Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Amsterdam & das hundertundvierte Gedicht

Grachten bei Nacht

Amsterdam by night. Aber natürlich im Bereich der Fiktion (ich bitte, an dieser Stelle nicht nach einem Wortwitz zu suchen. So weit sind wir noch nicht.).

Fast treu (In De Wallen)

Beim Betrachten der Grachten
Begann ich zu schmachten
Da sprach - wenig sachlich
'Ne Dame vom Fach mich
Fast nackig auf 'nen Nachtisch an

"Sachte, Freund, sachte!" sagte ich mir
Verbrachte die Nacht aber trotzdem mit ihr

Wenn's wallt
Ist's halt
Nicht leicht für'n Mann

Amsterdam & das hundertundzweite Gedicht

Gassen Amsterdam

Mit gewogenen Grüßen aus Amsterdam.

Mähliche Engelnähe

Ich kann nun mal nicht ändern, dass
Ich ständig ans Gemächt mir fass'
Erst dann füll' deine Kaffeetass'
Ich mach' das alles nicht zum Spaß!

Die Welt ist halt kein Wunschkonzert
Und manches läuft hier grundverkehrt

Es sind Massen betroffen von Hunger und Kriegen
Wie soll ein Poet all dies Elend besiegen?

Doch, Baby, lass dir deinen Glauben
An eine bessre Welt nicht rauben!
Ich finde es bewundernswert
Wie dich dein Optimismus ehrt

Und klebt auch jetzt noch dann und wann
Am Tassenrand ein Sackhaar dran
Ich stopp das - eines Tages, maybe
Wir können Dinge ändern, Baby!

Potsdam & das fünfundneunzigste Gedicht

Kolonie Alexandrowka

Potsdam. Flaneurpromenade meiner Berliner Zeit. Aber zu viel Idylle reizt auch. Selbst in der Kolonie Alexandrowka.

Nichts Schlechtes über Potsdam

Du nennst dich selbst nur Nachgeburt
Gesäßabszess und Randgewächs im hehren Glanz Berlins
Du, liebes Potsdam, richtest dich
Fatal brutaler, radikaler als du, Potsdam, es verdiens'
Schimpfst dich verzog'ner Kinder Stube
Und Möchtegerners Jauchegrube
Sag, glaubst du, Potsdam, selbst den Mist
Dass du statt Stadt nur Kotzkram bist?

Da schaut die Stadt mich an und klagt:
"Das hab ich alles nie gesagt!"

Wie bitte? Stimmt. Das war ja ich
Na, wie gesagt, es stimmt ja nich'!

Bodenseequere & das fünfundachtzigste Gedicht

Bodenseefähre

Nicht wirklich notwendig, den Bodensee zu überqueren, um nach Olten zu gelangen. Aber wirklich schön.

Was zu tun ist

Wenn der Horizont leer ist
Nur Himmel und Meer ist
So lang mög'n die Möwen den Ausguck besetzen
Sobald Silhouetten
Den Ausblick einfetten
Werd' ich jene Vögel - sacht - tödlich verletzen

Easy Isar & das zweiundachtzigste Gedicht

München Isarauen

Die zweite zweitägige Tourpause, die zweite Erkältung. Warum muss man sich gerade dann, wenn man sich erholen sollte, am dreckigsten fühlen? Zumindest das Isarufer hat sich von einer freundlichen Seite gezeigt, den folgenden Text aber nicht verhindern können.

WeltLebenArschloch

Hallo, altes Arschloch Leben!
Magst du mir wieder Saures geben?
Das schier mich in die Knie zwingt
Und scheue Euphorie durchdringt
Bis von dem Takt der Niederschläge
Ich zermartert, lull und träge
Kraftlos und berapplungsmüde
Letztlich optimismusprüde
Niederstrecke meine Waffen?!

Denkst du echt, das könnt'st du schaffen?

Anstatt mich hier ständig zu terrorisieren
Solltest du endlich die Welt korrigieren!
Die auch vom Trog des Daseins frisst
Und so wie du ein Arschloch ist

Darmstadt & das achtzigste Gedicht

Darmstadt City

Darmstadt scheint keine Stadt mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein zu sein. Die Dame vom Hotel erklärt den Gästen, dass es hier wegen des Krieges so wenig zu sehen gebe. Ich finde das Wetter zu schlecht, um mich auf die Suche nach einem gegenteiligen Eindruck zu machen, habe aber von früheren Besuchen die Mathildenhöhe in guter Erinnerung, die marginal in diesem Gedicht Berücksichtigung findet.

