Gebäude & Urbanes

Gedichte, in denen Gebäude und Bauwerke oder städtische Areale die Hauptrolle spielen.

Auf der Durchfahrt & das vierhundertvierzehnte Gedicht

Solche Ortschaften

Manche Ortschaften sind mir halt gar nicht verständlich
Hier scheinen Visionen im Ansatz schon endlich
Man kann dort nur im Garten steh'n
Gemeinsam mit der Zeit vergeh'n

Manche Ortschaften sind einfach gar nicht echt da
Es ist alles vorhanden - doch nichts geht dir nah
Der Carport bekrönt den Zenit aller Fragen
Wo niemand gewinnen will, gibt's nichts zu wagen
Wo nichts in Bewegung ist, kann sich nichts wenden

Auch du wirst vielleicht in solch Ortschaften enden

Atomium & das dreihundertneunundachtzigste Gedicht

Atomium

Der Nachwuchsforscher

Ich bitte meine Omi um
Den Eintritt fürs Atomium
"Mein Guter, frach den Opi, ja?!"
Dann geh's halt nach Utopia ...

Druck & das dreihundertsechsundachtzigste Gedicht

Da Dome of Kölle

Ganz ohne Druck

Ein 3D-Drucker bräuchte fast sechs Jahre, um den Kölner Dom zu drucken
Wahrlich eine lange Zeit!
Boah, fast sechs Jahre stoisch drucken - dann den Dom hervor zu spucken ...?!
Ja, wir sind noch nicht sehr weit!
Denn so ein Drucker ist komplex
Ebenso der Dom! Nun, sechs
Jahre - ungefähr so lang
Dauert noch der Druckvorgang

Zwar wird - so ist vorauszuseh'n
Sein Tempo sich schon bald erhöh'n
Doch bis dir jemand sagt: "Ach guck:
Dome zum Sofortausdruck!"
Wird gleichfalls noch sechs Jahre dauern ...!

Da indes des Domes Mauern
Ausdruckslos wie down-to-date
Aufgetürmt zur Majestät
Voll schnippischen Gleichmuts dem Fortschritt trotzen
Und mit ihrem Dasein protzen

Dreiweiher & das dreihundertsiebenundsiebzigste Gedicht

St. Gallen Dreiweiher

Spaziergang am Dreiweiher von St. Gallen.

Badeanstalt im Herbst

Wir grasen im letzten Grün des Jahres
Steh'n Modell für die Mär der Eroberungszüge
Ein Greis seufzt schon vor dem Dessert: "Nun, das war es ...!"
Und still resigniert schreit man aus Reflex: "Lüge!"

Winter werden kommen
Jeder einzelne wird wie ein Heer uns erscheinen
Winter werden kommen
Man wird dann selbst Tage wie diesen beweinen

Resi & das dreihundertdreiundsiebzigste Gedicht

Odeonsplatz

Tschechowgetränkter Abend in München

Durst

Ich möchte gern auf großen Plätzen
Dich bei der Wirklichkeit verpetzen
Schnell abtauchen ins Einerlei
Im tiefen Tale, göttlich high
Und dann, erschöpft vom Nichts-Erleben
Wie Schauspieler die Röcke heben

Blutenburg & das dreihunderteinundsiebzigste Gedicht

Schloss Blutenburg

Zeit für Herbstspaziergänge durch München.

Blutenburg

Heute muss die Burg bluten
Besonders die Guten
Sie soll'n nun blutend Buße tun

Weil all ihre Talente ruh'n
Die dieser Welt fehlen
Da sie ihr Geld zählen
Doch inbrunstarm zu wenig wollen

Wohlan, die Köpfe sollen rollen!

Abu Dhabi III & das dreihundertdreiundzwanzigste Gedicht

Saadiyat Beach

Die Sonne geht unter, der Tag darf beginnen. Soll niemand sagen, sie hätte nicht alles gegeben.

Der neunzehnte Stock

Ja, von hier kann ich das Meer seh'n
Gleich neben mir den Rooftop-Pool
Seh Taxifahrer Runden dreh'n
Die Luft ist immer noch nicht cool

Es geht schon auf Eins zu
Doch der Tag scheint noch jung
Er fädelt sich ein - du
Verlorst deinen Schwung
Weil du viel zu früh hungrig ins Leere greifst
Die wahre Bestimmung vertändelnd nur streifst

Du weißt genau: Die Ungeduld
Ist niemals jemand anders schuld
Winkst der Stadt zu: "Naja, eig'ntlich hätt' ich noch Bock!"
Und du schaust sie dir an, dort vom neunzehnten Stock

Kreuzberg & das dreihundertundvierte Gedicht

GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße

Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.

Der römischere Brunnen

Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
Was soll sich hier an Sinn entfalten
Wenn keine Wasser innehalten
Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
Von Marmorschalen wird gefasst?
Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
Dies hat sich seit Jahr'n als Metapher bewährt ...
Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt

Bahnhof Friedrichstraße & das zweihundertachtundneunzigste Gedicht

Bahnhof Friedrichstraße

Wo einem Berlin noch wie Berlin vorkommt. Nach einem Schwarzbier mit Bauernfrühstück.

Unter den S-Bahnbögen

Unter den wummernden S-Bahnbögen
Gestanden sie stumm sich einander zu mögen
Befreit, beseelt sah'n sie sich an
Derweil die Bahn verschwand und dann
Enteilten auch sie, ohne weitere Worte
Doch fortan verbanden die zwei mit dem Orte
Wie nah man dort einander war
Obschon ja wirklich nichts geschah

Nachtrag:

Nun, wer den beiden zugeschaut
Schiebt dies auf im Lärm noch gefallene Worte
Doch dafür war's dann echt zu laut
Und wer mehr versteh'n will - der lausche dem Orte!

Städtetourismus & das zweihundertachtundsiebzigste Gedicht

Im Gras liegen

Mein Gebiet.

Von Städten

Es gibt Städte, dort baut man mit größeren Steinen
Weshalb auch die Städte viel größer erscheinen

Es gibt Städte, da siehst du nur mächtige Türen
So möchten sie dich, Bursch, zum Diebstahl verführen

Es gibt Städte, in denen läuft nichts ohne Grund
Dort wird man dich fragen: Was willst du hier? Und

Es gibt Städte, da geht man am besten nicht hin

Und dann gibt's noch die Stadt, in der ich immer bin
Aber frag nicht, ob ich vielleicht Zeit für dich hätte

Es gibt keine Zeit in dem Dickicht der Städte

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