Grusel

Mysteriöses, Düsteres und Unheimliches. Gruselgedichte!

Dresden Neustadt & das zweihundertvierundachtzigste Gedicht

Bahnhof Dresden-Neustadt

Stippvisite zum Geburtstagsslam in Dresden. Leder ging die Sightseeing-Zeit diesmal für Leipzig drauf, deshalb muss der Neustädter Bahnhof als einziges Motiv herhalten

Odysseus

Bindet mich an den Mast der Stadt!
Ich mag den Sirenen lauschen ...
Will seh'n, welche Farbe mein Sargboden hat
Mich an südlichen Rogen und Drogen berauschen!

Sichert mich sorgsam vorm Sog der Gefahr!
Und sei's mit der Schlinge vom Strang ...
Denn, wer in das Auge der Inbrunst nie sah
Der lebt seit Geburt schon zu lang!

Lauenbrück & das zweihundertfünfundsiebzigste Gedicht

Landpark Lauenbrück

Gäste im Abseits beim Poetry Slam im Landpark Lauenbrück.

Unter Tieren

Die Tiere sind immer in ihren Verstecken
Was sich unbedacht zeigt, wird schnell niedergestreckt
Der Wald wird Gewehrlauf und Fangzähne blecken
Wo ein Schnäuzchen zu weit sich in Lichtungen reckt

Die Tiere sind immer in ihren Verstecken
Sie sind nicht zu sehen und doch sind sie da
In blickdichten Dickichten nicht zu entdecken
Ihr'n Fluchtinstinkt zügelnd bei nah'nder Gefahr

Doch Angstschweiß verrät die Gedanken der Tiere
Ein spähender Blick streift die Fährte zum Bau
Die knurrenden Mägen markieren Reviere
Und Anwesenheit spürt ein Jäger genau

Dann schnellt eine Kralle ins Herz einer Höhle
Gellt ein Schuss, kläfft die siegreiche Jägersmann-Töle
Werden Kobel und Nester von Glut überfallen
Und Blutrunst durchstöbert die heim'ligen Hallen ...

Doch die Tiere sind immer in ihren Verstecken
Es werden Verluste und Wunden beleckt
Kurz ohne ein Heim und ermattet vom Schrecken
Besteht eine Welt, die ist bestens versteckt

Maxvorstadt & das zweihundertsiebenundsechzigste Gedicht

Maxvorstadt

Da schwingt wohl eine kleine Fremdsprachensehnsucht mit ... kaum, dass man fünf Tage nur in Deutschland war.

Karwenzig blasst de Avenhumm

Karwenzig blasst de Avenhumm uwer Pickwikkastell
Da einsamst klamm ehn Petersmann im Blottschreif durg de Astel
Sei Wündspalts purgelt furchtersicht, un krähwärts zirrt sei Nassen
Da hebbet sig de Mann un richt: "No kommet Darsteen Kassen!
No kommet he, no kommet he!" - un all da Spritzback bämmst in'n sne'
De Zarm kühn'ns nimmer fassen ...

Verländert geift an letzt Gerück'
Herdorch de Heen von Peters
Da spanend außig alsen Drück
Hinnach flächt dess Gezeters

Larendebt locht de Avenhumm un ab de Lurgen Beime
Von stillerst ward, niet angepelcht - vorkorst de lichten Eime
Un wenzig blasst de Avenhumm uwer Pickwikkastell
Klamm einerter de Petersmann. Im Blottschreif foh'sen Astel!

Marienklausensteg & das zweihundertsechsundvierzigste Gedicht

Marienklausensteg

Isar-Spaziergänge. Und ein Gedichte-Marathon. Zehn Gedichte in zwei Tagen - mit der 250 zur Halbjahreswende vor Augen. Rest folgt in Kürze.

Der Blick von Außen

Der Spiegel irrt sich - das kann ich nicht sein!
Ich fordere nun Materialproben ein
Mit der Bitte zu prüfen, wieso dieser Mann
Die Darstellungskraft meiner Spiegel gewann
Er breitet sich aus - infiziert alle Schichten
Die, ihn widerspiegelnd, mein Abbild vernichten
Es steht zu befürchten, ich gleich' mich ihm an
Sobald ich den Anblick gewohnt bin und dann
Ist er der Herr im Hause hier
Und gilt als Original von mir

Wie lang kann dann noch die Gewissheit besteh'n
Das Bestreben, mich selbst doch ganz anders zu seh'n?

Ich besprüh' jetzt die spiegelnden Flächen im Haus:
"Die Wirklichkeit sieht anders aus!"