Kein Wort über Darmstadt

Nun bitte kein Wort über Darmstadt, Mathilde!
Da die Welt wie erfüllt scheint von Heiratsanträgen
Romantik und Anmut. Ich bitt' dich deswegen
Mir nichts zu erklären, ich bin ja im Bilde

Bitte sprich nicht über Darmstadt, nie!
Gäb's noch Dinge zu sagen, so flüstere sie
Durch die Streben von Gefängnistüren
Doch lass ihren Laut unser Glück nie berühren!

Mag sein, in der Stadt werden Dinge passieren
Die das Wort Überholspur bald neu definieren
Noch bleibt uns, von derlei nichts wissen zu müssen

Kein Wort über Darmstadt, ja? Gut. Dann komm küssen!

Oscar & das fünfundsiebzigste Gedicht

Elbsandsteingebirge

Gedichtstau! Wer hätte das gedacht? Von der Ost-Tour am Wochenende schweben noch fast zehn Gedichte in der Warteschleife, aber die Nummer 75 soll doch ein Langtext sein - aus der neu entwickelten Reihe der Oscar-Balladen, die davon ausgeht, dass neue Balladenstoffe den optisch übermittelten Mythen entspringen könnten. Hier, mit optischem Rückblick auf den Mittagsspaziergang in der Sächsischen Schweiz am Freitag, Teil 1 der Ladies-Edition der Oscar-Balladen:

Nina Sayers (Black Swan, Natalie Portman)

Du bist der perfekteste Schwan, Nina!
Stiebt auch ins Idyllne des Lebens Intrige,
Bleibt Deine Verwandlung im Plan, Nina!
So stirbst du denn schließlich im höchsten der Siege.

Reut oder freut Dich das jähe Vergehen
Einer, die von der Spitze ins Eis eingebrochen?
Kannst Du Dich schon in ihren Fußstapfen drehen?
Du bist ihnen emsig entgegen gekrochen.

Kapp Dir knapp Deine Nägel in Mamas Nest,
Denn das Rosa der Haut - es muss unzerkratzt scheinen.
Eine Hand wird zur Kralle, sobald man sie lässt.
Hör wie plüschentwachsene Stofftiere greinen:

Da ist Blut in Deinem Schuh, Nina -
Du bist nicht die Richtige für diese Rolle!
Man sucht das Prinzesschen, doch Du, Nina,
Bewahrst Deine bestens bewährte Kontrolle!

Schaffst Du es, vom Ufer Dich abzustoßen?
Gibst Du Dich hin dem schwarzen Kleid?
Deine Lippen sie tragen die Farbe der Großen -
Auf Kosten Deiner Ehrlichkeit.

Sieh dort im Spiegel die Undankbarkeiten!
Wo ist nur Mamas Mädchen hin?
Möchtest Du Deinen Weg via Kränkung erstreiten,
Entnabelt für den Neubeginn?

Stetig verrät Dich der Schorf auf dem Rücken -
Es nährt ihn die Zerrissenheit.
Lässt der garstige Zwang sich durch nichts unterdrücken -
Bist du wohl zu alldem zu wenig bereit!

Königin könntest Du sein, Nina -
Also öffne die Flügel fürs dunklere Ich!
Im Nest war's behaglich und rein, Nina -
Nun entzieh Dich der Welt, die gewacht über Dich!

Wart nicht auf ein Morgen im alten Leben!
Alles, was jetzt geschieht, das entlockte Dein Ehrgeiz.
Der hat Dir seit jeher Kontrolle gegeben,
Doch nun liegt im Schwindel der Hingabe mehr Reiz.

Spür das fedrig Leichte der Abgründigkeit,
Neue Lust im Urinduft der Nachtclubtoilette,
Treib ins Leben und zeig Dich zu allem bereit,
Zerreiß Dir die Zeh'n für die Prachtpirouette,

Die Deinen Durchbruch markiert, Nina -
Und endlich entschwebst Du dem neidenden Reigen!
Noch scheinst Du uns etwas blockiert, Nina?
Du spürst die Verwandlung - kannst Du sie auch zeigen?

Macht das Licht wieder an - hier wird noch geprobt!
Denn die zweite Besetzung, sie steht immer bereit
Und Ersetzbarkeit wird nicht vom Erdball gelobt.
So gebär Deinen Zwilling und stell dich dem Fight!

