Gesang & Musik

Gedichte, in denen musiziert oder gesungen wird.

Abschied & das eintausendzweihundertdreiundachtzigste Gedicht

Oktoberfest München 2019

Das große Ade

Das große Ade stimmt die Querflöte an
Und die Schwermut zwingt alle zu singen,
Dass Linie fortan nicht mehr Linie sein kann,
Bis auch uns / graue Wolken verschlingen.

Willkommen & das eintausendzweihundertzweiundachtzigste Gedicht

Oktoberfest München 2019

Das große Hallo

Das große Hallo spielt den öffnenden Tusch
Und die Vorfreude drängt uns zu tanzen.
Sie zischt in die letzten Verstecke: "Husch, husch!"
Und ich mag / mich in Skepsis verschanzen.

Ai Patrioti & das eintausendzweihundertelfte Gedicht

Modenas Monumento ai patrioti am Palazzo Ducale

Zweidritteldutzend

Der pumpende Basslauf von Guns of Brixton bei einem rüde gedreschten The Clash-Konzert
Flickt meine musealen Male, macht acht Momente lebenswert.

Luciano & das eintausendzweihundertzehnte Gedicht

Pavarotti-Denkmal in Modena

Das hätte ich jetzt so nicht erwartet ... (Imi Tiere & ten Öre)

Wenn Pavianrotten Pavarotti nachäffen,
Gelingt's denen schon
Manchen Ton
Auch zu treffen!

Warschauer Himmel & das eintausendeinhundertzweiundvierzigste Gedicht

Warschauer Straße S-Bahnhof

Dem Äther

Radi - Radi - Radio,
Ich drehe am Rad deiner Sendersuche
Und flüchte mich ins Irgendwo,
Getrieben vom seiernden Deutschpop-Eunuche.
Wissend:
In dem Gerausche der Ultrakurzwellen
Gibt's die momentelang richtigen Stellen,
Die wandernd der lot-rote Strich für mich findet
Und Gerättreue kurz an Bestätigung bindet.
Erinnernd:
Die matt hinterleuchteten Stadtnamenskalen
Im Musiktruh'n entströmenden Röhrengeruch,
Die 'nem Dreiersprung folgenden Megaherzzahlen
Am Radiorecorder nebst Bandsalatfluch.
Mixtape-alert auf der Suche nach Stil
Stieß ich tiefnächtens aufs Herz von John Peel,
Gab ihm die Lizenz, mir die Nächte zu stehlen
Mit krudem Kram aus noch verdecktem Gefallen -
Den würde mir Spotify niemals empfehlen!
In solch Algorithmen riecht alles nach allen.
Verklärend:
Auf Grundig und Blaupunkt brach ich dereinst auf
Zu landen an Stränden von neuen Instanzen.
Von Sony und Sharp nahm ich Flotten in Kauf,
Als Worte und Klänge mich lehrten zu tanzen.
Abwehrend:
Du maulst gekränkt, hier fehle die
Probierkraft der Community -
Der autarkische Schwarm sei der Held vom Gedichte!
Das ist vielleicht nicht grundverkehrt,
Mir bleibt's ein Reichtum ohne Wert -
Das wird später deine, nie meine Geschichte.

Elbphilharmonie & das eintausendeinhundertsiebenunddreißigste Gedicht

Detailansicht Elbphilharmonie

Die Nebenjobs der Elphi-Elfen

Hart fistende Harfenistinnen
Sind gewiss im Hafen die
Im Binnenschoß bespritztesten
Protagonisten der Elbharmonie.

Olympiapark & das eintausendeinhundertachtzehnte Gedicht

Schnnee im Olympiapark

Dauercamper

Wir sind schon zu lange in Ferien vor Orte
(Dieser DJ spielt immer das gleiche!):
Wir lümmeln wie auf unserm Strandtuch Verdorrte -
Im Swimmingpool dümpelt 'ne Leiche.

Wir sehen uns vorsätzlich fassungslos an
(Ey, Liquido geh'n nicht mal ironisch!):
Schon vorm Rooftopbar-Sundowner fragst du "Und dann?" -
Unsre Restauswahl lichtet sich chronisch.

Wir ringeln uns ein in die Post-Wiederholung -
Sind die Abreisezyklen so zwingend?!
Der Tag fädelt ein in die WiderErholung
(Diese Setlist ertrag ich nur singend!): ...