Iffeldorf & das zweihundertdreiundvierzigste Gedicht

 Iffeldorf

Zehn Tage am Stück daheim in München. Das gibt es dieses Jahr exakt einmal. Fast zu schön, um wahr zu sein ... Daher an dieser Stelle ein idyllebrechendes Garstiggedicht. Vor der Kulisse Iffeldorfs (bei München, keine Angst!).

Die Reinigung der Schuhe

Ja, die Reinigung der Schuhe
Nach dem Zertreten einer Katze
Sie erfordert Zeit und Ruhe
Mit dem Rosenzweiglein kratze
Ich allen Grind aus dem Stiefelprofil
Und füttere damit mein Zwergkrokodil
Lasse, wenn ich Gassi geh'
All das Blut im Frühlingsklee
Schaut, schon sind sie blitzeblank!
Und ich lob' mich: Spitze, Frank!

Vorsicht & das zweihundertzweiundvierzigste Gedicht

Lindwurm von Klagenfurt

Der Lindwurm von Klagenfurt.

Warnung vor dem lyrischen Hunde

Traut euch hinein in dieses Gedicht!
Könnt ihr euch benehmen, erschlägt es euch nicht
Sonst setzt es Haue wie einstmals bei Etzel
Ein beschauliches Gemetzel
Wie "Das woll'n wir doch mal seh'n!"?
Mancher wird's wohl nie versteh'n:
Wer würd' in ein lyrisches Ich investieren
Könnt' dies nicht das lyrische Euch massakrieren?

Innsbruck II & das zweihundertsiebenunddreißigste Gedicht

Inn bei Innsbruck

Der Inn. Eine Brücke. Und die Berge von allen Seiten.

Die Berge

Sie luken hier in jede Häuserschlucht rein
Wie abgesetzte Herrscher das tun
Sie halten gebotene Abstände ein
Doch werden sie schon aus Gewohnheit nie ruh'n

Schlosskasematten & das zweihundertvierundzwanzigste Gedicht

Way down to the Schlosskasematten Marburg

Treppen zu den Kasematten des Schlosses zu Marburg. Fledermausbrutstätte heißt es. Aber wer weiß?

Gruselgedicht

Das Schaben und Schmirgeln hinter den Türen
Die festens verriegelt nach Nirgendwo führen
Obschon doch dahinter, gut hörbar, was ist ...
Dann splittern die Latten. Was ist das? Oh, Mist!

Marionettentheater & das hundertundzehnte Gedicht

Marionetten aus dem Marionettentheater München

Aus dem Marionettentheater München. Sind wir nicht alle ein bisschen ...?

Der Gehängte

Auch tot hänge ich noch am seidenen Faden
Und daran hinab seil'n sich seibernde Maden
Drängen und zwängen sich in meinen Nacken
Um dem baumelnden Körper Gewicht zu entschlacken
Der sackig, fahl und eingefallen
Strebt Schwerkraft suchend mit den prallen
Leichensaft gefüllten Zehen
Weiters Richtung Niedergehen

So häng' ich nun vielleicht seit Wochen

Und hab noch nie so streng gerochen

'S ist gut verpackt, was ich einst hatte

In jene Schlinge der letzten Krawatte

Und raffte auch hin ich am ästhetischen Leide

Sie zumindest ist aus Seide

Osterspaziergang & das hundertundneunte Gedicht

Osterseen

Über Ostern Pause gemacht. Auch hier im Blog. Und dennoch an Euch gedacht:

Ostersuche

Tradiert durch Gottes Kind und Sohn
Drapier ich meinen Finderlohn
Mit aus Ritzen stibitzten Eier-Color
Das der Hase, der nächtens im Weiher erfror
Dort sorgsam für seine Würfe gehortet
'S ward von mir gierig mit Spürsinn geortet
Und auch der Kakaomassenhohlraumfigur
Kam ich schlussendlich auf die Spur
Steckt da, in des Leichnams Backentaschen
Noch lecker süßer Kram zum Naschen?
Ist das, was zuletzt seinen Magen gefüllt
Eventuell von Schokolade umhüllt?
Ich geb' keine Ruh, bis ich jedes entdecke
Der Schleckerei'n trächtigen Hasenverstecke!

Doch den Beutezug werd' zum Dekors ich drapieren
Und klug schaff' ich in meinem Nest
Ein Plätzchen, um drinnen den Sinn zu zentrieren
Von dem ich träume, treu und fest
Denn
Jede Suche macht nur Sinn, wenn
Wir in ihr was andres finden

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