Gib niemals zu, dass der Druck Dich vernichtet,
Sondern zwing dich, die Augen in Blut einzutauchen!
Du hast Deine rosige Heimstatt vernichtet,
Um als schwärzeste Schwänin zum Angriff zu fauchen.

Da tropft Blut von Deinem Kleid, Nina!
Dreh Dich wie im Trance zu des Publikums Tosen,
Genieß es als Lohn für Dein Leid, Nina,
Lass Dich von dem Beifallssturm zärtlich umkosen!

Der Spiegelsplitter steckt in Dir.
Doch du hast es gefühlt: Es war alles perfekt.
Die ganze Welt steht Dir Spalier,
Hat den flatternden Traum eines Lebens geschmeckt.

Du warst der perfekteste Schwan, Nina -
Doch wird Dein Triumph hier im Siege versiegen.
Du hast Deine Chance nicht vertan, Nina -
Das Sprungtuch, es fing Dich. Und nun bleibst du liegen.

Berlin, zum Zweiten & das neunundsechzigste Gedicht

Der Himmel über Berlin

Berlin, zum zweiten Mal in fünf Tagen. Ich komme immer gerne in die alte Bruthöhle von sechs meiner Bücher. Aber ist man im Gegenzug eigentlich gern gesehen dort? Oder alles nur ein Missverständnis:

Zur Harmonie des Missverständnisses

Bewölkt bölkt der Himmel über Berlin:

"Ey, hörs' schlecht, du Pimmel?! Du solls' dir verzieh'n!"

"Ach, verzieh'n - hab ich dir doch schon längst!
Obschon du mich ja manchmal kränkst."

Montmatre & das einundsechzigste Gedicht

Paris Silhouette

Ach, voll vergessen: Da gab es gestern das sechzigste Gedicht - womit ein längerer Text gefordert war - und schon ist alles veröffentlicht und das Versprechen, in Zehnerschritten längere Texte zu präsentieren, zur Lüge geworden. Es ist aber auch so, dass sich der Rhythmus der Gedichte erhöht hat und hier längst mehr als ein Gedicht pro Tag landen. Außerdem steht - ganz frisch entschieden - für 2017 ein neues Marilyn's Army-Album an, für das jetzt die Texte geschrieben werden müssen. Bevor nun die Hyperventilation einsetzt, mag ich die Längere-Slamtext-Taktung auf 15er-Schritte eineichen. Und euch heute nachträglich mit einem der neuen M.A.-Texte abspeisen ... Ein neuer 5-Minüter dann bei Beitrag Nr. 75 - versprochen.

Unzerstörbar möglich

Du kannst mich jeden Tag hier sehen
Und mich auf einem Schlag verstehen
Es könnte mich auch int'ressieren
Welche Dinge Dir passieren

Doch es ist nicht so, es ist nicht so
Dennoch wird ein Teil der Welt stets
Unzerstörbar möglich sein
Unzerstörbar möglich sein
Unzerstörbar

Ich kann, sofern ich's mag, was drehen
Oder auf den Vertrag bestehen
Und wir könn'n laut hinaus skandieren:
Wir woll'n alles ausprobieren!

Doch es ist nicht so, es ist nicht so
Dennoch wird ein Teil der Welt stets
Unzerstörbar möglich sein
Unzerstörbar möglich sein
Unzerstörbar möglich

Wir könn'n laut hinaus skandieren:
Wir woll'n alles ausprobieren!
Nur es ist nicht so, es ist nicht so.

Eiffelturm, zum Zweiten & das sechzigste Gedicht

Paris Silhouette

Bis zu meinem Hotelzimmer sind es 110 Stufen (und es gibt auch keinen Aufzug). Daheim habe ich 96 Stufen zu bezwingen (und es gibt auch keinen Aufzug). Da erscheinen die 669 Stufen zur zweiten Etage des Eiffelturms beinahe etwas wenig. Und es gibt durchaus einen Aufzug. Aber:

669 Stufen

Ob als

"Papa, ich will Pommes!"-Nöhler
Städteausflug-Bustourist
Preissensibler Interrailer
Oder Birthday-Amourist -
Auch auf meiner Lesetour
Nahm ich stets die Stufen nur

Sollte ich einst, schon erlahmt
Mich noch hin zum Turme schleppen
Tragt mich hoch zum letzten Mal

Aber bitte nehmt die Treppen

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