St. Patrick & das achthundertsiebzehnte Gedicht

St. Patrick's Day Umzug München

Für Shane M. et al.

Groll' nicht den Drogen der Irrfahrten wegen
Ohne sie gäb' es gar keine Reise
Trünn' auch nicht ab von des Alkohols Segen
Denn wer will die Welt doppelt so leise?

Nun wiegt dich die Zerbrechlichkeit
Zu dem Sermon "Das war zu erwarten"
Der gern als nebensächlich weiht
Allen Ungestüms prächtigste Taten

Beginn'n auch meiner Jugend Helden
Sich nacheinander abzumelden
Für den Rest meiner Zeit rühr'n sie tief durch die Knochen
Schür'n hinter dem Vorhang vom einstigen Brennen
Ich hab' meine Seele längst zigmal erbrochen
Aber vier bis fünf Songs lang kann ich sie erkennen

Isaruferweg & das siebenhundertsechsundneunzigste Gedicht

Isaruferweg

Wishlist für das Totenspalier (Meine Mander)

Hier kommt meine Wishlist fürs Totenspalier
zu den Recken der Family wünsche ich mir:

Zunächst Tom Waits und Thomas Bernhard
Marlene Dietrich, Robert Gernhardt
Rivers Cuomo und Billy Bragg, Harry Belafonte
Orson Welles und Friedrich von (wie man ahnen konnte)

Falls noch Platz im Kirchlein ist:
'nen Comedian Harmonist
und dann können gleich daneben
auch The Cure ein Ständchen geben

Das hört sich dann leicht neidisch an:
Der Kaiser Maximilian

Maximilian I. von Habsburg hat für sein Grabmal 40 überlebensgroße Bronzefiguren in Auftrag gegeben, von denen 28 den – leeren – Sarg in der Innsbrucker Hofkirche eskortieren. Diese "Schwarzen Mander" stellen Familienmitglieder sowie von Maximilian auserwählte Persönlichkeiten dar.

Eisbachwelle & das siebenhundertachtundsechzigste Gedicht

Eisbachwelle

Warnung vor der Runde (Die Schöpfer schöner Töne wie der widerlichsten Worte)

Obacht, die Macher schöner Worte
Lungern wieder rum vor Orte
Und die Schöpfer schöner Töne
Stimmen ein in das Geklöne!

Sie lauern auf dich arglos Hör'nden
Hol'n dann aus zum grundverstör'nden
Tunichtguten Timbreschwall
Und: Ja, dies ist ein Überfall!
Met Rumgeballiterationen
Und Triointerpretationen!

Spürst du, wie die Terrorzell'
Schert sich in dein Trommelfell?
Kein Flimmerhaar bleibt ungeschor'n
Beim Spliss bis über beide Ohr'n
Die zupfen und ziehen, die greifen und beißen
Die blasen und schlagen, die rupfen und reißen
Nur genügt's denen nicht, dich massiv zu rasier'n
Die woll'n dich mit Klängen lasziv penetrier'n!

Sie umschwirr'n dich wie zierlichste Cheerleaderchicks
Und bezirzt von der Zierde stilistischer Tricks
Zieht's dich hin zum Geysir ihrer Lautakrobatik
Verwirrt, irritiert ob der schieren Ekstatik
Bis sich glockenklar säuselnd
Und nackenhaarkräuselnd
Zungenzärtlich Schall ergießt
Als Wärmeschwall ins Herz zerfließt
Ein Ohrenmuschelkuschelflaum
Der flauschig, wie durchhaucht von Schaum
Vor schierem Glück verzückt tonal
Dein blümerantes Lendental
Was dich, wiewohl man's anders schreibt
Zu wohligstem Ohrgasmus treibt

Du bist, mein Kind, so unverdorb'n
Drum schütze dich und deine Ohr'n!
Gib dich nie solcher Wollust hin
Denn Unheil ist des Wohlklangs Sinn!
Und lauscht du ihm zu unbekümmert
Wird vom Rausch dein Hirn zertrümmert

Obacht, die Macher schöner Worte
Lungern wieder rum vor Orte
Und die Schöpfer schöner Töne
Stimmen ein in das Geklöne ...
Nu wirste süffig eingesahnt!

Nur sag nicht, du wärst nicht gewarnt!

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