Lächeln aus deinem Gesicht

Wie lang schikanierte dich Outfit-Verzagen?
Nun erlöst dich die Zärtlichkeit textiler Schicht

Und rundum erneuert begrüßt dich dein Leben
Mit Engelsfanfarentriumphmärschebeben

Die Passform schmiegt siegreich sich um deine Lenden

Oh, alles - ja, alles - wird sich nun wenden!

Vercelli & das achthundertzweiundvierzigste Gedicht

Basilika Sant Andrea Vercelli

Sindone di Torino

Dass ich nach dem Grabtuch
Einen ganzen Tach grub
War auf seine Art 'ne Tat
Durch die ich Turin vorm Ruin hab bewahrt

Tempodrom & das siebenhundertachtundachtzigste Gedicht

Tempodrom

Der Eleve

Ich schob den Rock ihr sanft nach oben ...
Doch die Textilie blieb nicht droben
Ich zog an ihrem Slip dadrunter ...
Der fiel an ihren Beinen runter
Ich schob den Rock noch mal nach oben
Denn was misslingt, das muss man proben

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