Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Abwesenheitsnotiz & das vierhundertfünfundachtzigste Gedicht

Es gibt diese wunderbaren Orte ohne Netzzugang, an denen sich Gedichte verfassen, aber nicht online stellen lassen. Sie geben einem Zeit, durch die allmähliche Veröffentlichung des Zwischendurch-Verfassten die nächsten Tage zu füllen und zu überlegen, was mit diesem Blog eigentlich nach dem fünfhundertsten Gedicht geschehen soll.

Unerreichbar

Es gibt diese Zeilen, die der Leserschaft fehlen
Den Dichtern ein Schlupfloch der Biographie
Um unbewacht einmal davon sich zu stehlen
Die Nachwelt schreibt wissend: "Nein, dort war er nie."

Es gibt dieses heimlich vom Hauptwerk Gelöste
Nichts Wegweisendes, jedoch kleine Juwelen
Und deren Schein trügt all das Facebook-Entblößte ...

Das steht in den Zeilen, die still vergnügt fehlen!

Calypso Christmas & das vierhundertachtzigste Gedicht

Cahuita

24. Dezember

Der Reggae-Gitarrero versucht auf's Beste
Aufzuspiel'n zum Weihnachtsfeste
Mit 'nem Jingle Bells, das seinen Rhythmus nicht hält
Und immerfort in einen Off-Beat verfällt
Feliz Navidad und Marihuana
Tell the free men: Ick been Costa-Ricaner!
Ich wippe mit, gefallensblind
Bin mit Chuck Jesus Krippenkind
Gebt mir noch etwas Alkohol
Und stoßt mit an aufs Weihnachtswohl!
Ganz in Marias Schoß versunken
Stimm ich mit ein, schon großbetrunken:
Three Little Birds und Gonna be alright
Frohe, frohe Weihnachtszeit!

Punta Uva & das vierhundertsiebzigste Gedicht

Punta Uva

Fortsetzung folgt

Das Ende der Welt ist von hier nicht zu sehen
So bleibt dir nur, Leid um Leid weiterzugehen
Die Last wie einst Lust durch die Zeiten zu tragen
Und wenn's soweit ist, wird's dir irgendwer sagen

Brüllaffe & das vierhundertachtundsechzigste Gedicht

Brüllaffe

Wem man so alles im Garten begegnet. Das tatsächlich lauteste Tier der Welt. Versammelt sich jeden Morgen um halb Acht neben meiner Hütte und grölt.

Brüllaffe (Punks not dead)

Du musst nicht gut sein, aber laut
Wer hätte dir das zugetraut
Dass all die streng gesetzten Hürden
Dich gar nicht int'ressieren würden?
(Derweil sie denken, du kannst nicht versteh'n
Hangelst du dich von der Acht auf die Zehn)
Und mosert wer: "Ganz schön bequem!" - sagst du: "Nein
Die Lautstärke Halten kann anstrengend sein!"
Wo And're von And'ren Gelehrtes verwalten
Musst du stetig Nichts zu was Großem gestalten

Trotten & das vierhundertzweiundsechzigste Gedicht

Kapuzineraffe in Cahuita

Globetrotterblues

Und immer gibt's wieder ein Nie-mehr-Zurück
Kein Arzt wird uns je eine Rückkehr verschreiben
Quer über die Welt verstreut liegt altes Glück
Und unwiederholt wird es dort fortan bleiben

Cartago & das vierhunderteinundsechzigste Gedicht

Cartago Basilica of Our Lady of the Angels

Sakralbauten

Ich mach nicht drei Kreuze, ich mach nicht mal eins
Ich bin hier beim Abendmahl wegen des Weins
Doch kann ich mir auch nach drei Bier nich erklär'n
Wieso, irgendwie, wenn die Kirchen nich wär'n
Den Städtebesuchen ein Ankerpunkt fehlte
Den vorher vermutlich dies Bauwerk beseelte
Das all dem Gequake befehligt zu schweigen

Denn es spiel'n nicht die Menschen, es spielen die Geigen

Parque Central & das vierhundertfünfundfünfzigste Gedicht

San José Parque Central

Die Distinguierten

Wir schlendern umher wie durch sichere Zeiten
Als würd die Verlässlichkeit niemals gestutzt
Wir geben uns achtlos, wir schreiten und gleiten
Und selbst die Galoschen sind immer geputzt

Polizei und auch Policen
Blieben immer ungenutzt
Wir, die wir uns sorglos hießen
Haben jeder Angst getrutzt

Was für uns gegolten
Gilt schon längst nicht mehr
Unreinheit und Wolken
Reimen immer näh'r

Narrenhände
Schreiben schon
Unser Ende
In ihr Droh'n

Keiner
Sah
Die Ge-
Fahr

Wir schlendern umher wie durch sichere Zeiten
Als würd die Verlässlichkeit niemals gestutzt
Wir geben uns achtlos, wir schreiten und gleiten
Und selbst die Galoschen sind immer geputzt

San José & das vierhundertvierundfünfzigste Gedicht

Fremd hier!

Ständig ruft die Stadt mir zu:
"Oller Stubenhocker, du!
Wir schwurbeln rum im Trubelzwang
Und du, du streunst nur stumm hier lang!"

Gelingt's mir noch, mich auf die Gassen
Gar auf die Gässchen einzulassen?
Die Auslagen sind ...interessant
Zum Einstieg viel zu unbekannt
Und letztlich schafft die fremde Sprache
Fast mätzchenhaft 'ne Zugangsbrache

Und doch - das wird sich integrieren
Einfach immer reinspazieren...!

Dezemberhimmel & das vierhundertachtundvierzigste Gedicht

Frankfurt am Main Himmel

Melancholie

Ein aus Schönheit gepresster Grapefruittaft
Plus unverdünntem Alkohol
Ein unschluckbarer Schwermutsaft
Fürs samtenherbe Unwohlwohl

Stets in der Dichter Umlaufbahn
Nostalgisch fern wie Lebertran
Der Lattenrost vorm Schwarzen Loch
Verspricht sie Linderung - und doch:

Gebeugt von all der Welten Schiefe
Führt jeder Weg in neue Tiefe

Unzugvögel & das vierhundertzweiundvierzigste Gedicht

Der Rest

Nein, keiner von uns klagt der Schmerzen
Die noch vom November verschuldet
Gewärmt von verbitterten Scherzen
Fühlt jeder sich etwas geduldet

Wir kennen die Grauheit der Gräuel
Uns muss man im Grunde nichts zeigen
Wir dulden des Winters Geheuel
Und die nicht gleich sterben, die schweigen

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