Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Fledermausfisch & das eintausendvierhundertsechste Gedicht

Fledermausfisch am Anse Source d'Argent auf La Digue

Gerridae

Ich seh den See und drinnen die Fische -
Mich freut, dass ich 'nen Reim erwische
In schnell erfasster Szenerie.
Nur frag ich mich: Versteh ich sie?

Die Eleganz vom Flossenschwingen
Verhöhnt doch dieses ganze Ringen,
Dem Puren auf den Grund zu gehen,
Die Spur zu fassen und zu sehen.

Und wehrt die abgeklärte Ruhe
Nicht alles ab, was ich hier tue?

Frisch gespitzten Stifts durchsteche
Ich des Wassers Oberfläche.

Ponte dell' Accademia & das eintausenddreihundertneunzigste Gedicht

Möwe vor der Ponte dell' Accademia

Ein Rumoren

Mir geht so ein Rumoren
Grad rum in meinen Ohren.
Das wummert zwar vom fernen Rand,
Doch hör ich keine Zwischenwand!
Und höhnt's nicht hoch vom Rachen:
Bald wird's hier richtig krachen! - ?

Das macht zum Glück und Schutz mich
Stückchenweise stutzig.

Überseekirchturm & das eintausenddreihundertsiebenundsiebzigste Gedicht

In Übersse am Chiemsee

Lichtblicke

Wie sich ein Hauch von Sommer in den Winterwind verirrt,
Befällt auch uns mal Heiterkeit (obschon man stets verliert).
Eh, dass der Frühling Bahn sich bricht, sind wir wohl längst erfroren.
Doch wer uns kennt, der sage nicht, wir hätten nur verloren.

Auf der Sendlinger & das eintausenddreihunderteinundsiebzigste Gedicht

Auf der Münchner Einkaufsmeile Sendlinger Straße

Der Schwerversetzte

Ich kann wohl nicht genug
Auf meine Uhr heut schau'n,
Dein Kommen in Verzug
Als faktisch zu versteh'n.

Ich wittere Betrug
Und suche doch Vertrau'n,
Wenn forschend ich beguck'
Der flotten Zeiger Dreh'n.

Ich kann heut nicht genug
Das Trostlose beschau'n.
Ich schau' und blick' und guck' -
Und würd' viel lieber seh'n.

Neuperlach & das eintausenddreihundertneunundsechzigste Gedicht

Neuperlach City

Abendkälte

Da mir der Abend Kälte wünscht,
Muss ich mich wohl verkühlen.
Weil er des Tages Pläne lyncht,
Die tief in mir noch wühlen.

So dünnt sich dunkel aus: die Zeit.
Zu viel bleibt ungelesen.
Mein Wille ist zu viel bereit
(was nutzt's mir jetzt?) gewesen.

Kerimäki & das eintausenddreihunderteinundfünfzigste Gedicht

Decke der größten Holzkirche in Kerimäki

Kleine Adieus

Es war nichts Wichtiges, das ging.
Kein Schatz, an dem man wirklich hing.

Doch sträubt den Samt der kleinen Schmerzen
Die Täubnis deines Zugemuts -
Der sammelt bloß, bald auszumerzen
Die alten Pläne deines Guts!

Dein Stern ist aus der Welt gesunken.
Du hast zu oft Adieus gewunken
Und tat auch keines weh -

Es werden die Veränderungen
Schon längst als Status Quo besungen,
An dir prangt ein a.D.

Haukivesi & das eintausenddreihundertneunundvierzigste Gedicht

Steg am Haukivesi an den Saimaaseen

Der niedrigstehenden Winterzeitsonne

Mir ist schon klar,
Dass du, mein Star,
Dich heut dieses kleine Stück nur erhebst -
Als Zeichen, dass du doch noch lebst,
Überwinternd,
Bis des Winters üble Winde letztlich überwunden sind.

Denn im Jahresstreit gewinnt,

Wer nicht ständig strahlt in Taten,
Sondern übt, sie abzuwarten.

Ausklang & das eintausenddreihundertfünfundvierzigste Gedicht

Winter an den Saimaaseen

Everlasting Hype

Ideenreißzähne abgerüstet,
Die Münder plappern leer -
Wem es nach altem Geist gelüstet,
Kommt eh nicht mehr hier her.

Man routiniert sich durch das Hier
(Das ist recht leicht gestillt),
Man handelt noch mit alter Gier,
Doch ist nicht mehr gewillt.

Saimaa & das eintausenddreihundertvierundvierzigste Gedicht

Winter An den Saimaaseen

Wintereinbruch

Mit schwadigem Tänzeln vom Schneestaub im Wind
Als frostige Spielart von Nebel,
Mal prustet die eisige Kühle dich blind,
Mal prickelt die Haut vom Geschwebel,
Bis klirrendbrüll‘nde Winterzeiten
Über sorgsam zugeschneiten
Sorgenbrettern mordend wettern,
Ist es wahrschneilich,
Das in Reih‘ sich
Herbstschmerzen verflüchtigen,
Frostmarken mich. Als Süchtigen.

Weihnachtsreprise & das eintausenddreihunderteinundvierzigste Gedicht

Der Dom in Mailand

O ich Fröhlicher, o ich Seliger

Der Weihnachtsbaumhain meines Lebens
Wäre eines der prächtigsten Wildschweinverstecke,
Der Geschenketurm jährlichen Gebens
Reichte bei mir bis zur domhohen Decke,
Das Leid der mich labenden Tierleiberei
Trieft vor rudelauslöschender Schuld,
Doch spricht mich von weit'ren Erklärungen frei:
Die über dem schwärende Huld.

Seiten

RSS - Erde abonnieren